Mittwoch, 20. September 2017

Erstaunliche Fortschritte der Nanopoesie


Blogstuff 157
„Die meisten Bücher von heute scheinen an einem einzigen Tage geschrieben zu sein, nach Büchern, die am Abend vorher gelesen wurden.“ (Nicolas Chamfort)
Zu alt für die angesagten Clubs, zu jung fürs Altersheim. 51 ist ein Scheißalter.
Pfaff vs. Singer – der große Nähmaschinenkrieg. Aber dafür kann man die Jugend heute nicht mehr begeistern.
Hätten Sie’s gewusst? 1965 war Roberto Blanco der einzige Schwarze in Deutschland.
Früher waren Medien Scharlatane, die behaupteten, bei spiritistischen Sitzungen den Kontakt zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Geister herstellen zu können. So betrachtet hat sich ja nicht viel geändert. Wir bezahlen Leute, die angeblich Stimmen hören.
Seit es arbeitsteilige Gesellschaften gibt, richtet sich die Tätigkeit des Einzelnen im günstigsten Fall an eigenen Neigungen und Fähigkeiten aus. Die einen sind handwerklich begabt, die anderen arbeiten gerne mit Vieh oder haben das richtige Händchen, um Getreide und Gemüse anzubauen. Später wird mancher Bauer, der auf dem Markt erfolgreich ist, zum hauptberuflichen Händler, und der Wirthausphilosoph zum Berufspolitiker. Die Arbeitsteilung differenziert sich aus. Der Ökonom David Ricardo hat dieses Prinzip einfach auf die Nationen übertragen. Ein Land verkauft Orangen, weil sie dort wachsen, das andere Land verkauft Nägel, weil dort keine Orangen wachsen. Diese Theorie ist dermaßen schlicht, dass man sich wundern muss, warum sie noch heute an unseren Universitäten gelehrt wird. In Zeiten, wo man in Gewächshäusern alles züchten und in Fabriken alles herstellen kann.
Hätten Sie’s gewusst? Der Begriff „neoliberal“ fällt bereits im Programm „Wir werden uns schon schaffen“ der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von 1971.
Vier Jahre lebe ich jetzt in diesem Haus und in dieser Zeit sind alle Uhren irgendwann einmal stehengeblieben. Ich habe keine neuen Batterien mehr gekauft. In jedem Raum ist jetzt eine andere Zeit. In der Küche ist es immer viertel vor sechs, im Wohnzimmer ist es halb vier. Zweimal am Tag zeigen sie aber immer noch die korrekte Uhrzeit an.
Beim Lesen können wir drei Mal so viele Informationen aufnehmen wie beim Zuhören. Ein geübter Leser schafft tausend Worte pro Minute. Niemand kann so schnell sprechen. Deswegen werden schriftliche Informationen wie Bücher oder Zeitungen – ob in Papierform oder auf einem Monitor – nie durch Radio, Podcasts oder Fernsehen verdrängt werden.
Schlechte Bücher oder Drehbücher spielen immer in der Welt der Reichen, weil Geld so viele Möglichkeiten eröffnet. Wer arm ist, besitzt eigentlich nur sehr wenige Alternativen. Er kann nicht in Wladiwostok einen Laden für Anglerbedarf eröffnen, um sich selbst zu finden. Er kauft keinen Fesselballon, um ein Rennen um die Welt zu gewinnen. Deswegen sind Bücher, in denen es um Arme geht, eine echte Herausforderung für jeden Autor.
Die Angst baut größere Häuser als die Gewissheit.
Man müsse unbedingt etwas gegen den Klimawandel unternehmen, sagte der Mann, der neben mir im Flugzeug saß.
An den ägyptischen Tempeln von Abu Simbel finden sich griechische Graffiti aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. Der Drang, irgendwo seinen Namen zu hinterlassen, ist älter, als wir denken.
Ganz im Süden von Rheinland-Pfalz, an der Grenze zu Frankreich, liegt das Dorf Schweigen mit 720 Einwohnern.
„Gestern Schwestern – Heute Beute – Morgen Sorgen. Geschichte aus ostdeutscher Perspektive“. Dieses Werk wird pünktlich zur Frankfurter Buchmesse bei Bonetti Media Unlimited erscheinen.
Über mein Heimatdorf Schweppenhausen wird ja gerne gelacht, aber wie ist es mit Hermann Schweppenhäuser? Der aus Frankfurt stammende Philosoph hat bei Adorno, Gadamer und Horkheimer studiert, war Assistent Adornos und hat später als Professor die Kritische Theorie bis in die neunziger Jahre vertreten.
Iggy Pop - Real Wild Child (Wild One). https://www.youtube.com/watch?v=def3ob2h-1s

Kommentare:

  1. Das mit dem Scheißalter geht vorüber. Bin jetzt 52.

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    1. Nur noch elf Monate ... da bin ich ja beruhigt. Mit 52 bestellt man Schwarzwälder Kirschtorte und findet nix mehr dabei :o)

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  2. Seit Chamforts Beobachtung hat sich die Medienlandschaft nicht grundlegend geändert:
    "Die meisten Fernsehformate von heute scheinen auf Halde produziert worden zu sein, und zwar nach Formaten, die gestern von Formatlosen über Formatlose gecopypastet wurden."

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  3. Unter uns Büchernarren: die Bemerkung über das schwer zu handhabende Sujet der Armen in Büchern bedarf einer Ergänzung.
    1) Die Armut eignet sich hervorragend für die endlose Schwemme von Büchern über den eur-usa-ischen Alptraum "From rags to riches".
    2)"Der Dichter, der die extreme Armut, das düsterste Elend gekannt und geschildert hatte, residierte in fürstlichem Luxus; die Damen seiner Familie empfingen uns in Pariser Toiletten; das Mahl an seinem Tisch war von asiatischer Üppigkeit..."
    Wer war´s?

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    1. Entweder Victor Hugo oder Charles Dickens. Ich lese übrigens gerade "Die Elenden". Daher auch meine Anmerkung zum Thema ;o)

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    2. Gesagt hat's Klaus Heinrich Thomas Mann. Über Maxim Gorki.

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    3. Andyonos von Knossos, das Orakel vom kommenden Olymp, hat es aus deinem Munde vernommen, edler Recke aus Schwabylon.

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  4. Fürwahr,
    er sieht mich beeindruckt:
    Ward ich noch nie zuvor
    als "edler Recke Schwabylons" geheißen!

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