Montag, 4. September 2017

Durst und andere Männergefühle


Blogstuff 149
“Machete twittert nicht.” (Machete)
„Welcher Meinung soll ich denn heute sein?“ fragt der Abgeordnete.
Im Ernst: Im Bundestag werden keine Entscheidungen getroffen. Die Abgeordneten sollen die Ergebnisse in den Wahlkreisen verkaufen. Wenn man so will, sind sie Gebietsverkaufsleiter. Vorstand und Marketing sind eine Etage über ihnen.
In Berlin trifft man die Welt. Ich sitze in der U-Bahn, als sich drei gewichtige Damen aus Südostasien mit ihren Taschen um mich herum drapieren. Schräg gegenüber sitzt eine deutsche Rentnerin, die ob des umfangreichen Damenbesuchs – vorher saß ich allein – grinsen muss. An der nächsten Station wird die Vierergruppe auf der anderen Seite des Ganges frei und die Frauen setzen sich hinüber. Ich sitze wieder allein – für wenige Sekunden. Dann setzt sich eine offenbar arabische Mutter mit ihren beiden Töchtern (alle tragen eine Art Kopftuch, das auch Hals und Kinn bedeckt) zu mir. Die Rentnerin fängt an zu lachen. Was für ein Pechvogel, denkt sie vielleicht. Ich lache zurück. Dann gehe ich in ein indisches Restaurant in Charlottenburg. Als ich es verlasse, fällt direkt vor mir ein kleiner Junge mit Kippa vom Roller. Sein Bruder lacht, ich muss nicht helfen. Der Vater kommt um die Ecke, wir grinsen uns an, während die beiden zukünftigen Stuntmen um mich herum auf ihn zu rasen. Eine Stunde Berlin – und es fehlt nur noch Crocodile Dundee.
Hätten Sie’s gewusst? 1923 beginnt die Geschichte des Rundfunks in Berlin. Die private Funkgesellschaft Vox AG sendet aus einem kleinen Zimmer in der Potsdamer Straße 4. Die ersten Worte des Sprechers Alfred Braun lauten „Achtung! Achtung! Hier ist Berlin.“ Damals waren die kistenförmigen Empfangsgeräte sehr klein und besaßen einen Kristall, den man mit einer Nadel abtasten musste. Hatte man die richtige Stelle mit der Nadel entdeckt, konnte man über Kopfhörer Worte und Musik hören.
RTL-Pressemeldung: Aufgrund von Druckfehlern entfallen die Sendungen „Auf der Suche nach außerindischem Leben“ und „Ein böhmisches Grinsen“. Die Dokusoap „Freddy Lambada präsentiert: Die Stanztunte“ (Hinweis: Pointe dauert etwas länger) wird nachgereicht.
St. Pauli – das war schon immer vibrierende Sexualität. Hier trifft aufgestaute Matrosengeilheit auf ein Angebot echter Schaufensterpuppen in der Herbertstraße, obszöne Inszenierungen in diversen Etablissements auf der Reeperbahn und käufliches Fleisch aus aller Welt, an dem auch noch die Hafenarbeiter, Einheimischen und Auswärtigen gierig schnuppern. Tagsüber ist für die braven Touristen nichts davon zu spüren, es ist so öde wie Las Vegas ohne Leuchtreklame.
Bis auf wenige Ausnahmen ist mein Freundes- und Bekanntenkreis um die fünfzig Jahre alt. Inzwischen mögen sie alle ihren Job, ihren Arbeitgeber. Sie meckern nicht mehr, sie denken nicht mehr über Alternativen nach. Sie leben, aus ihrer Perspektive betrachtet, in der besten aller möglichen Welten. Wo soll es denn auch noch hingehen? Mit fünfzig bleibt man an seinem Arbeitsplatz, bis man in Rente geht oder mit den Füßen nach vorne rausgetragen wird. Es geht uns doch gut! Und so ist es auch mit den Wahlen. Der Durchschnittsdeutsche ist 46 Jahre alt, der Durchschnittswähler ist über fünfzig. Da will man keinen Wechsel mehr, alles soll so bleiben, wie es ist. Also wählen wir wieder die Merkel, die auch in der nächsten Auflage der GroKo die Spezialdemokraten wie einen roten Holzdackel hinter sich her ziehen wird.
Das Schöne am Älterwerden ist, dass die Zahl der Ausreden zunimmt.
Farben von Raucherzähnen: Gitanes-Maisgelb, Aschgrau, Zigarrenbraun.
Bahnhof Zoo: Hier bin ich 1981 aus dem Interzonenzug gestiegen und habe zum ersten Mal Berliner Boden betreten. Damals ein aufregender und gefährlicher Ort – zumindest laut „Christiane F.“. 36 Jahre später sitze ich in meiner Wohnung, die nur ein Kilometer entfernt ist. Keine Fernzüge mehr, keine Drogen, keine Aufregung.
Hätten Sie’s gewusst? Im Jahr 1649 beginnt das staatlich organisierte Postwesen in Berlin. Das erste Postamt ist im Schloss untergebracht. Dort dürfen sich die Berliner ihre Post abholen. Der Briefträger wird erst später erfunden. Allerdings hatte die preußische Hauptstadt damals auch nur 6000 Einwohner.
Die Akademikerschwemme wird uns richtig voranbringen. Zwanzig Semester Eventfloristik in Paderborn – da kann man natürlich bei jedem Thema mitreden.
The Eyes – As Tears Go By. https://www.youtube.com/watch?v=resHYlh_dOM

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