Freitag, 1. September 2017

Dakota Jones und die Supermarktfiliale der Belanglosigkeit


Blogstuff 148
„Man hat die Verzweiflung kultiviert und Literatur und Kunstwerke daraus gemacht.“ (Eugène Ionesco: Der Einzelgänger)
Kennen Sie das großartige Gefühl, wenn Sie nach einer heißen Nacht mit einer wunderschönen, wildfremden Frau aus deren Haus auf die Straße treten, die Sonne scheint, Sie spazieren die Straße entlang, Sie haben an diesem Tag nichts vor, Sie fühlen sich einfach nur gut und gehen in ein Café, um ausgiebig zu frühstücken, frisch gepresster Orangensaft, Rühreier mit Bacon, Toast und ein Honigmelonenschiffchen? Genau so ging es mir heute Morgen nicht.
Was macht Meister Bonetti? Er sitzt mit Taucheranzug und Sauerstoffflasche in seinem Koi-Teich und streichelt die Fische. Der Grund: Er musste untertauchen.
Ich hatte ja in meiner Schulzeit einen ganz religiösen Pfarrer, der hat die Sache richtig ernst genommen. Donnerwetter! Anhand von „Das Leben des Brian“ wollte er mit uns das Thema Blasphemie im Unterricht durchnehmen und war stinksauer, weil wir uns bei der Filmvorführung schlapp gelacht haben.
Hätten Sie’s gewusst? Die neue bayrische Dauerwurst kommt jetzt als „Balami“ in den Supermarkt.
Andy Bonetti beschäftigt nicht nur einen Beerkeeper, sondern auch einen Teeexperten (immer mit ganz viel E). So bekommt er kühles Bier, Cocktails und wahlweise belebende und beruhigende Tees serviert, was die literarische Qualität seiner Texte auf ein neues Niveau gehoben hat.
So habe ich mir die Zukunft nicht vorgestellt, als ich noch ein Kind war: Im 21. Jahrhundert haben die Leute ständig einen Kaffeebecher in der einen und ein Telefon in der anderen Hand, während sie durch die Stadt laufen.
Ist „Sackbahnhof“ nicht auch ein Fall für die Sprachenthusiasten und Wortzauberer der Genderia?
Wer noch einmal ein Wortspiel mit Bürger und Burger macht (Burger-Meister usw.), der soll öffentlich angeprangert werden. Er soll ein Schild mit der Aufschrift „Ich bin ein Spießburger“ tragen und auf dem Marktplatz stehen drei Tage lang. So er denn Hipster sei, möge ihm der Bart geschoren werden und eine Rastafari-Perücke solle sein Haupt schmücken. So er sein Haar lang trage, möge es ihm abgeschnitten werden.
Ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem es in Berlin eine Helmut-Kohl-Straße geben wird – oder, um dem Leibesumfang des Ex-Kanzlers gerecht zu werden, einen Helmut-Kohl-Platz. Dort möchte ich nicht leben. Bei Neubenennungen wird ja auch immer um die Frauenquote gerungen. Mehr Frauen auf Straßenschilder! Der Meinung bin ich auch. Aber Namen sind immer umständlich zu schreiben, vor allem, wenn die Frauen einen Doppelnamen haben. Wer will schon in der Gisela-Leutheusser-Schnarrenberger-Straße wohnen? Warum muss es auf den Straßenschildern eigentlich überhaupt um Menschen gehen? Was ist mit Pflanzen und Tieren? Rosenweg. Klingt doch viel schöner. Es muss ja nicht immer edel klingen. Warum nicht eine Distelstraße oder eine Rhabarbergasse? Musikinstrumente wären auch mal was: Gitarrenweg, Trommelgasse, Klarinettenallee. Ein ganzes Musikviertel könnte so entstehen. Und was ist mit dem Mondweg, der Milchstraße und der Sonnenallee? Sonnenallee gibt’s schon in Neukölln? Find ick jut.
Marktlücke der Zukunft: Rollatoren im AC/DC- oder im Pink Floyd-Look.
Zeit ist nicht Geld. Zeit kann man nicht sparen. Wir bekommen jeden Tag 24 Stunden auf unser Konto gebucht. Ob und wie wir sie nutzen – völlig egal. Es gibt keinen Übertrag auf den nächsten Tag. Um Mitternacht bekommen wir wieder 24 Stunden auf unser Konto. Es wird gerne behauptet, man müsse nur viel arbeiten, um später einmal viel Zeit zu haben. Das ist natürlich dummes Zeug. Ob ich als Rentner viel Zeit habe, ob ich das Rentenalter überhaupt erreiche – das steht in den Sternen. Lieber heute viel Zeit haben und wenig arbeiten. Dann bin ich auf der sicheren Seite.
The Who – Sensation. https://www.youtube.com/watch?v=lyR8vcyi14M
Pimania 1982

Kommentare:

  1. Zum Glück kein Pranger mit "berger":
    "O der Burger" in der Oderberger Straße.
    Reim' dich oder ich fress' dich.

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  2. Wieder ein wunderbarer Blogbeitrag- soviel Ansätze zum Nach-denken, stille Ironie, aber auch heimliche Trauer...
    Das mit den Straßennamen sollten alle als Anregung nutzen, dann braucht es auch keine Umbennung, wenn sich die Geehrten als unwürdig erweisen, das Tier- und Pflanzenreich ist voller Namen.

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