Donnerstag, 17. August 2017

One Blogstuff to rule them all


Blogstuff 143
„Was lag in der Luft? – Zanksucht. Kriselnde Gereiztheit. Namenlose Ungeduld. Eine allgemeine Neigung zu giftigem Wortwechsel, zum Wutausbruch, ja zum Handgemenge.“ (Thomas Mann: Der Zauberberg)
Mein Ziel ist die Unsterblichkeit und bis jetzt ist es hervorragend gelaufen.
Im Spiegel sehe ich den unvorteilhaften Faltenwurf meines weißen T-Shirts, aber dann bemerke ich, dass es mein Bauch ist.
Nach Schopenhauer kann sich nur das Genie durch Kunst vom Leiden der Welt erlösen. Das „Weltauge“ erkennt, was der „Fabrikware der Natur“, dem Normalo also, verborgen bleibt. Dabei vernachlässigt das Genie das Naheliegende, das Banale. Plötzlich ergibt das ungespülte Geschirr in meiner Küche einen Sinn.
In der U2 sitzen mir drei weibliche Teenager gegenüber, die offenbar zum ersten Mal in Berlin sind. Sie starren die ganze Zeit auf ihre Smartphones und lesen sich gegenseitig die U-Bahn-Stationen vor, anstatt einfach aus dem Fenster zu schauen. Und so erreichen wir bald die „Möhrenstraße“. Was für eine elegante Lösung für die Debatte um den politisch nicht mehr korrekten Straßen- und Stationsnamen. Zwei Punkte – und das Problem ist vom Tisch.
Hätten Sie’s gewusst? Durch Andy Bonettis vielbeachteten Roman „Dauerbaustelle“ wurde Berlin über Nacht berühmt.
Sobald ein Schaffner die erste Klasse des ICE betritt, verwandelt er sich in einen Kellner. Ich sehe einen graumelierten Herrn in Uniform, der ein Tablett mit einem Glas Bier trägt. Er kommt zurück, um kurz darauf mit einem Handbesen und einer Kehrschaufel erneut das Abteil der ersten Klasse zu betreten. In der zweiten Klasse ist er eine Respektsperson, die meine Fahrkarte kontrollieren darf. Hinter der Tür ist er ein Diener.
Ich sitze nur zwei Meter von der ersten Klasse entfernt und kann die bessere Welt durch eine Glasscheibe sehen. Eben kamen zwei Kinder an mir vorbei, die sich dort die Sitze angesehen haben. "Die sind viel größer", stellt das Mädchen gegenüber ihrem Bruder fachmännisch fest. Ja, liebe Kinder, dort sind ja auch die größeren Ärsche.
Andy Bonetti hat es geschafft, kommerziell zu werden, bevor er berühmt wurde.
Ich hätte gerne gegen meine Eltern rebelliert, aber sie waren nie zu Hause.
Die gebürtigen Berliner sind viel gelassener als die Zugereisten. Vielleicht kommt die Wut der Neuberliner daher, dass sie in die Stadt gekommen sind, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, um sich und anderen etwas zu beweisen? Viele Träume platzen in Berlin und irgendwann kapiert die Kellnerin, dass sie nie Schauspielerin wird, und der Pizzabote, dass er nie Rap-Star wird. Und dann sind sie den Rest ihres Lebens wütend und enttäuscht. Sie haben an ihr Talent geglaubt und sich angestrengt – und es nicht geschafft. Daran müssen Andere schuld sein.
Warum können Männer es nicht spüren, wenn Soße oder Fett auf ihrem Kinn ist? Ist es ein Gendefekt? Früher dachte ich, es sei nur bei alten Menschen so, aber mir passiert es inzwischen auch schon.
Damals im Kerzenschein waren wir schöner als im Neonlicht.
Berlin ist so groß, dass oft völlig anderes Wetter herrscht, wenn ich in einem anderen Teil der Stadt aus dem Höhlensystem der BVG krieche.
Wenn Bonetti behauptet, er stehe über anderen Autoren wie Hemingway oder Sartre, dann ist das nicht abwertend gemeint. Er ist einfach nur besser als sie.
BER: Der Flughafen ist ein Symbol für Berlin. Die ganze Stadt ist eine Dauerbaustelle. Sie wird nie fertig werden. Es wäre ja auch traurig, denn wenn etwas fertig ist, verändert es sich nicht mehr.
„Meister“, fragten die Jünger, „was ist das Wesen der Literatur?“ Der Meister schwieg. Die Jünger wiederholten die Frage, doch ihr Meister blieb stumm. „Wie sollen wir je von dir lernen?“ klagten die Jünger. „Schweigt“, rief der Meister, „ich habe euch die Antwort bereits gegeben.“ Als die Jünger in der Kantine waren, musste Bonetti laut lachen.
Weezer – Buddy Holly. https://www.youtube.com/watch?v=kemivUKb4f4

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