Freitag, 25. August 2017

Indymedia – im Original

dont hate the media, become the media!
“Indymedia entstand 1999 aus den Protesten gegen den WTO-Gipfel in Seattle und war stets Wegbegleiter und Sprachrohr dieser Bewegung. Es hatte als Multiplikator gedient und war seinerzeit einzigartig. Indymedia entstand in einer Zeit vor dem Web 2.0, vor Twitter, vor dem Aufkommen von Blogs, vor Facebook und anderen „sozialen Medien“. Es verbreitete sich explosionsartig über fast den gesamten Erdball. Die Idee, Medien von unten zu machen, erschien als die einzige logische Alternative zu den herkömmlichen (Massen-)Medien, welche hierarchisch von oben herab Meinungen und Ansichten diktierten und Protesten keinen Platz ließen.“
„Bereits vor der Inkraftsetzung des Netzdurchsetzungsgesetzes (https://netzpolitik.org/2017/vorsicht-beruhigungspille-netzwerkdurchsetzungsgesetz-geht-unveraendert-in-den-bundestag/), also der staatlich indoktrinierten und befeuerten Zensur von "Social Media" unter Androhung von immensen Strafgeldern, kommt es bereits zu vorauseilendem Gehorsam. Es wurden während die Proteste sowohl sogenannte "Shadow-Bans"(Shadowban-Tester) festgestellt, als auch Accounts, die "aufgrund auffälligem Verhalten" vorübergehend gesperrt wurden. Sie konnten nicht mehr twittern. Besonders die sogenannten Shadow-Bans sind hier eine perfide und vertrackte Sache: Sie bedeuten, dass Nachrichten eines Nutzers nicht mehr im gesamten Twitternetzwerk angezeigt werden, sondern für bestimmte IP-Bereiche, bspw. Deutschland, gesperrt werden. Das bedeutet, dass sie für NutzerInnen aus den Ländern nicht mehr sichtbar sind. Und das wird den Betroffenen nicht einmal mitgeteilt. (…) Twitter arbeitet aktiv mit den Repressionsbehörden zusammen. Egal wie sehr sich Twitter als Demokratieretter aufspielt - sie sind es nicht. Sie liefern die Nutzenden im Bedarfsfall immer den Repressionsbehörden aus. Das hat sich bei den Aufständen in Ägypten - dem sogenannten arabischen Frühling - deutlich gezeigt.“
„Barrika.de.indymedia.org war unser Versuch, nicht nur aus unserer eigenen Misere auszubrechen sondern darüber hinaus aufzuzeigen, dass es möglich ist, bessere Strukturen als Twitter anzubieten. Eine erste Übersicht und detailiertere Auswertung des Tickers findet ihr hier auf der Seite, allerdings wussten wir zu der Zeit noch nicht wie erfolgreich wir mit dem Ticker waren. Denn er war verdammt erfolgreich. Wir können aufgrund unserer Logpolicy leider nur grob schätzen - das bringt die Anonymisierung der Logs leider mit sich - doch es müssen mindestens über 50.000 Zugriffe gewesen sein.“
„Auch wenn wir es als Rückschritt betrachten, dass wir inzwischen auf kommerzielle Anbieter ausweichen müssen, um die technische Serverinfrastruktur zu stemmen (beim G8TV wurde dies noch vom weltweiten Indymedia-Netzwerk getragen) so sehen wir in den vermehrt aufkommenden Livestreams eine große Chance. Es wurden durch die Livestreams tatsächlich Narrative der Polizei direkt vereitelt. Die Authentizität der ungeschnittenen Livebilder haben dazu geführt, dass die Behauptung der Polizei beispielsweise bei der Welcome to Hell Demonstration am Donnerstag Abend ins Leere lief. Das Narrativ der Polizei, die den bösen schwarzen Block auflösen musste, konnte nicht aufrecht erhalten werden und wurde de facto gebrochen. Wir führen das ganz stark darauf zurück, dass eben so viele Menschen sich über die Livestreams ein anderes Bild der Situation machen konnten und so direkt Einspruch erheben konnten. Der Bruch war derart stark, dass selbst die meiste kommerzielle Presse der Polizei widersprach.“
„Die Polizei muss somit nicht mehr nur als potentieller Gegner auf der Straße betrachtet werden - ein Ruf, dem sie in Hamburg dank grotesk zur Schau gestellter Polizeigewalt mehr als Rechnung trug. Nein, sie ist ein riesiger, mächtiger politischer Player geworden mit einer eigenen Agenda. Ihr wurde in der Berichterstattung mehr Raum eingeräumt als NGO's, Parteien und anderen Gruppierungen. Sie bestimmte die Richtung der Berichterstattung über fast den gesamten Zeitraum.“
„Und das am Ende der Proteste in der öffentlichen Wahrnehmung nichts übrig bleibt außer der Frage "Wer ist Schuld an der Gewalt?" ist etwas, das wir hätten verhindern können, ja verhindern müssen. Da hilft es nichts, auf die Geilheit der Presse zu schimpfen, die immer nur brennende Autos zeigen will. Ja, das will sie und das ist nichts neues. (Zur Erinnerung: Beim G8 2007 in Rostock brannte ein einziges Auto und das wurde aus zig Winkeln abgefilmt, fotografiert und bestimmte die Titelblätter.) Es ist aber eine Frage für uns, wie wir es schaffen, trotzdem unsere Inhalte zu transportieren und wahrnehmbar zu machen.“
„Indymedia war als reine Webplattform 1999 gestartet und hatte sich zügig zu viel mehr entwickelt. Vieles ist davon nicht mehr vorhanden und die Reste des Indy-Netzwerkes halten die Infrastruktur aufrecht und bewältigen die tägliche Arbeit. (…)Um aus unserer Misere herauszukommen, die der G20-Gipfel uns eindringlich vor Augen geführt hat, müssen wir wieder verstärkt eigene Medien aufbauen. Wir müssen Netzwerke bilden und es muss in der Protestplanung eigene Pressearbeit geplant werden. Damit meinen wir eben nicht das Verfassen von Pressemitteilungen und das Einbinden kommerzieller Medien - sondern gezielt den Aufbau eigener Strukturen wieder mit einplanen. Im Web, im Print, im Audio und Videobereich - und wenn dann noch Kraft übrig bleibt in Social Media.“
Fazit: der Erfolg des barrika.de-Tickers in Hamburg im Informationskrieg gegen die Sicherheitsbehörden war der Grund für die Zensurmaßnahme durch das Bundesinnenministerium. Bewegen sich Regierungskritiker nur in den Konzernmedien wie Facebook oder Twitter, die der verlängerte Arm des Überwachungsstaats sind, haben sie verloren.
Quelle: Indymedia. https://de.indymedia.org/

1 Kommentar:

  1. Zensurmaßnahmen? Ein paar Wochen vor einer Wahl? Auf einer Plattform die seit mehr als 25 Jahren besteht? Dann noch eine Subdomain die in dem Indymedia Chaos sowieso keiner findet? Mit dieser Konstruktion das 3 Leute einen Verein bilden den man verbieten kann während es 7 braucht um ihn zu Gründen? Natürlich wird dann auch noch das Symbol verboten, das kleine i.

    Das ist so eindeutig an den besinnungs- bis bewusstlosen Teil der Wählerschaft gerichtet das einem diese Politiker nur noch Leid tun können. Vor Troja musste nur die Tochter "geopfert" werden und das durfte man auch noch faken.

    Der moderne Politiker muss alles an Sitte, Anstand, Moral, Recht, Logik Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit opfern nur um ein paar Kreuzchen zu bekommen. Das können nur wenige und so sehen die auch aus (oder sind halt kleiner als 1,68). Die 10 Jahre vor Troja am Strand hat niemand Menelaos* übel genommen aber was bleibt von so erkennbar schwachmatischen Vollidioten. Ein Grab in "Speyer"?


    * Ok, es waren Iphigenie und Papa Agamemnon aber das Prinzip ist doch klar oder ? ;-)

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