Samstag, 1. Juli 2017

Die Veganer-Mafia

Alle nannten ihn Joe Bananas. Sein richtiger Name war Giovanni Bonnano. Er war über einsneunzig groß, hatte breite Schultern und Oberarme, die aus seinem Nadelstreifenjackett zu springen schienen.
Bisher hatte er sein Geld mit illegalem Glücksspiel, Fußballwetten und Krediten zu Wucherzinsen verdient, bis er das Geschäft mit den Bio-Märkten entdeckte. Dort wurde ein Mörderumsatz gemacht und kein Schutzgeld bezahlt. Das wollte er ändern.
Als erstes nahm er sich einen Bio-Markt im Wrangelkiez vor. Falckensteinstraße. Er postierte zwei Männer im Eingangsbereich, die jeden neuen Kunden finster anblickten. Zwei weitere Schlägertypen schüchterten die Kunden ein. Schließlich kam der Marktleiter, ein blasser kleiner Mann namens Kai Nickel, und drohte, die Polizei zu alarmieren. Zwei von Joe Bananas‘ Leuten schleppten ihn ins Lager und erklärten ihm, das er ab jetzt zehn Prozent vom Umsatz abzugeben habe. Der Marktleiter schüttelte tapfer den Kopf. Die Salatgurke musste ihm chirurgisch aus dem Rektum entfernt werden.
Sie nahmen sich die nächsten Bio-Märkte vor. Scheiben wurden eingeschmissen und die Fahrradreifen der Marktleiter aufgeschlitzt. Schließlich hatte Joe die gesamten Biomärkte in Kreuzberg unter Kontrolle. Aber das reichte ihm nicht. Die nördliche Seite der Spree gehörte dem Genovese-Clan, also musste er sich etwas Neues ausdenken. Die Gewinnspanne dieser ganzen Bio-Scheiße war schließlich unglaublich verlockend. Also machte er seinen ersten eigenen Bio-Markt auf. Ganz prominent an der Bergmannstraße, wo jeden Tag zehntausende Vegetarier, Flexitarier und Veganer unterwegs waren.
Die Sache mit dem Gemüse und dem Obst war nicht schwer. Er kaufte einfach die billigsten Lieferungen aus Rumänien und anderen Ländern auf dem Großmarkt auf und verpasste ihnen ein Bio-Label. Er ließ sich polnisches Bier liefern und klebte ein zusätzliches Etikett „Veganer Bölkstoff“ auf die Flaschen. Bald stellte er fest, dass Fleisch billiger war als Gemüse. Also verkaufte er echte Buletten aus billigen Fleischresten als Grünkernbratlinge. Die Kunden rissen ihm die Ware aus den Händen. Endlich schmeckte dieses Bio-Zeug!
Wir kamen Joe Bananas auf die Schliche, als er eine Ladung Weißwürste aus Bayern geliefert bekam, die er als Tofu verkaufen wollte. Detective Kowalke und ich saßen in einem unauffälligen 1972er Pontiac Shadowland auf der anderen Straßenseite, als der Lieferwagen in die Hofeinfahrt einbog.

Eingangsbereich von „FrischeParadies - Joe Banana’s Super-Bio-Markt.“
Fortsetzung folgt
Billy Idol – Eyes Without A Face. https://www.youtube.com/watch?v=9OFpfTd0EIs

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen