Sonntag, 11. Februar 2018

Zeig mir deine Helden und ich sag dir wer du bist

Es war an einem Montagmorgen irgendwann vor zehn Jahren. Keine Ahnung, es ist schon eine Weile her. Aber ich weiß genau, dass es ein Montag war. Ich hatte am Tag zuvor mit Freunden ein Fußballspiel im Stadion gesehen. Mainz 05. Sonntagsspiel. Bei einem der Jungs hatte ich auf der Gästematratze übernachtet und als ich am nächsten Morgen mit bierschweren Lidern erwachte, war mein Gastgeber schon längst über alle Berge, um irgendwelche dicken und frechen Kinder auf einer Gesamtschule zu unterrichten.
Er hatte mich gebeten, so lange in seinem Haus zu bleiben, bis der Lieferdienst ein Päckchen für ihn abgegeben hätte. Ich zog mich an, aß einen Joghurt und trank jede Menge Mineralwasser. Dann, gegen zehn Uhr, klingelte es. Der Lieferfahrer stand vor der Tür. Das Päckchen war ein Laufband, so ein Fitnessteil, das mindestens drei Zentner wog. Wir wuchteten das Teil zusammen vom Lkw in den Hausflur und verschnauften erst einmal. An der Garderobe hingen die Fanschals und andere Sachen mit extrem starkem Mainz 05-Bezug. So kamen wir ins Gespräch.
Was soll ich sagen? Dieser Mann, damals um die fünfzig, hatte früher bei Mainz 05 gespielt. In den siebziger und achtziger Jahren. 1988 war Mainz in die Zweite Bundesliga aufgestiegen und gleich wieder abgestiegen. Erst mit dem Wiederaufstieg 1990 setzte sich der Verein im Profigeschäft durch. Bis 1996 lag der Zuschauerschnitt bei mageren 4000 Besuchern. Natürlich haben auch die Amateure damals schon in der dritten Liga Geld verdient, aber das war auf dem Niveau eines Kellners oder eines Bauarbeiters.
Aber der Lieferfahrer hat nicht geklagt. Das war sein Leben. Er war stolz, für die 05er gespielt zu haben. Nach dem Ende seiner Zeit als Fußballer ist er eben Lieferfahrer geworden. Es gibt Nationalspieler aus meiner Kindheit, die haben nach ihrer Karriere mit einem Kiosk oder einem Sportgeschäft weitergemacht. Aber heute erzählen sie uns, ein Spieler verdiene Millionen, weil er nach seiner Zeit als Spieler davon leben müsse.
Wer sagt das? Ist das in Stein gemeißelt? Steht das schon im Alten Testament? Bis 35 muss ich die Kohle für den Rest meines Lebens gemacht haben? Warum? Kann sich ein Spieler keinen anderen Job suchen? Dann heißt es immer: Die Fußballer haben ja nichts anderes gelernt. Na und? Die Typen trainieren höchstens zwei Stunden am Tag und haben am Wochenende ein Spiel, falls sie nicht auf der Ersatzbank sitzen. Bestenfalls ein Halbtagsjob. Da kann man nebenbei locker ein Fernstudium oder was auch immer machen.
Bei Mainz 05 verdient keiner der Spieler unter einer Million, sagt mein Orthopäde und der muss es wissen, weil er früher der Mannschaftsarzt der 05er war. Augenblicklich sind sie auf dem 16. Platz in der Bundesliga. Das ist Wahnsinn! Aber Vereine und Spieler erzählen die Story vom kleinen Zeitfenster, um „sein Schäfchen ins Trockene zu bringen“, und die Journalisten und Fans plappern es treudoof nach. Von mir kriegen diese Leute jedenfalls keinen Cent. Weder für Fanartikel, Eintrittskarten oder Pay-TV. Dieses heilige Gelübde habe ich in den letzten zehn Jahren nie gebrochen.
Bobby Pickett - Monster Mash. https://www.youtube.com/watch?v=SOFCQ2bfmHw

Kommentare:

  1. IHR ZITAT DES heutigen TAGES:

    Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?
    ( Johann Wolfgang von Goethe)


    ... und MAINZ hat den tollsten Rosenmontags-Faschings-UMZUG den es gibbet (ړײ) *HELAU*

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  2. ....Brot und Spiele für den Pöbel....dann läuft das noch lange weiter so....

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