Donnerstag, 8. Februar 2018

Sachgrundlose Befristung

Wenn es um die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen geht, denken viele Menschen an Jobs in der Produktion oder im Service. Sie wissen gar nicht, dass sie mit ihren Rundfunkgebühren zum Elend der unsicheren Arbeitsplätze beitragen.
Ein Beispiel: Bei mir um die Ecke gibt es das ZDF. Es liegt einsam und sagenumwoben auf einem Hügel vor der Stadt Mainz, Kafkas Schloss lässt grüßen. Beim ZDF arbeiten – Außenstellen wie das Hauptstadtstudio in Berlin eingeschlossen – 3500 Festangestellte und 4200 sogenannte „feste Freie“. Sie haben Kettenverträge über bestimmte Zeitkontingente.
Ein Schulfreund aus Ingelheim ist jetzt seit über 25 Jahren auf dem Lerchenberg. Er muss vier Mal im Jahr einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben. Er hat einen ganz normalen Bürojob und macht die gleiche Arbeit wie die Festangestellten. Eine Freundin aus Mainz hat seit vielen Jahren eine Stelle als „feste Freie“. Zum Jahresbeginn ist ihr Arbeitszeitkontingent kommentarlos von 110 Tagen im Jahr auf 84 Tage zusammengestrichen worden. Sie lebt buchstäblich von der Hand in den Mund.
Insgesamt gibt es bei ARD, DLR, DW und ZDF 19.176 feste Freie (Stand: 2016). Wir finanzieren diesen Wahnsinn mit unseren Gebühren. Höchste Zeit, diesen Menschen endlich einen festen Arbeitsvertrag, die Chance auf eine Betriebsrente und eine Perspektive zu geben.

Kommentare:

  1. Was sind das für Jobs, die immer von Zeitpunkt X bis Y vergeben werden? Was muss ich mir darunter vorstellen?

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    1. Die gibt es in allen Bereichen des ZDF: Persönlich kenne ich Menschen in der Nachrichtenredaktion ("heute"), in der Kulturredaktion ("Aspekte"), in der Programmplanung und bei den Teams, die tatsächlich Beiträge drehen (vom 90 sec-Film bis zur ganzen Doku), die alle seit Jahrzehnten befristete Verträge haben. Es geht nicht um bestimmte Aufgaben, die in einem bestimmten Zeitraum zu erledigen sind. Es sind einfach Kettenverträge. Ich selbst war als Wissenschaftler zehn Jahre auf diese Weise beschäftigt.

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    2. Ich frage mich, wo es hakt. Nach meinen Kenntnisstand, sind ja selbst Kettenverträge irgendwann ´formal´gesehen nicht mehr zulässig.

      Liegt es daran, dass es eine Lücke im Gesetz ist oder liegt es daran, dass niemand seinen Arbeitgeber verklagen will. An dieser Stelle hänge ich immer.

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    3. Vor sechs Jahren hat 3Sat (gehört u.a. zum ZDF) alle festen Freien Journalisten entlassen, die Filmbeiträge gedreht haben, um nur noch mit externen Produktionsfirmen zu arbeiten. Von diesen 16 Leuten hat nur einer das ZDF verklagt. Ich weiß nicht, wie der Prozess ausgegangen ist. Vermutlich hat der Ex-Mitarbeiter eine Abfindung erstritten.

      Das Problem, wenn du eine Stelle einklagst, selbst wenn du im Recht bist. Danach ist das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zerrüttet. Ich weiß nicht, ob der Ausdruck juristisch korrekt ist. Aber ich sehe es gerade an einem anderen Beispiel: Zwei Freunde von mir aus Schweppenhausen haben ihren Arbeitgeber, ein Handelsunternehmen, verklagt, weil man ihnen die Nachtzuschläge nicht bezahlt hat. Sie bekamen Recht, jeder bekam gut 5000 Euro, von der die Hälfte an den Anwalt ging. Einen der Jungs hat man im Herbst entlassen, der andere rechnet in diesem Jahr mit seiner Entlassung. Sie sagen sich jetzt: Was nutzt mir das Recht, wenn ich den Job verliere?

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    4. Ja, da bin ich dabei. Da liegt der Hase im Pfeffer. Recht haben und dieses auch bekommen, wenn es einem zusteht. Und vor allem, dass man dann vernünftig weiterarbeiten könnte. Das ist ein wirkliches Problem. Und das ist meiner Ansicht nach auch nicht korrekt.

      Es ist nicht in Ordnung, wenn man sich zurecht wehrt und daraus dann negative Konsequenzen hat.

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    5. Zivilrechtlich (!), also man selbst nicht anonym...da liegt der Hase im Pfeffer.

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  2. Es wird auch verschwiegen, das allgemein der öffentliche Dienst Spitzenreiter beim Einsatz von Beschäftigten in Sachgrundloser Befristung ist.

    Kein wunder, das die "Schwarze-Null"-Fetischisten der Union jegliche Änderung daran ablehnen.

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  3. Olle Kamelle, irgendwer muss ja schließlich die Arbeit machen.

    Das es im Pfründestaat die rechtlosen Sklaven sind ist doch nur folgerichtig. Deren Motivation ist dann da reinzukommen und die nächste Generation auszubeuten.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang wenn bei den GEZ-Schmarotzern die Maske fällt (.d.R. wenn ihre dumpfprimitiven Verdrängungsargumente nicht mehr wirken). Dann siehst du die Fratze des Schakals. So lange faseln Sie was von öffentlich-rechtlichem Auftrag der dann überteuert an ausgelagerte Co-Schmarotzer oder billigst an Subalterne vergeben wird.

    Das ist System ist moralisch so verkommen wie fast alles in diesem Land. Getoppt wird es wohl nur noch durch professorale Selbstherrlichkeit an Universitäten. Dort wo der Prof. z.B. über Drittmittel seine Schäfchen ins trockene bringt und dafür seine Mindestlohnsklaven hat die später das auch das gleiche wollen.

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  4. Sachgrundlos ist ja doch eigentlich nur der Gipfel, wenn der Arbeitgeber zu faul/doof ist, sich einen Grund auszudenken. Der Grund "Projektbezogen" bietet da viel mehr Spielraum...

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  5. Selten ist einer besser wie Bonetti Media, aber er profitiert auch von Insiderwissen.b


    "...Es dauerte keine zwei Jahre und in den Nebelheimen der ARD ging die Angst umher: Wie schafften diese Chaoten und Privatfunker es bloß, soviel Hörer abzugreifen? Die hatten ja noch nicht mal ein Rundfunkorchester geschweige denn eine Horde menschlicher Räuspertasten, genannt Sendeablauftechniker.

    Doch die Antwort war ganz einfach: gegen die ARD-Anstalten hätten selbst die Radioamateure der Taubstummenanstalt eine Chance gehabt. ..."

    http://www.radioszene.de/11662/dietmar-wischmeyer-die-geschichte-des-privatradios.html

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