Freitag, 7. Juli 2017

Stanleys Mondfahrt

“Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?” (T.S. Eliot)
Es ist unter Freunden der gepflegten Verschwörungstheorie ein Dauerbrenner: War die Mondlandung ein Fake? Weisen die Aufnahmen nicht eklatante Fehler auf? The Great Space Swindle als Teil des Kalten Krieges um propagandistische Erfolge gegenüber dem Systemgegner? Ich vermute, beide Seiten haben in diesem Streit recht.
Ja, es gab die Mondlandung wirklich. Mit unseren Teleskopen können wir die Hinterlassenschaften der Apollo-Missionen erkennen, auf der Erde haben wir kiloweise Gesteinsproben von unserer Totgeburt. Und für eine Fake-Landung hätte man nicht weitere fünf Crews bis zur Einstellung des Programms 1972 auf den Mond schicken müssen.
Ja, Aufnahmen, die eine Mondlandung zeigen sollen, sind auf der Erde in Filmstudios entstanden. Die entscheidende Frage ist doch: Ist es legitim, ein tatsächliches Ereignis mit gefälschtem Material zu dokumentieren?
In den Wochenschauen des Kinos und später im Fernsehen wird bis heute nach diesem Prinzip gearbeitet. Das Problem ist ganz einfach und tritt regelmäßig dann auf, wenn es für Kameraleute und Fotografen zu gefährlich ist oder es aus technischen Gründen nicht möglich ist, Ausrüstung zu transportieren und bereitzustellen: Es gibt von entscheidenden Ereignissen keine Bilder.
Im 19. Jahrhundert reichte es den Menschen, von einem Ereignis in der Zeitung zu lesen. Ein Korrespondent berichtete z.B. von einem Krieg, in dem er Augenzeugen und Pressesprecher interviewte. Vielleicht hat er auch nach einer Schlacht den Schauplatz besichtigt, aber er war nicht bei den ersten Männern, die eine Festung eroberten. In jedem Krieg stehen Soldaten an vorderster Front, keine Kameraleute und Fotografen.
Im 20. Jahrhundert begann das Zeitalter des Bilds. Die Menschen wollten ein Ereignis nicht nur erzählt bekommen wie in den Jahrtausenden zuvor, sie wollten es sehen. Wie macht man aber z.B. die Landung der Alliierten in der Normandie sichtbar? Man kann nicht erst ein Kamerateam an den Omaha Beach bringen, das die Soldaten zeigt, die aus den Booten springen. Es gibt also keine Nahaufnahmen von der Invasion. Sie wurden später für die Wochenschau nachgespielt.
Was sehen wir wirklich, wenn wir Bildaufnahmen vom Krieg sehen? Männer an Kanonen, rollende Panzer, startende Flugzeuge. Es kracht und blitzt, zu sehen ist nischt. All diese Aufnahmen sind nur gestellt, weil sich die Produktion echter Bilder in der Praxis nicht durchführen lässt.
Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, ein Ereignis sichtbar zu machen: das Symbolbild. Sie kennen sicher die berühmte Fotografie, auf der ein paar Amerikaner eine Flagge auf Iwo Jima aufrichten. Das war nicht am Tag der Schlacht, sondern Tage später. Eine Inszenierung. Und im Prinzip hätte man die Flagge auch in Iowa in die Erde stecken können. Wer von uns kann mit Sicherheit sagen, dass es auf der Insel Iwo Jima war?
Auch das Bild, auf dem der Rotarmist eine sowjetische Flagge auf dem Reichstag hisst, ist erst Tage später noch einmal nachgestellt worden. Ansonsten hätte ein Fotograf während der Kampfhandlungen dem Soldaten aufs Dach des Reichstags folgen müssen. Für die Presse ist aber bekanntlich der Zutritt zum Kriegsschauplatz verboten. Er wäre als Zivilist nur im Wege und ohnehin gesundheitlich stark gefährdet.
Wichtig ist nicht die Authentizität des Bildes, sondern die Tatsache, dass ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Die Eroberung von Berlin, die Schlacht um Iwo Jima, die Invasion der Alliierten – all das ist real. Wie die Mondlandung. Aber es war vermutlich nicht möglich, auf die Reise von Apollo 11, wo jedes Kilogramm Gewicht berechnet werden muss und jede zusätzliche Last zusätzlichen Treibstoffverbrauch bedeutet, eine Kameraausrüstung mitzunehmen, die für die nötige Qualität der Bilder gesorgt hätte.
Eine These, die schon häufiger geäußert wurde, besagt, Stanley Kubrick habe die Bilder für die NASA produziert. 1969 hat er an „2001“ gearbeitet und hatte also das Knowhow. Außerdem gibt es in „Shining“ einige Anspielungen von ihm auf dieses Thema. Warum nicht? Neil Armstrongs berühmter Satz bei der Landung soll ja auch angeblich vom Schriftsteller Arthur Miller im Auftrag der NASA geschrieben worden sein und ist ihm nicht spontan beim Betreten der Mondoberfläche eingefallen. Diese Rätsel werden uns sicher noch lange erhalten bleiben.
Duran Duran - New Moon on Monday. https://www.youtube.com/watch?v=h7n6Lgh4SZs

Kommentare:

  1. Immerhin hat Pancho Villa schon 1912 ein Hollywood-Team zu den Schlachten des mexikanischen Bürgerkriegs geholt...

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    1. Oder Hollywood hat Pancho Villa zu einem Film über den mexikanischen Bürgerkrieg geholt ...

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  2. Nächste Stufe: photoshop.
    Hier noch gut erkennbar als Pop-Magritte für den Mittelstand.

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    1. Ein kleiner Schritt für einen Blogger, aber ein großer Schritt für die Verschwörungstheorie.

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  3. Nun ja, es gibt nicht ein einziges Argument der Mondlandungsverschwörer das sich nicht technisch einwandfrei und physikalisch schlüssig widerlegen lässt.

    Zumindest habe ich noch keines vernommen. Es gibt auch hinreichend Seiten in diversen Sprachen wo man es nachlesen kann. Ein schlagendes Argument war dann wohl noch das von "Buzz Aldrin against a denier", aber auch dass ist sicher nur fake.

    Das Problem ist vermutlich das es einfach zu wenig Menschen gibt die sich technisch auskennen und daher in der Lage sind die sog. Fakten selbst zu prüfen. Die haben es einfach nicht nötig irgendwelche dümmlichen Behauptungen abzulassen. Sie können per Nachweis argumentieren. Dem Rest ist meist gar nicht bewusst das Sie Autoritäten (bzw. das was Sie dafür halten) benötigen und verwenden.

    Ähnlich bei z.B. bei MH17 (der Abschuss eines Zivilfliegers in der Ukraine). Was da passiert ist war nach 2 Tagen klar. Das wird aber von der faktenfrei Fraktion und politischen Interessen nach Kräften ignoriert. Das musste ich auch erst lernen.

    In diesen Empfehlungen
    http://blog.dilbert.com/post/129784168866/the-persuasion-reading-list

    steht imho die beste Erklärung das warum.

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  4. Noch zu den Kameras. Die hatten Hasselblads, Rollfilm Kaliber wasweißich. Das beste vom besten was es damals gab und im Analogbereich auch heute noch Spitzenklasse. Fotografieren konnten Sie auch, es gibt Bildbände, hochauflösend und die Seiten der NASA. Man muss nur wissen wollen.

    Zum Thema Krieg, ich gehe heute manchmal nachts durch meinen Stadteil und schaue mir die Häuser an. Alles Baujahr '46 plus. Da kann ich stundenlang laufen und sehe immer das gleiche. Rote Backsteine, schlecht behauen, wiederverwendet.

    Wen Interessieren Medien wenn er Augen, Nase und Ohren hat?

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