Sonntag, 11. Juni 2017

Der Tiefpunkt

„Ich bin Politologe, also ein Mann, der nachher erklärt, warum man etwas hätte voraussehen müssen.“ (Alfred Grosser)
Inzwischen bin ich Trump dankbar für jeden Tag, an dem er Präsident ist. Ein Unternehmer ist der mächtigste Politiker der Welt, der Neoliberalismus hat seinen Höhe- oder Tiefpunkt erreicht. Die politische Welt der Kooperation – wie verlogen und von Eigeninteressen gesteuert sie auch gewesen sein mag – geht unter, das Zeitalter der totalen Konkurrenz hat begonnen. Trump denkt kurzfristig in Umsätzen, in Quartalsberichten, in Marktanteilen, langfristige Ziele und Werte gibt es in seinem Universum nicht. Bei Begriffen wie Ethik oder Menschenrechte bricht er in das gleiche zynische Gelächter aus, das ich von Volkswirten gehört habe, die ich kennenlernen durfte.

Ich will hier nicht den Godwin des Monats bekommen, aber wir haben in Deutschland natürlich auch unsere Erfahrungen mit dem „gesunden Menschenverstand“ und der angeblichen „Stimme des Volkes“, die man in hohe Ämter und vorbei am Establishment wählt. Da kann man nur auf die Schecks und Bilanzen im US-System hoffen, die das Schlimmste verhindern mögen.

Eines Tages wird man sich die Frage stellen, warum die Wahlvölker ihr Heil in Faschisten und Erzkapitalisten gesucht haben. Warum sie ihre Zukunft in die Hände ihrer größten Feinde gelegt haben. Warum ein so politisches und eher links tickendes Volk wie die Franzosen bei der Präsidentschaftswahl so abgestimmt hat, das am Ende nur die Wahl zwischen einer Faschistin und einem Investmentbanker blieb. Die Antwort ist einfach:

Nehmen Sie noch die Linken und Grünen dazu, um das Bild abzurunden.
Star Wars- The Imperial March (Darth Vader's Theme). https://www.youtube.com/watch?v=-bzWSJG93P8

1 Kommentar:

  1. Ich habe die Tage einen Podcast vom Deutschlandfunk gehört, der sich mit Agenda 2010, Schröder und der SPD auseinander gesetzt hat. Ich denke, für SPD dürfte dieser Kurs, diese Entscheidung damals, der Wendepunkt gewesen sein. Über Sinn und Unsinn der Entscheidung will ich gar nicht diskutieren, aber die getroffene Entscheidung passte nicht zu der Partei. Ich frage mich auch, ob man mit dieser Entscheidung nicht sogar, teilweise zumindest, einer AfD heute eine Art Treppe gebaut hat.

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