Freitag, 30. Juni 2017

Auf dem Einrad nach Acapulco


Blogstuff 139
„Es gibt eine Stunde der Nacht – die Stunde der Wölfe, wie Ingmar Bergman sie nannte -, in der man der Wahrheit nicht ausweichen kann. Sie schlägt um vier Uhr morgens, wenn man aufwacht und allein ist mit sich – mit seinen guten und schlechten Seiten, mit dem, was man getan, und mit dem, was man zu tun hat.“ (Sandro Pertini)
Hätten Sie’s gewusst? Papier ist in der Lage, sich selbst zu bewegen. Nachts bildet es auf Schreibtischen und in offenen Regalen gerne wirre Haufen. Als Fallen aufgestellte Papierkörbe funktionieren leider nicht.
Jedes neugeborene Kind müsste uns eigentlich mit tiefer Hoffnungslosigkeit erfüllen. Es kommt vollkommen erkenntnis- und erfahrungsfrei auf die Welt und soll dennoch in begrenzter Zeit seine Bestimmung erkennen. Betrachten wir sie einige Jahrzehnte später, hat der erste Eindruck nicht getrogen: Fast alle verbringen ihr Dasein mit dem würdelosen Gleichmut von Mastschweinen, ihr größtes Ziel ist die nächste Fuhre Abfall, in der sie wühlen können.
Auf meiner Geburtsurkunde steht glücklicherweise auch die Uhrzeit: 14.8.1966, 5 Uhr 10. Ein sonniger Sonntagmorgen. Am 25.6.2017, um 10 Uhr, habe ich also exakt eine Milliarde, 605 Millionen und 156.600 Sekunden gelebt. Oder 26.752.610 Minuten, 445.876 Stunden (abgerundet),18.578 Tage (abgerundet). Am 17. Mai 2021 wird der 20.000ste Tag in meinem Leben sein. Am 14. Dezember 2049 mache ich die tausend Monate voll! Dann werde ich 83 Jahre und vier Monate alt sein – übrigens exakt so alt wie mein Vater in diesem Monat.
Ein kleines Nickerchen am Nachmittag hat den Vorteil, dass man sich nicht so weit wegträumt wie in der Nacht. Ich träumte also, nachdem ich im Fernsehen etwas von einem nahenden Unwetter mit Hagelschauer und Sturm gehört hatte, von diesem Wetterumsturz, der die brütende Hitze beenden sollte. Es war dunkel und es schneite in meinem Traum. Ich ging zum Fenster und sah, wie die Nachbarkinder einen Schneemann bauten! Dann wachte ich auf. Fünfzehn Minuten später donnerte es, ein heftiger Regen setzte ein und große Hagelkörner schlugen auf dem Dach und in den Garten vor mir ein.
Warum ist Merkel die ideale Kanzlerin und warum gewinnt sie die Wahlen im September? Weil sie keine Ziele hat, weil sie den Status Quo repräsentiert. Sie ist perfekt für eine der ältesten Bevölkerungen der Erde, Durchschnittsalter: 46. Das heißt: Die Hälfte der Deutschen ist älter als 46. Da will man nur noch, dass alles so bleibt wie es ist. Bloß keine Veränderungen oder gar Experimente. So, wie es ist, ist es gut. Nicht weil es wirklich gut wäre, sondern weil man sich daran gewöhnt hat. Die Zeit der Träume und Pläne ist längst vorbei. Sie ist vielleicht die erste Regierungschefin, von der wir erst durch ihren Tod erlöst werden.
Hätten Sie’s gewusst? Andy Bonetti hat auf seinem linken Unterarm eine Uhr mit Armband eintätowiert. Die Uhrzeit: 5 Uhr 10.
Demosthenes stand einst am Meer und redete mit einem Kieselstein im Mund gegen die Brandung an, um seine Redekunst zu üben. Bonetti schreibt zu Trainingszwecken oft unter widrigsten Umständen, in einer voll besetzten U-Bahn zum Beispiel oder an der Theke einer Diskothek am Samstagabend. Seine Erzählungen konzipiert er gerne beim Wasserskifahren oder beim Fallschirmspringen.
Zum zweiten Mal bekomme ich 24 Stunden lang den Blutdruck mit einer Manschette gemessen, die sich regelmäßig automatisch zusammenzieht (vgl. „Cyborg“ vom 30. Mai in diesem Blog). Beim ersten Mal lag der Durchschnittswert bei 170 / 110 – schlaganfallgefährdet. Seitdem nehme ich jeden Morgen eine Tablette. Jetzt sind die Werte wieder halbwegs okay, bei 130 / 80. Nur nachts seien sie überdurchschnittlich. Der Arzt fragt mich, was ich denn in der vergangenen Nacht gemacht hätte? Da bin ich alle fünfzehn Minuten durch das Zusammenquetschen meines Oberarms geweckt worden, antworte ich. Natürlich, er nickt bedächtig, das erklärt einiges.
Hätten Sie’s gewusst? Popcorn sieht aus wie ein Haufen Totenschädel.
Urban Knowledge: Die Smartphones sind deswegen glatt wie Spiegel, weil sich die Leute heutzutage ihr Koks auf dem Telefon einpfeifen.
Blackstreet - No Diggity ft. Dr. Dre, Queen Pen. https://www.youtube.com/watch?v=3KL9mRus19o

Copyright: Harri, der bei Bonetti Media ein unbezahltes Praktikum absolviert (fünf Jahre - mit der Chance auf Verlängerung)

Kommentare:

  1. Einspruch ( ein Spruch ? ) Euer Ehren.
    Es sind die jungen Leute unter 30, die wollen, daß alles so bleibt wie es ist.
    Die wollen doch den ganzen Scheiß, den Wir schon längst abgelegt haben.
    Dicke Karre, 2 x im Jahr Flugreise, Häuschen im Grünen, das dann mit Schottergärten und Buchsbäumchen "verschönert wird.
    Und über Atomkraft machen die sich auch keine Gedanken mehr.
    Hör ma uff.

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    1. Na, wenn alle konservativ sind, dann bleibt uns die Merkel so lange erhalten wie die Queen den Engländern.

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  2. Reden Sie doch mal mit ein paar Jungen.
    Da rollen sich Ihnen wahlweise die Zehennägel hoch oder die Ohren zu.
    Und vor allem haben die, gut, es gibt auch noch ein paar andere, quasi gar keine Meinung.
    Bzw. die, alles, oder möglichst viel, für mich, eine Gemeinschaft gibt es nicht.
    Und das ganze im Kindmodus. Kulleraugen, weiche, nachgiebige Stimme, aber knallhart in der Vorderung. Ätzend. Und wenn es Gegenwind gibt ist man beleidigt, sprich null Konfliktfähigkeit. Und das bei 30 Jährigen. Alter !!

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    1. Ja, andere Meinungen und ungelöste Probleme mögen sie nicht. Generation Kronprinz.

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