Sonntag, 21. Mai 2017

Tote wissen nichts

In einem brennenden Smartphone erschien mir jüngst Andy Bonetti mit seinem Zehntausend-Megawatt-Erfolgslächeln, und er rief mir zu: „Führe die Leser hinaus aus der Sklaverei der Verblödung und gib ihnen Blogstuff 130.“
„Du stehst vor dem Haus, in dem du aufgewachsen bist, aber es ist nicht mehr dein Zuhause. Fremde Leute wohnen jetzt in deinem Kinderzimmer.“ (Lupo Laminetti: Der Schmerz des Alters)
So ist der Deutsche: der Schrank ist voll mit Trekking-Klamotten für das Abenteuer, das er nie erleben wird.
Was man nicht alles sehen kann, wenn man nichts tut.
Eltern schaffen es mühelos, dreißig Jahre Erwachsenenleben in Trümmer zu legen, indem sie Geschichten aus deiner Baby-Zeit erzählen. Neulich erzählt mein Vater coram publico von dem Milchschorf, der sich in den Speckfalten meiner Handgelenke gebildet hat. Und dass er mich immer in den Warmluftstrom eines Kaufhauseingangs geschoben hat, wenn ich in meinem Kinderwagen gebrüllt habe. Es hätte mich immer beruhigt. Danke für diese Info!
Wo sind eigentlich all die tollen Sachen hin, die ich früher immer in den Cornflakes-Schachteln gefunden habe? Wieso gibt es heute nichts mehr in den Cornflakes-Schachteln? Ich bin immer noch scharf drauf. Wenigstens habe ich beim Aufräumen der Garage eine alte Zigarrenkiste gefunden („Ermuri Hubertusorden – Fehlfarben einer 80 Pfg.-Zigarre“), in der ich Buntstifte mit abgebrochenen Spitzen, eine kaputte gelbe Plastiklokomotive, Legosteine und Muschelschalen von einem Strandurlaub für die Ewigkeit aufbewahrt habe.
Hätten Sie’s gewusst? Es gab auch eine japanische RAF, die 1971 gegründet wurde und ihre Basis im Libanon hatte. Die etwa zwanzig Mitglieder, hauptsächlich Studenten, kämpften für die Palästinenser gegen Israel, ihre größte Aktion war ein Massaker auf dem Flughafen von Tel Aviv, bei dem 1972 26 Menschen, hauptsächlich Pilger aus Puerto Rico, ermordet wurden. Führende Kader waren, wie bei der deutschen RAF, Mitglieder der Stasi, weswegen nach 1990 keine Aktionen mehr durchgeführt wurden.
Mich hat damals übrigens Arafat persönlich an der Kalaschnikow ausgebildet, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich kenne einen Mann, der auf dem Weg zur Arbeit die Augen offen hält und aufmerksam alles am Wegesrand registriert und dokumentiert. Seine Gedanken sind nicht durch alltägliche Sorgen oder Überlegungen zu seiner Arbeit verklebt und verkümmert, er sieht mehr als alle anderen Passanten. Sein Blog ist daher gelebter Zen-Buddhismus. Kennen Sie ihn zufällig?

Digitalisierung konkret: Unsere Firma hat früher einen Albaner nur zum Briefmarkenablecken beschäftigt. Der ist jetzt entlassen worden und macht derzeit angeblich Werbung für Langnese. Scheiß Globulisierung!
Wie Bonetti sich den Leser wünscht: https://www.youtube.com/watch?v=dxEso6hSxVM
Für alle anderen bietet Bonetti Unlimited jetzt ein kostengünstiges Leser-Coaching durch erfahrene Medientherapeuten an.
Warum werden die guten Dinge immer zum Schlechten verändert? Erst wurde das Bier erfunden und alles war für ein paar tausend Jahre okay. Aber dann kam das alkoholfreie Bier und als dessen Steigerung das alkoholfreie Radler. Neulich kaufe ich mir italienisches Tomatenmark in der Tube und was schmecke ich, als ich zu Hause lustvoll an der Metallzitze sauge? Es ist mit Basilikum verschandelt und verhunzt. WHY?
Hätten Sie’s gewusst? Mein Herd ist genauso alt wie Miroslav Klose und Dirk Nowitzki. Baujahr 1978.
Haushaltstipp: Zwiebelgeruch an den Händen entfernen Sie ganz einfach mit Bärenurin oder Yakbutter.
Extrabreit – Kleptomanie. https://www.youtube.com/watch?v=GCK0GvX9yR8

Kommentare:

  1. Dass es so viele unnütze neue Dinge gibt wie mit Basilikum verschandeltes Tomatenmark in der Tube liegt an den vielen unnützen Jobs, die in den letzten Jahren in der Wirtschaft entstanden sind, Jobs, die den Jobinhaber ermuntern, neue Dinge zu erfinden, an die er im Leben nicht denken würde, hätte er nicht zufällig diesen innovativen neuen Job inne. Die Leute müssen ja was zu tun haben.

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    1. Aber mal wieder Kokain in die Cola zu machen, die ich so gerne zum Frühstück trinke ...
      Dann wäre ich jetzt schon unter Starkstrom und würde wie Usain Bolt zum Briefkasten flitzen.

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  2. "Psst! Hey, du!" - "Wer, ich?" - "Pssssst. Willst du ein ,S' kaufen?" - "Ein ,S'"? - "Genaaaauuuu ..."

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  3. Ich fürchte, das Bier der vergangenen Jahrhunderte hätte uns auch nicht wirklich geschmeckt. Der Alkoholgehalt war lange eher niedrig, das Zeug wurde schnell sauer... (Wenn ich Zeitreisender wäre, würde ich wahrscheinlich Bier in verschiedenen Jahrhunderten testen: "Geh weg mit Pest und Dreißigjährigem Krieg: Taugt der Bräu hier was?")

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    1. In der Schlossplatzbrauerei in Köpenick gibt es babylonisches Bier, das nach einem fast viertausend Jahre alten Rezept gebraut wird. Das werde ich bei meiner nächsten Berlinreise im Juli mal testen.

      http://www.schlossplatzbrauerei-koepenick.com/babylonisches-bier

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  4. Hm, das mit den Trekking-Klamotten und dem Abenteuer hat was zum Klingen gebracht bei mir...

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    1. Eine Bekannte von mir musste gerade den Tibeturlaub abbrechen, sie lief nur mit Sauerstoffflasche durch die Gegend und konnte nicht schlafen. Es kann auch zu viel Abenteuer sein.

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