Samstag, 13. Mai 2017

Jetzt reicht‘s! Asylbewerber wird Lottomillionär


Blogstuff 128

„Geld musst du wie eine Schlampe behandeln, dann kommt es immer wieder zu dir zurück.“ (Andy Bonetti)
Sie haben vermutlich keine Ahnung, wie es sich für einen gelernten Politikwissenschaftler wie mich anfühlt, Donald Trump als Präsident zu erleben. Etwa so wie für eine Kunsthistorikerin, die mit ansehen muss, wie ein dreijähriges Kind die Sixtinische Kapelle mit Fingerfarben ausmalt. Pain in the ass, my dear, pain in the ass.
Am Sonntag wird ja in Paris die Trikotage gehisst und die Mayonnaise gesungen, weil es eine neue französische Präsiduette gibt. Ich halte das für übertrieben.
Die prachtvollen Boulevards müssen den Vergleich mit Paris nicht scheuen, die Wolkenkratzer im Business District erinnern unwillkürlich an die Skyline von Manhattan. Verzauberter Ort der goldenen Kirchen und prunkvollen Paläste. Bad Nauheim, sturmumtoste Braut des Meeres. Auf den Kais bieten die Fischer ihre fangfrische Ware feil, silbern glitzern die Karpfen in der Sonne. Auf den Märkten erfreuen uns die Bauern aus der Umgebung mit saftigen Mangos und Papayas. Es ist die Stadt der Dichter, Maler und Komponisten, sie vibriert vor Poesie, Farben und Melodien. Sie ist voller uralter Geheimnisse, voller Hoffnung und süßem Schmerz, voller Erzählungen, voller Schätze und voller Glück. Diese Stadt hat Andy Bonetti schon immer inspiriert, dieses hessische Juwel, dieses Zentralgestirn des urbanen Sternenhimmels.
Elvira Murawitz hatte diesen Blick, halb traurig, halb unterwürfig, den wir von Hunden kennen, denen wir beim Kacken zuschauen.
Hätten Sie’s gewusst? Es gibt auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt vier Magazine für Hundeliebhaber: „Der Hund“, „Dog“, „SitzPlatzFuss“ und „Partner Hund“. Für Katzenliebhaber gibt es nur „Geliebte Katze“. Schildkrötenbesitzer schauen komplett in die Röhre.
Distinktionsmerkmale des 21. Jahrhunderts, Teil 1: Manschettenknöpfe. Ich hatte auch mal Manschettenknöpfe, vergoldet und quadratisch, aber sie sind mir - mit den Hemden, der Hoffnung und der Figur - irgendwo verloren gegangen. Aber wer kauft denn heute noch die entsprechenden Hemden? Ein Jammer - sie waren das Pendant zu den Ohrringen meiner damaligen Freundin.
Jeder Entscheidung Andy Bonettis folgt eine Begründung. Das unterscheidet ihn von Diktatoren.
An dieser Stelle möchte ich an die legendären Worte von Lord Porterhouse erinnern, der in der Barbecue-Krise 1997 gesagt hat: „The Steaks must go on.“
Hätten Sie’s gewusst? Andy Bonettis Schweiß ist goldhaltig.
Die Rechten wollen zurück in die fünfziger Jahre, die Linken wollen zurück in die siebziger Jahre. Das ist Politik in einer alternden Gesellschaft.
Was ist aus uns geworden? Ich sehe einem Mann im Fernsehen dabei zu, wie er Abenteuer erlebt. Und dieser Mann ist nur ein Schauspieler, der mir vorgaukelt, Abenteuer zu erleben. In Wirklichkeit ist sein Leben so überraschungs- und aufregungsfrei wie mein eigenes. Wir brechen nicht mehr zur Jagd auf, wir sind Kinder, die in der Höhle ein Jagdspiel machen.
Hätten Sie’s gewusst? Johnny Malta hat die Kunst der Micro-Tags erfunden. Er schreibt seinen Namen mit einer Hühnerfeder so klein an die Hauswände, dass man erst mit einer Lupe sein Zeichen „JoMa“ erkennen kann. Der Trend hat sich inzwischen auch in New York und Neapel durchgesetzt.
Hätten Sie’s gewusst? Bevor der Earl of Sandwich seine bahnbrechende Erfindung machte, hat er viele Jahre die Werke der großen Köche, Metzger und Bäcker studiert. Dann hat er zahllose Experimente gemacht – viele im Selbstversuch! -, bevor ihm endlich der Durchbruch gelang. Wir können uns sicher eine Welt ohne die Musik von Mozart oder die Dramen von Shakespeare vorstellen. Aber eine Welt ohne Sandwich? Was für eine groteske Vorstellung.
Nächste Woche: Graf von Stulle erfindet die Klappstulle.
Creedence Clearwater Revival - Bad Moon Rising. https://www.youtube.com/watch?v=w6iRNVwslM4

Kommentare:

  1. Ich finde ja, Du vermarktest Bad Nauheim weit unter seinem Wert. Du könntest Dir ruhig etwas mehr Mühe geben und ein bisschen Werbepoesie unter diese vor Objektivität nur so strotzende Stadtbeschreibung mischen. Wo bleiben neben dieser Deiner ehrenwerten Sachprosa die einzigartigen,frischen,irgendwie magischen Rosendüfte mitten in der Stadt und die mystische Romantik seines Bürgerservices?
    Oder fürchtest Du etwa, man werde Dich bei einer leichten Anhebung der sachlichen Gegebenheiten in den Bereich des blumigen Stils der Textsortenparodie zeihen?

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    1. Immerhin gibt es eine offizielle Bad Nauheim-Hymne: https://youtu.be/7xhZyJ62Ws0

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  2. Weil ich mich bekanntermaßen der Idealisierung verwehre ("nordhessischer Realismus"), wird mir in Bad Nauheim bis heute die Anerkennung als Heimatdichter verweigert. # Nelson Mandela

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  3. "Fucking writers."

    Geld, glück, ein sorgenfreies leben?! Warte .... - So I must leave, I'll have to go to Las Vegas or Monaco and win a fortune in a game, my life will never be the same... money, money, money must be funny oder so https://youtu.be/AtoM9x-Bfu8?t=31s


    "My standard for verisimilitude is simple and I came to it when I started to write prose narrative: fuck the average reader." - David 'The Wire' Simon (und wegen der vollständigkeit: "I was always told to write for the average reader in my newspaper life. The average reader, as they meant it, was some suburban white subscriber with two-point-whatever kids and three-point-whatever cars and a dog and a cat and lawn furniture. He knows nothing and he needs everything explained to him right away, so that exposition becomes this incredible, story-killing burden. Fuck him. Fuck him to hell.") Das 'interview' mit Nick Hornby findest du hier und dort auch das fucking writers.

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