Mittwoch, 24. Mai 2017

Früher war alles besser, Folge 257

„Normalerweise hinkt das Handeln der Einsicht hinterher. Aber ich bin schnell.“ (Gary Shteyngart: Kleiner Versager)
Kommunikationstechnik hatte in meiner Kindheit etwas Aufregendes. Ich hatte zwei Walkie-Talkies zu Weihnachten bekommen, die eine Reichweite von vielleicht fünfzig Metern hatten. Also nahm ein Freund einen der kiloschweren Klötze mit den Riesenantennen und ging damit um die Ecke, während ich auf meinem Platz blieb. Dann riefen wir uns irgendwelche sinnlosen Sachen zu, meistens den Satz „Kannst du mich hören?“ Die Teile rauschten fürchterlich, haben Batterien gefressen wie Hulle und waren letztlich vollkommen nutzlos.
Etwas besser war schon der CB-Funk, mit dem man über weitere Distanzen miteinander sprechen konnte. Warum man nicht gleich zum Telefonhörer gegriffen hat, konnte mir aber keiner der CB-Funker erklären. Denn die Anlagen waren klobig und wogen einen Zentner, was die Kommunikation nicht wirklich mobil machte – es sei denn, man hatte das Gerät in seinen Truck eingebaut. Aber die CB-Funker waren eine verschworene Gemeinde, jeder hatte einen Nom de guerre wie heute die Blogger, Facebooker, Tinderellas usw. Jungs mit Walkie-Talkies gehörten eigentlich nirgends dazu.
Schön war aber immerhin das Radio. Man drehte vorsichtig auf der Langwelle durch das elementare Rauschen und bekam dann Sender aus fernen Ländern, die auch weit entfernt klangen. Man verstand zwar kein Wort, aber es war aufregend, völlig verrauschte und von atmosphärischen Störungen unterbrochene Lieder und Durchsagen von anderen Kontinenten zu hören. Auf einer Frequenz wurden nur Zahlen zwischen eins und zehn durchgegeben. Sonst nix. Sicher Spione. Ich habe eine ganze Seite mitgeschrieben, konnte den Code aber nicht knacken.
Damals war die Welt der Kommunikation eben noch aufregend und nicht der alltägliche Wahnsinn. Heute kannst du Radio Kalkutta superklar über Internet hören und willst es gar nicht mehr.
P.S.: In der guten alten Zeit gab es auch eine Seife mit dem rätselhaften Namen „Irischer Frühling“. Habe ich bis heute nicht begriffen. Aber ich wurde trotzdem ein ganzer Kerl – dank Chappi. Omo, keiner wäscht Rainer. Sag dem Abenteuer, dass ich komme – Irisch Moos. Nach der angeblich irischen Seife das entsprechende After Shave. Und ich dachte immer, Iren wären Säufer oder Poeten und keine Reinlichkeitsfanatiker.
Bob Seger - Old Time Rock And Roll. https://www.youtube.com/watch?v=RJNgEZyEeh8

Kommentare:

  1. Früher war auch mehr Lametta! Die Zeiten ändern sich, sang schon Bob - und wir ändern uns mit ihnen. Wehmut nicht nur, auch Erschrecken stellt sich bei den Erinnerungen manchmal ein.

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  2. Walkie Talkie ? CB -Funk ? Die Stasi hätte uns was gehustet. Telefon gabs für die meisten nur in der öffentlichen Telefonzelle.

    Zahlensender waren und sind Geheimdienste. Wenn Du die Verschlüsselung knacken kannst , sinds keine Geheimdienste ;-) Das fand auf Kurzwelle statt.

    Wir, also die gesamte Schulklasse, hörten Bayern 3, vor allem Thomas Gottschalk und die Hitparade. Radio DDR hörte niemand.

    Die Verkehrsmeldungen vom Ochsenkopf tönten durch alle Kleingartenanlagen, die Bundesligaschaltungen auch. Für das "Tal der Ahnungslosen", also etwas weiter weg, gabs Deutschlandfunk auf Mittelwelle. Ahnungslos waren "die Ahnungslosen" nicht.

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