Freitag, 19. Mai 2017

Die Geschichte der Zukunft

Warum sind so viele Männer von Science Fiction fasziniert? Warum kenne ich keine Frau, der es genauso geht wie mir? Schon als Kind habe ich Jules Verne und Perry Rhodan gelesen. Später Stanislaw Lem und Douglas Adams. Ich bin immer noch von gemalten Phantasien fasziniert, die ferne Planeten zeigen. Nachdem ich „Das Imperium schlägt zurück“ im Kino gesehen habe, bin ich bis in alle Ewigkeit Darth Vader und den Jedi-Rittern verfallen. Auf meiner Atari-Playstation habe ich ungefähr eine Million imperiale Kampfläufer abgeschossen. Damals konnte man an der Kinokasse noch für eine Mark kleine Hefte zum Film kaufen, ich habe auch noch den Werbe-Flyer. Ohne Knick und ohne Flecken. Es sind die Reliquien meiner Kindheit.
Selbstverständlich bin ich ein Trekkie. Wo wären wir ohne die Weisheit von Spock? Das Raumschiff Enterprise – eine Welt ohne Geld, ohne Hunger und ohne Rassismus. Was für eine Vision! Aber es gab in meiner Kindheit auch Serien wie „Captain Future“ und „Mondbasis Alpha 1“, die heute längst vergessen sind. Ich hatte im Kindergartenalter eine Apollo-Mondrakete und später ein Modell des Millenium-Falken.
Warum zieht es die Männer zu den Raumschiffen, die es nicht gibt, und zu den Planeten, die wir nie erreichen werden? Ist es eine romantische Sehnsucht? Träumen wir von den Sternen, so wie Frauen von der Liebe träumen? Ist es Technikverliebtheit? Wozu kennen wir Jungs alle den Warp-Antrieb und den 4. Mai als Feiertag? Wie fing das alles an? Eine kurze Recherche ergibt, dass schon Johannes Kepler und Cyrano de Bergerac im 17. Jahrhundert von Mondreisen geträumt haben, der eigentliche Beginn der Science Fiction-Literatur liegt aber im 19. Jahrhundert. Das erste SF-Magazin ist „Amazing Stories“, das zum ersten Mal 1926 in den USA erscheint.
Samjatins „Wir“ von 1924 ist die erste Dystopie, „1984“ und „Brave New World“ sind weltbekannt geworden. Neben den Traum von der Zukunft tritt die Angst vor ihr. Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt die große Zeit des SF-Films. Jede Menge herrlicher Trash. Aber auch Kubricks „2001“, den ich mal auf LSD gesehen und zum einzigen Mal im Leben vollständig verstanden habe. Hätte ich mir damals nur Notizen gemacht. Am nächsten Tag konnte ich mich natürlich an nichts mehr erinnern. Andere großartige Filme fallen mir ein: „Der Wüstenplanet“ von David Lynch oder der Stummfilmklassiker „Metropolis“ von Fritz Lang, den ich mal in einem Kreuzberger Open Air-Kino mit Klavierbegleitung gesehen habe.
Wir haben uns ein eigenes Universum erschaffen, in das wir uns bequem zurückziehen können, wenn uns der Alltag zu langweilig oder zu deprimierend erscheint. Wir beamen uns einfach in eine Parallelwelt mit freundlichen oder grauenerregenden Aliens. Sie können jederzeit blutspritzend aus uns hervorbrechen oder sie leben längst unter uns. Im Gegensatz zu anderen Genres akzeptiere ich in der SF-Literatur oder im Film auch Trash. Es ist wie mit Pizza. Selbst die kalte Pizza vom Vortag ist im Vergleich zu Obst und Gemüse immer noch köstlich. Gebt mir Arnold Schwarzenegger und Flash Gordon, „Raumschiff Orion“, „Die Klapperschlange“ oder irgendeinen hirnrissigen Predator – ich nehme alles!
Philip K. Dick ist einer der großartigsten Autoren der Geschichte. Ich habe alles von ihm gelesen. Wenn ich nur an „Blade Runner“ denke, durch den ich auf diesen Mann gestoßen bin. Arkadi und Boris Strugazki: Picknick am Wegesrand, von Tarkowski verfilmt, der auch „Solaris“ gedreht hat. Es fallen einem so viele großartige Werke ein. „Flucht ins 23. Jahrhundert“ oder „Zardoz“, „Alien“ oder „Matrix“, „12 Monkeys“ oder „Interstellar“, „Terminator“ oder „Das fünfte Element“. Man könnte sich komplett aus der Realität verabschieden. Vermutlich keine schlechte Idee – und sicher gesünder als Drogen.
P.S.: Das schrägste Filmende in einem SF-Film ist meiner Meinung nach in „Der Junge und sein Hund“ von 1975. Das Werk dürfte nur eingefleischten (sic!) SF-Fans bekannt sein.
P.P.S.: Es ist ein merkwürdiger Gedanke, zugegeben, aber vielleicht sind die Helden in den SF-Filmen so sympathisch, weil wir ihre Gehälter nicht kennen und es praktisch nie um Geld geht. Han Solo ist der erste Raumschiffpilot, der offen materialistisch ist. Und in „Alien“ diskutiert die Besatzung sogar über ihr Gehalt und fordert Gehaltserhöhungen. Sie sind die ersten Protagonisten, die nicht mehr aus Neugier oder Abenteuerlust ins All fliegen.
David Bowie – Space Oddity. https://www.youtube.com/watch?v=iYYRH4apXDo

Kommentare:

  1. Ich liebe Science Fiction und ich bin sicher nicht die Einzige! Ich bin Jules Verne Fan, ich denke damit fing es an. In der DDR Jugendliteratur gab es eine Menge Autoren und auch sonst gab es einiges zum Thema. (zB Gert Prokop, Klaus Frühauf, Wolf Weitbrecht)Allgemein fehlt es leider an weiblichen Helden und nein, Prinzessin Leila war für mich nie ein Held und Ellen Ripley habe ich nie gesehen.
    Frau-Irgendwas-ist-immer

    AntwortenLöschen
  2. Also mein erstes SF Buch war Dreibeinige Monster auf Erdkurs oder so ähnlich.

    Danach folgten gleich Eden und Transfer von Lem. Bei beiden Büchern habe ich mit 12 Jahren nichts aber auch gar nichts kapiert. Tröstlich war nur dass es den "Helden" der Romane genau so ging. Das

    Gefühl des Verlorenseins in einer anderen Welt (hier in einer Gesellschaft in der Zukunft) spüre ich immer noch.

    Mittlerweile kommt es aber auch wenn ich vor die Tür gehe. Da bin ich sozusagen voll in der Zukunft angekommen. Nur die Betrisierung ist wohl a bissle falsch gelaufe.

    AntwortenLöschen