Montag, 10. April 2017

Steiner – der eiserne Blues


Blogstuff 121
„Die meisten Menschen interessieren einen wirklich nicht, habe ich die ganze Zeit gedacht, fast alle, denen wir begegnen, interessieren uns nicht, sie haben uns nichts zu bieten als ihre Massenarmseligkeit und ihre Massendummheit und langweilen uns dadurch immer und überall und wir haben naturgemäß für sie nicht das geringste übrig.“ (Thomas Bernhard: Holzfällen)
Die ganzen Experimente mit künstlicher Intelligenz machen mir Sorgen, weil die Ansätze mit natürlicher Intelligenz leider nicht erfolgversprechend gewesen sind.
Mein Vater ist so oft im Baumarkt – neulich haben sie ihn aus Versehen zum Mitarbeiter des Monats gemacht.
Ein Freund hat mich bei Facebook zu einem „Autoscootergottesdienst am Ostermontag“ eingeladen. Was soll ich antworten?
Es ist eine deprimierende und sehr deutsche, das heißt: sehr grundsätzliche und sehr humorlose Debatte, wenn man über die geschlechtergerechte Pluralbildung spricht. Gegenwärtig setzen sich Lösungen mit Sternchen oder Binnenversalie durch. Ich denke, wir sollten uns die Zeit nehmen, den Plural nach alter Väter und Mütter Sitte zu formulieren, und uns nicht dem neoliberalen Effizienzwahn zu beugen, wenn es um unsere Sprache geht. Wenn ich zum Beispiel alle Menschen in Mainz geschlechtergerecht beschreiben will, wenn es also nicht nur um Gebissträger aus Gonsenheim mit dem Sternzeichen Wassermann geht, dann schreibe ich „Mainzerinnen und Mainzer“ oder meinetwegen „alle Leute aus Mainz“, aber nicht „Mainzer*innen“ oder „MainzerInnen“, weil niemand diese Schriftsprachmonster im Alltag aussprechen kann. Wenn man Sprache nicht als Herrschaftsinstrument oder Pädagogikwerkzeug begreift, dann sollte sie so einfach und verständlich wie möglich sein.
Im Alter wird Essen wichtiger als Sex. Auf Sex kann man verzichten, aufs Essen nicht.
Kennen Sie das auch? Manche Hausarbeiten haben kontemplativen Charakter. Man entspannt sich bei bestimmten Tätigkeiten, man kann sich ablenken, wenn einem bestimmte Fragen oder Probleme im Oberstübchen herumspuken. Ich habe mal in einem Interview mit dem Schauspieler Jürgen Vogel gelesen, dass er in solchen Momenten gerne staubsaugt. Ein Freund von mir putzt gerne Fenster. Man hat etwas für sich selbst getan und nebenbei wird sogar noch die Wohnung sauber. Bei mir ist es der Abwasch. Eigentlich mag ich Hausarbeit nicht, aber ich wasche gerne ab. In Schweppenhausen habe ich eine Geschirrspülmaschine. Manchmal finde ich das schade.
Seine großen Hits „Es ist schön, ein Niemand zu sein“, „Hast du Scheiße an den Hacken, hab ich immer was zu lachen“ und „Ich rede zu viel und trinke zu wenig“ liegen jetzt auch schon lange hinter Rudi Löffel.
Alles fing vor über zwanzig Jahren mit meinem langhaarigen, linksalternativen Hausarzt in SO 36 an, der mir plötzlich ein Vitaminpräparat aus Amerika andrehte, das die Krankenkasse nicht bezahlte. Das kostete mich über fünfzig Euro im Monat, die ich besser gleich in Obst und Gemüse investiert hätte. Nach einem Jahr habe ich den Liefervertrag gekündigt und den Arzt gewechselt. Ärzte geben uns die notwendige Medizin, sind aber zugleich auch Scharlatane, die uns irgendeinen nutzlosen Scheißdreck andrehen wollen. Wie kann man als Laie überhaupt noch diesen Jekyll/Hyde-Doktoren trauen?
Es gibt Werbung, die sich wie mit einem Laser in mein Oberbewusstsein eingebrannt hat, weil ich sie gefühlt eine Million Mal gesehen habe. Heute bin ich irritiert, weil Persil oder der Weiße Riese gar nicht mehr auftauchen. Ich weiß auch immer noch nicht, was „Kosakenkaffee“ genau ist, aber ich kenne noch den Werbespruch aus den siebziger Jahren: „Trink, Brüderchen! Trink Kosakenkaffee!“
Er saß in Unterhosen auf der Bettkante in seinem drittklassigen Hotelzimmer und blickte zum briefmarkengroßen Fernseher unter der Decke empor. Ins Waschbecken an der Wand hatten schon Millionen Vertreter gepisst, in seiner Hand hielt er eine Flasche mit lauwarmem Bier. Das war seine letzte Dienstreise.
Depeche Mode - Love in Itself. https://www.youtube.com/watch?v=l7htgUra4Yk

Kommentare:

  1. Und ich hab immer gedacht, die korrekte anrede für »alle menschen aus Mainz« wäre »liebe MainzelmännchInnen!«

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    1. Mir als gebürtigem Rheinhesse war es schon immer schleierhaft, wo eigentlich die Mainzelweibchen abgeblieben sind. Aber die Schlümpfe kommen ja auch mit einer einzigen Frau aus. Gezeichnete Männerphantasien ;o)))

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    2. "... wo eigentlich die Mainzelweibchen abgeblieben sind."

      Guckst du hier:
      https://www.youtube.com/watch?v=8m7BQE65qwQ

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  2. Wenn Du weiterhin meine näheren Lebensumstände preisgibst ( in Unterhosen auf der Bettkante..), sind wir geschiedene Leute.

    Gruß vom gitano
    von der Costa Dorada.

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    1. Don Gitano weilt im sonnigen Süden. Aber hier blühen auch die Kirsch- und Mandelbäume, du kannst ruhig wieder zurückkommen. Gestern waren es auf meine Terrasse über 30 Grad in der Sonne.

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    2. Nicht immer mit der Heizdecke auf die Terrasse setzen! Brandgefahr!

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