Mittwoch, 5. April 2017

Ich weiß es, Sie wissen es

„Du schreibst einen Text und hast etwas Neues erschaffen. Diesen Text hat es am Morgen, als du aufgestanden bist, noch nicht gegeben. Jetzt ist er in der Welt. Das ist es, Baby, das ist Kunst.“ (Andy Bonetti: Nussecken, Straßenecken, Geheimratsecken – eine Autobiographie)
Ich weiß es. Sie wissen es auch schon lange und können es nicht mehr hören. Trotzdem sage ich es zum tausendsten Mal: Aus dem Fußballsport ist ein dreckiges Geschäft geworden. Ein Industriezweig, der Milliarden umsetzt. Verseucht von Managern, Spielerberatern und Rechtsanwälten. Junge Ferrarifahrer und neureiche Villenbesitzer stehen auf dem Fußballplatz. Als ich anfing, Fußball zu gucken, verdiente ein Spieler des FC Bayern 1200 DM im Monat. Das klingt nach wenig, oder? Das ist auch wenig. Dafür wäre ein Handwerkermeister morgens nicht aufgestanden. Eine Grundschullehrerin auch nicht. Ein Weltmeister von 1974 wie Schwarzenbeck hat nach seiner Karriere am Kiosk gestanden und Zeitungen verkauft. Ein Weltmeister von 1954 wie Fritz Walter hat abends als Kartenabreißer im Kino gearbeitet. Gestern ist dein Bild in der Zeitung, morgen stehst du schon wieder an der Werkbank. So war Fußball früher. Haben Sie gewusst, dass der mit Regenwasser vollgesogene Lederball des Endspiels 1954 in Bern drei Kilo gewogen hat? Man muss sich erst mal trauen, mit voller Wucht gegen das Ding zu treten. Wenn man heute einen Fußball in der Hand hält, hat man das Gefühl, er wiegt nicht mehr als eine Tafel Schokolade. Die Jungs haben neunzig Minuten mit der Pille durchgehalten. Sie haben nichts gesagt, hinterher zusammen einen gesoffen und dann ging’s mit dem Bus wieder nach Hause. Ein verwöhnter Multimillionär wie Ronaldo würde sich das gar nicht antun. Ich weiß, sie wollen es nicht hören. Aber ich sage es trotzdem. Das Geld verseucht die Menschen. Geld ist eine Pest, die uns alle krank macht.
Die schönste Frau der Welt mit der besten Stimme aller Zeiten: https://www.youtube.com/watch?v=coy6CGYN-nA

Kommentare:

  1. Ich persönlich bin der Ansicht, dass man die Fehlerhaftigkeit des Menschen nicht dem Geld anlasten kann.

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    1. Aber das Geld lockt die Fehler im Menschen hervor. Wie viele Straftaten und Lügen wären unterblieben, wenn es kein Geld gäbe?

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    2. Wenn es nicht das Geld ist, dann sind Esel, Ziegen, Waren oder sonst etwas, welches den Menschen einen Wert beimessen.

      Straftaten (oder was man damals dafür hielt) und Lügen gab es bereits vor der Erfindung was wir heute Geld nannten.

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    3. Was wiederum meine Feststellung bestätigt. Wir machen eine Menge Scheiße, um an Sachen bzw. Tauschmittel zu kommen.

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    4. Die Aussage ist richtig. Die Unterschreibe ich. Nur können die Dinge nichts dafür. Es ist der Mensch und seine Bedürfnisse.

      Und das Tolle ist, dass man damit eine Menge Geld verdienen oder davon profitieren kann.

      Ich bin der Ansicht, dass man den Menschen nicht zum Besseren verändern kann... und wenn ich nicht retten kann, kann ich zumindest an ihm verdienen.

      Das System ist großartig.

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    5. Natürlich ist das System großartig. Für mich ist es sogar phantastisch. Ich bin Künstler und "arbeite" nicht mehr als eine Stunde am Tag. Verzeihen Sie mir ausnahmsweise die Deutlichkeit meiner Wahrnehmung, aber ich blicke vom Gipfel meines Schreibtischs auf das Leben eines Büroangestellten hinab und habe nicht die Qual, sondern die Lust der Wahl, schon am späten Vormittag wie ein italienischer Architekt, dessen Lebensstil ich persönlich studiert habe, im Kühlschrank zwischen diversen Weinsorten und Spirituosen wählen zu dürfen, während Sie noch Ihren gutbezahlten Frondienst verrichten.

      Ich bin - im Gegensatz zu Ihnen - der Ansicht, dass sich der Mensch verbessern lässt. Ganz einfach: Lasst sie alle so leben wie Meister Bonetti. Befreit sie von Armut und Arbeit, gebt ihnen Villen und Sekt. Das ist mein Traum vom Champagnerkommunismus!

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    6. P.S.: Herzliche Grüße an meinen Namensvetter Matteo in Berlin. Die Trattoria Freni e Frizioni in der Pariser Straße 18A in Ku'damm-Nähe ist übrigens von ihm eingerichtet und sein Lieblingslokal. Ein ausgezeichneter Italiener (wenn man bereit ist, sich vom Thema Pizza zu lösen - die gibt es hier nicht), in dem ich neulich ein Risotto gegessen habe, vor dem man in Ehrfurcht niederknien müsste.

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    7. Es sei Ihnen gegönnt. Ich neide es nicht. Da ich meinen Zustand ja gewählt habe und mich niemand zwingt, dass zu tun was ich tue.

      Ich mag das Wort Champagnerkommunismus.

      Gott sei Dank, bietet das Leben die Möglichkeit, jedem sein Glück zu finden.

      Oder wie es Bukowski sagte: "Jeder sucht seine Chance auf seine Art"

      Ich werde mein Glas heute Abend auf Sie erheben. Die Wahrheit befindet sich in der Regel immer irgendwo zwischen den Gegensätzen. Und da ist Sie meiner Meinung nach sehr gut aufgehoben.

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    8. Wohl gesprochen, lieber Herr MiM. Auch ich erhebe mein Glas und wünsche Ihnen, Ihrer Frau und vor allem dem dreifaltigen kleinen Glück alles Gute. In der Addition ergeben wir alle eine Gesellschaft, in der man es aushalten kann. Ich bin auf kurze Sicht Pessimist, wenn ich Schwachköpfe wie Trump, Putin oder Erdogan sehe, aber auf lange Sícht bin ich gnadenlos optimistisch. Wir werden den Champagnerkommunismus erleben, wenn wir die neuen Sklaven erst richtig programmiert haben. Ihren drei kleinen Fräuleins werden charmante Roboter die Drinks servieren, wenn sie erwachsen sind. Glauben Sie einem Träumer!

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    9. Cheers... auf Träumerei ohne die es keine akzeptable Realität geben würde.

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    10. Amen. Und lassen Sie uns erst gar nicht von der WM in Katar anfangen (hihi, mein Rechtschreibprogramm will daraus "Quasar" machen ...).

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