Mittwoch, 29. März 2017

Schraubenzieher-Man vs. Werkzeug-Kartell

Es ist sicher das dunkelste Kapitel in der Geschichte von Bad Gotham: die Zeit der Prohibition. Damals waren die Bürger der Stadt verrückt nach Heimwerkerbedarf, sie stürzten sich in Schulden, um Baumaterial und Werkzeug zu kaufen. Manche waren so süchtig nach Do-it-yourself, dass sie nicht mehr zur Arbeit gingen, sondern den ganzen Tag in Baumärkten herumhingen und anschließend Bücherregale und Vogelhäuschen bauten, obwohl sie weder Bücher noch Vögel hatten. Die Situation drohte zu eskalieren und der Bürgermeister sah sich gezwungen, die Prohibition auszurufen. Alles Schrauben, Hämmern und Sägen war plötzlich illegal, die Baumärkte mussten schließen, die Süchtigen wurden in Heimwerkerheilanstalten therapiert.
Sie können sich denken, was dann passierte. Bald darauf entstanden sogenannte Speak-easys, Flüsterbaumärkte, in düsteren Hinterhöfen und dunklen Kellern. Hier konnten sich die Menschen, die ihre Finger nicht vom Schlagbohrer lassen konnten, mit allem eindecken, was das schwarze Herz eines DIY-Junkies begehrte. Es war die große Zeit der Werkzeugschmuggler.
Aus Polen wurden ganze Lkw-Ladungen mit illegalem Baumaterial und Werkzeug über die Grenze nach Bad Gotham gebracht. Im Darknet kursierten Bauanleitungen für Kleiderschränke und Kommoden. Die Geheimdienste hoben immer wieder kleine Terrorzellen von Leuten aus, die sich diese Baupläne aus dem Netz heruntergeladen hatten und gerade planten, ein Schuhregal zu bauen.
Nur ein Jahr nach Beginn der Prohibition war Bad Gotham fest in der Hand von Don Marek. Der gerissene polnische Handwerkerkönig hatte das mächtige „Werkzeug-Kartell“ gegründet, das zahllose Flüsterbaumärkte betrieb und dessen Dealer an den Straßenecken Päckchen mit Nägeln und Schrauben an die Süchtigen verkauften. Als Heimwerken noch legal war, kosteten fünfzig Neuner-Schrauben noch 5,99. Die osteuropäische Mafia verlangte dreißig Euro.
Don Marek wurde der reichste Mann von Bad Gotham und konnte es sich leisten, die Streifenpolizisten der Stadt mit Schmiergeld zu kaufen. Aber es strömte auch jede Menge Konkurrenz in die Stadt, um an diesem Holz- und Eisenrausch teilzuhaben. Die albanische und die rumänische Mafia verkauften gefälschte Schrauben und Muttern, die wesentlich billiger hergestellt waren. Es gab viele Verletzte unter den Heimwerkern, weil die Bohrmaschinen ihnen Stromschläge verpassten oder die Akku-Schrauber in ihren Händen explodierten. Nägel und Schrauben verbogen sich, manche waren sogar linksdrehend und sorgten für Ratlosigkeit und Verzweiflung unter den Junkies. Eines Tages zog die Polizei einen Toten unter einer Wohnzimmerschrankwand hervor, die illegal errichtet worden war.
Es wurde immer schlimmer. Die wenigen lizensierten Handwerksbetriebe wagten es nicht mehr, ihre Mitarbeiter morgens zu ihren Kunden zu schicken. Selbst Klempner wurden angegriffen, obwohl sie die Geschäfte des Werkzeug-Kartells nicht störten. Es gab Brandanschläge und Bombenattentate auf Einrichtungshäuser. Die Besitzer verwandelten ihre Küchenstudios und Möbelgeschäfte in Festungen. Fenster und Türen wurden verrammelt und private Wachdienste schützten die Gebäude Tag und Nacht. Aber es nutzte nichts. Die Besitzer, zermürbt durch Drohbriefe und Anschläge auf ihre Villen, verließen nach und nach die Stadt. Am Ende machte sogar IKEA zu.
Aber das war noch nicht das Ende. Das Werkzeug-Kartell lieferte sich mit seiner Konkurrenz aus Osteuropa, Eritrea und Offenbach wilde Schießereien. Die illegalen Baumärkte wurden von Männern mit Hüten und Nadelstreifenanzügen aus fahrenden Autos mit Maschinenpistolen beschossen. Es gab jede Nacht Tote und Verletzte. Da wusste der Bürgermeister von Bad Gotham, was zu tun war. Sie wissen es auch.
Wen brauchen wir jetzt? Ruft es laut und ruft es jetzt!
Schraubenzieher-Man und Kreuzschlitz-Boy
https://www.youtube.com/watch?v=wKp2t7kW70E
Der Schraubenzieher-Man saß an der Theke eines illegalen Flüsterbaumarkts und starrte traurig in ein Glas mit verrosteten Muttern. Er hatte in der Stadt das Gerücht gestreut, der Bürgermeister würde ihn nicht mehr als Superheld beschäftigen, weil er nie eine Lehre als Handwerker gemacht habe und auch nie eine offizielle Lizenz zum Schrauben besessen hätte. Deswegen trieb er sich in den Speak-Easys herum.
Der Barkeeper, der gerade einen Imbus-Schlüssel polierte, sah ihn mitleidig an. „Noch ein Glas?“
„Ja, mach mir noch eine Bloody Mother“.
Über dem Regal mit den Werkzeugen und anderem Heimwerkerbedarf hing ein Schild: „Solang das Deutsche Reich besteht, wird jede Schraube rechts gedreht.“
Hier trafen sich die Hardcore-Heimwerker. Männer, die vor nichts zurückschreckten. Die nachts illegal komplette Gartenhäuschen bauten. Männer, denen alles egal war. Die den ganzen Keller voller Baumaterial hatten. Die einen Schlagbohrer im Schulterholster trugen – und noch einen Schraubenschlüssel in ihren Stiefeln versteckt hatten. In diesem Flüsterbaumarkt konntest du Männer für jeden Job anheuern. Männer, die keine Fragen stellten. Männer, die keine Rechnungen ausstellten. Hier hatte noch keiner Mehrwertsteuer auf seine Schrauben bezahlt oder Einkommenssteuer für einen Job. Harte Jungs. Sie kannten die Gefahr. So mancher dieser aufrechten Kerle überlebte den Einsatz nicht und seine Leiche landete im Betonfundament eines Parkhauses.
Fortsetzung folgt
The Sisters Of Mercy – Emma. https://www.youtube.com/watch?v=t0IN_5qZtxE
P.S.: Die Schraubenzieher-Man-Erkennungsmelodie und das Video sind von Ackerboy, dem treuen Gehilfen unserer Superhelden. Vielen Dank! Auch Du wirst eines Tages gerettet, falls Du ihre Hilfe benötigen solltest.

Kommentare:

  1. Nicht den Schraubenzieher - Man, sondern die Hammer- Lola braucht es! Weil sie nie im Blick der Mafia und der Herren der Stadt war. Sie konnte bohren und schrauben, sie kannte alle Werkzeuge und reparierte locker jeden Dübel. Ihr Werkzeug tarnte und hortete sie mit Klamotten in begehbaren Schrankzimmern, alle Schuhe hatten eisernes Innenleben.

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    1. Ich habe heute eine Stunde lang mit der Kettensäge im Garten gearbeitet. Sachen kaputt machen - geil ... Aber im Baumarkt trifft man die Hammer-Lola leider nie.

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