Freitag, 31. März 2017

Noch mehr Schraubenzieher-Man vs. Werkzeug-Kartell

Was bisher geschah: In Bad Gotham herrscht Prohibition, die Stadt ist fest im Griff des Werkzeug-Kartells von Don Marek. Der Schraubenzieher-Man hat sich in die illegale Heimwerkerszene eingeschlichen, um den Verbrechern das Handwerk zu legen.
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Ein breitschultriger Kerl, dessen eingekerbtes Kinn die Größe einer Küchenschublade hatte, trat an den Schraubenzieher-Man heran, der am Verkaufstresen eines Flüsterbaumarkts namens „Unsicht-Bar“ lehnte.
„Bist du der Schraubenzieher-Man?“ Er hatte die ausdruckslosen Augen eines Serienmörders.
Die Frage war natürlich überflüssig, denn der Schraubenzieher-Man trug seine Superheldenstrumpfhosen und sein Cape. Bevor er antworten konnte, rief jemand „Die Bullen kommen!“
Der Barkeeper drückte einen Knopf unter dem Tresen. Sofort drehten sich die Wände, an denen Regale voller Werkzeug und Baumaterial angebracht waren. Harmlose Bilder schmückten den Raum, als die Polizisten eintraten.
„Sie gehören also auch dazu, Schraubenzieher-Man?“ fragte ein Beamter. „Ich bin enttäuscht. Sie sind der Held meiner Kinder.“
Der Schraubenzieher-Man war in den Augen der Öffentlichkeit endgültig zum Outlaw geworden.
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Der breitschultrige Kerl hatte einen Auftrag. Er sollte den Schraubenzieher-Man zu Don Marek führen, dem Chef des Werkzeug-Kartells.
Don Marek war ein älterer Herr mit großem Schnurrbart, dessen verschmitztes Lächeln ein wenig an Lech Walesa erinnerte. Er trug einen Arbeitsoverall aus dunkelblauer Seide, dessen Kragen mit Hermelin besetzt war. An seinen dicken Fingern glänzten noch dickere Goldringe in Form von Schraubenmuttern. Er hielt eine diamantbesetzte Rohrzange als Zepter in die Höhe, als er den Schraubenzieher-Man begrüßte.
„Komm zu mir“. Seine Stimme war nur ein heiseres Flüstern.
Der Schraubenzieher-Man kam näher und beugte sein Ohr an den Mund des Patriarchen.
„Wir haben ein Problem. Es ist eine Schraube. Sie sitzt seit einhundert Jahren bombenfest und ist total verrostet. Nur du kannst sie lösen.“
Der Schraubenzieher-Man lächelte, als man ihm die Adresse gab. Er selbst hatte diese Schraube präpariert. Sie hatte eine Kindersicherung und war linksdrehend. Eine Spezialanfertigung, die er selbst in der Schraubenzieher-Cave hergestellt hatte. Für Don Marek würde er so aussehen, als könnte er mit seiner Superschraubkraft selbst schwierigste Probleme bewältigen.
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Der Kreuzschlitz-Boy hatte das GPS-Signal eines Senders, der in der Gürtelschnalle des Schraubenzieher-Mans verborgen war, glasklar empfangen. Jetzt wusste er, wo sich Don Marek aufhielt und wo das Lager mit den illegalen polnischen Werkzeugen und dem Baumaterial zu finden war.
Wenig später war Commissioner Schmuhlke mit seinen Einheiten auf dem Weg zu der versteckten Container-Siedlung in den Mangrovenwäldern an der Küste. Spezialkräfte seilten sich aus Helikoptern über dem Hauptquartier der Ganoven ab.
Die Männer des Kartells, die den Schraubenzieher-Man bei seinem Auftrag begleiteten, wurden auf der Baustelle bereits von der Polizei erwartet und festgenommen.
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Der Bürgermeister von Bad Gotham hatte aus diesem Fall gelernt. Die Prohibition wurde aufgehoben. Aber es gab strenge Grenzen: Werkzeug durfte nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden, Kinder konnten Baumärkte nur in Begleitung ihrer Eltern betreten, es gab Schockbilder von Arbeitsunfällen auf Schraubenschachteln, Suchtprävention an Schulen und im Fernsehen, limitierte Abgabe von Baumaterial an Einzelpersonen usw.
Vergessen wir eines nicht, liebe Leserinnen und Leser:
Es sind zu allem entschlossene Männer wie der Schraubenzieher-Man und Kreuzschlitz-Boy, die über unsere postapokalyptische Gesellschaft wachen.
https://www.youtube.com/watch?v=wKp2t7kW70E
P.S.: Eine gestrichene Szene dieser Geschichte spielt nachts auf einem Friedhof. Die Kamera fährt ganz langsam auf einen Grabstein zu. Dann sehen wir das Grab, das gerade erst zugeschaufelt worden ist. Wir warten gespannt. Nichts passiert. Dann fährt die Kamera langsam wieder zurück. Als das Grab kaum noch zu sehen ist, hören wir plötzlich einen markerschütternden Schrei und das Kratzen von Fingernägeln auf Holz. Unerbittlich fährt die Kamera weiter zurück. Gruselig, oder? Der Horror dieser Szene findet ganz allein in Ihrem Kopf statt. Ihr Vorstellungsvermögen bestimmt den Grad Ihrer Erregung, Ihrer Angst. Sehen Sie sich jetzt in dem Zimmer um, in dem Sie sich gerade befinden. Und stellen Sie sich vor, irgendwo in diesem Raum sei eine Leiche versteckt. Dieser Gedanke verändert Ihre Umgebung augenblicklich. So arbeitet Meister Bonetti.

Kommentare:

  1. Gut, dass Kinder jetzt nur noch in Begleitung Erwachsener in den Baumarkt dürfen. Dann kann sowas hier nicht mehr passieren!

    https://www.soester-anzeiger.de/nordrhein-westfalen/jungs-1314-kierspe-gefaehrt-marke-eigenbau-unterwegs-kreativ-aber-verboten-7431267.html

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