Donnerstag, 30. März 2017

Franken in Farbe

Bevor ich am letzten Wochenende das Coburger Land in Franken besucht habe, wurde ich von einem Nachbarn in Schweppenhausen, der in Coburg geboren und aufgewachsen ist, mit wichtigen Informationen versorgt. Die beste Bratwurst der Welt wird nämlich nicht in Thüringen gereicht (und schon gar nicht in Nürnberg), sondern in Coburg. (Danke, Volker!)
Sie wird auf Kiefernzapfen gegrillt, ist 31 Zentimeter lang und wird traditionell ohne Senf und im Doppelweckla gegessen. Am besten an einer der Buden auf dem Marktplatz, aus denen dichter Qualm kommt und wo die Flammen bis zu den Würsten hochschlagen. Genau das war vor einigen Jahren auch das Problem: Aufgrund der hohen Werte eines bestimmten Schadstoffs (Benzo[a]pyren) wollte die EU die Wurst verbieten, der „Coburger Bratwurststreit“ ward entfessselt, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die redlichen Wurstbrater wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht, Lokalpolitiker bissen vor laufenden Kameras in die Wurst, um die Ehre Coburgs zu retten (aus dem hiesigen Adelsgeschlecht ist immerhin das Haus Windsor hervorgegangen!), und man einigte sich schließlich, dass in Coburg und im Landkreis weiterhin die schmackhafte Delikatesse angeboten werden kann.
Überall sonst in der Welt ist sie verboten – Sie müssen schon zur Wurst kommen, die Wurst kommt nicht zu Ihnen. Es ist also wie mit dem Bier in den kleinen Dorfbrauereien. Ich habe drei Coburger Bratwürste mit gutem Appetit verzehrt und kann sie besten Gewissens weiterempfehlen. Werden die Würste übrigens ohne das Raucharoma der Kiefernzapfen gebraten, z.B. auf einem hundsgemeinen Gartengrill, verlieren sie augenblicklich ihren Zauber.
Zunächst präsentiere ich zwei Details der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, einer Rokokoperle, wie man sie nur selten nördlich der Alpen zu sehen bekommt. Von unserem Basislager im Gasthof Maintal sind es nur 1,8 Kilometer bis zur Kirche und dem angrenzenden Biergarten. Der Wandergeselle N. war wie immer ausgerüstet wie Reinhold Messner am Nanga Parbat und wir schafften den Aufstieg (mehrere Höhenmeter!) tatsächlich innerhalb von 45 Minuten mit nur zwei Pausen auf Parkbänken. Der Weg ist übrigens ein behindertengerecht ausgebauter Bürgersteig rechts der Straße und man sieht die Kirche bereits am Beginn des Wegs, weswegen ich Wanderstiefel, Stöcke, Höhenmesser, Landkarte, Rucksack und Multifunktionsklamotten beim Kollegen nicht ganz nachvollziehen konnte. Aber das Abenteuer findet bekanntlich im Kopf statt. Der Heimweg war, gestärkt durch drei Seidla Bier (siehe Bild 3) und einen Schweinsbraten, übrigens ohne Erholungspause in 25 Minuten geschafft.



Einige Impressionen aus Bamberg:




Jean-Michel Jarre - Orient Express. https://www.youtube.com/watch?v=QMV2lvwPXhs

Kommentare:

  1. Schön. Solche Städtchen mag ich ja besonders gern. Gemütliche Umgebung und kühles Bier.

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  2. Da gibt es unheimlich gutes Klosterbier...in der Gegend.
    Pest ist dort geboren

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