Mittwoch, 15. Februar 2017

Schraubenzieher-Man – The next level

Im Stadtparlament von Gotham City ist es zu einer Pattsituation gekommen. Die fünfzig Abgeordneten der Konservativen Partei der Demokratie (KPD) stehen gegen die fünfzig Abgeordneten der Progressiven Liste der Ordnung (PLO). Es geht um die wichtige Frage der Öffnungszeiten in der Gastronomie. Die Konservativen möchten die Begrenzung des Ausschanks von Alkohol von 11 bis 23 Uhr erhalten, die Progressiven wollen den Nonstop-Ausschank rund um die Uhr. Nach dem Flüchtlingswellenbad der Gefühle im vergangenen Jahr die zweite heikle Kontroverse in der Stadt.
Diese Hängepartie kann nur ein Mann auflösen: Andy Bonetti, PLO-Mitglied und der hunderterste Abgeordnete des Parlaments. Seine Partei, die getreu dem alten Diktum „Vox populi vox Rindvieh“ einen roten Stier als Wappentier gewählt hat, versucht seit Tagen, ihn zu erreichen, während die KPD, deren Symbol ein schwarzes Schaf ist, seit Tagen Bonettis Villa belagert, um ihn an der Teilnahme an den Plenarsitzungen zu hindern. Sie stehen grölend mit fiesen Plakaten wie „Bullen schlachten!“ vor der Einfahrt zu seinem Anwesen, während der hessische Großsschriftsteller und Träger des Ordens wider den öffentlichen Humor ahnungslos in seinem Superheldenkostüm in der Wunder-Bar sitzt, wo er – übrigens nicht zum ersten Mal – rettungslos versackt ist.
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„Warum machen wir das, Big S?“ fragt der Kreuzschlitz-Boy.
Sie sitzen an der Bar und der Schraubenzieher-Man nippt nachdenklich an seinem Screwdriver.
„Es ist der Kick. Das Adrenalin, das durch deine Adern gepumpt wird. Die Nacht nach dem Einsatz ist aufregend, du kannst nicht schlafen. Du spürst mit jeder Faser, dass du lebst. Und du weißt genau, warum du lebst.“
Der Kreuzschlitz-Boy nickt. „Aber wäre es nicht noch besser, die Verbrecher selbst zu richten. Wäre das nicht der ultimative Kick?“
„Nein“, antwortet der Superheld und trinkt sein Glas leer. „Wenn du selbst den Abzug drückst, bringt das ein schlechtes Karma. Die spirituelle Verunreinigung hast du für den Rest deines Lebens. Wir liefern sie der Polizei aus oder sie richten sich selbst. Wenn wir uns selbst mit der Schuld belasten, machen wir uns die zukünftige Arbeit unmöglich.“
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Fortunato ist ein Mann mit schwarzglänzendem Haar, einem winzigen Schnurrbart und geradezu legendärem Glück. Am Tisch des Casinos sitzen nur noch er, ein texanischer Ölmillionär mit Cowboyhut und eine uralte Frau mit Kopftuch und Ohrringen, die ein Huhn auf ihrem Schoß sitzen hat, als wären wir in einem Bus irgendwo in Guatemala.
Fortunato, der Vincent Price unglaublich ähnlich sieht, setzt einen gewaltigen Stapel Jetons auf Zero. Er wird gewinnen. Wie immer. Und dann kauft er sich die Bad Gotham Honks (BGH), das Fußballteam der Stadt.
„Rien ne va plus.“ Der Croupier schickt die Kugel auf die Reise. Alle halten den Atem an, Fortunato zwirbelt mit einem maliziösen Lächeln seine rechte Schnurrbartspitze.
Da stürmen plötzlich ein halbes Dutzend Ninjas das Casino.
„Hände hoch! Her mit dem Zaster!“
Von der anderen Seite betritt Antonio Banderas mit einer Gitarre und einer doppelläufigen Pumpgun die Szene.
Der Croupier stöhnt auf und schüttelt den Kopf. Er kennt das schon.
„Schraubenzieher-Man“, ruft er verzweifelt, „nur der Schraubenzieher-Man kann uns jetzt noch retten.“
***
Der Schraubenzieher-Man trinkt sein Glas leer und bestellt noch einen Screwdriver.
„Ist das der Versuch, mich böse anzuschauen? Das ist ja süß. Haben Sie das geübt oder konnten Sie das schon immer?“
„Es ist elf Uhr“, sagt der Barkeeper.
„Morgens oder abends?“
„Abends. Wir schließen jetzt. Ich mache Ihnen die Rechnung, Sir.“
„Verdammte Öffnungszeiten. Warum kann man nicht einfach so lange in der Bar bleiben wie man möchte? Dieses alte Gesetz müsste unbedingt geändert werden. Aber keiner unternimmt was dagegen.“
„Aber haben Sie nicht einen Sitz im …,“ fragt der Kreuzschlitz-Boy, aber der Schraubenzieher-Man alias Bonetti unterbricht ihn mit einem lauten „Pssst“ und kichert hemmungslos.
„Heute habe ich einen sitzen und bin Schraubenzieher-Man, der Treter der Vererbten, der Erbe der Vertreter, äh …, na du weißt schon.“
Yes - Your move. https://www.youtube.com/watch?v=mI2ej_ctM9I

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