Donnerstag, 23. Februar 2017

Bullets over Bad Nauheim

„Der Schraubenzieher-Man ist wie ein Diamant: er wird unter Druck immer wertvoller.“ (Batman)
Der Schraubenzieher-Man saß auf seinem Motorrad und raste mit Vollgas durch die Nacht. Im Beiwagen saß Kreuzschlitz-Boy und hätte gerne an seinen Fingernägeln gekaut, aber die Erschütterungen durch die Schlaglöcher der Landstraße waren zu stark. Sie waren auf der Flucht. Wie konnte das passieren?
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Die Frau war vorgegangen, wie es schon die Legionen des Julius Cäsar oder die Bataillone preußischer Generäle getan hatten. Alles war geplant, alles folgte einer bekannten Choreographie. Sie setzte zuerst ihre Augen ein, die Bogenschützen der Erotik, es folgten ihre blitzenden Zähne und mit einer eleganten Bewegung ihrer schlanken Finger legte sie die Herrlichkeit ihres perfekten rechten Ohrs frei, das mit kleinen Diamanten besetzt war. Am Ende waren es ihre Stimme und ihre vollen Lippen, die den Schraubenzieher-Man alle Regeln vergessen ließen. Ihre Worte tropften wie süßes Gift in seine Ohren. Ein Gift, das seinen Willen bald gebrochen hatte. Er bemerkte noch nicht einmal, dass sie ihn hartnäckig Scheibenwischer-Man nannte.
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„Ich habe fünf meiner besten Männer verloren“, sagte Commissioner Schmuhlke. „Sie sind unsere einzige Chance, das Riot Grrl zu stoppen.“
„Machen Sie sich keine Sorgen, Commissioner“, antwortete Schraubenzieher-Man, während er über Bad Gotham blickte. „Das Verbrechen hat in dieser Stadt keine Chance.“
Da wusste er noch nicht, wer das Riot Grrl überhaupt war und dass in diesem Augenblick eine Million Euro auf sein Girokonto bei der Kreissparkasse Nordhessen überwiesen wurden.
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Das Riot Grrl saß in einem hautengen schwarzen Lederbody vor einem Computer in einem Internetcafé in Downtown Bad Gotham. Eine Horde übergewichtiger Nerds mit Schnappatmung stand um sie herum und starrte sie an, bis der Besitzer sie mit einem elektrischen Viehtreiber auseinander jagte.
Das Riot Grrl schien das nicht zu stören. Sie hatte am Abend zuvor einem Investmentbanker der Firma Filthy & Rich das Passwort zu einem Konto entlockt - ach was, aus ihm herausgevögelt, als wäre sie Rodeoreiterin! -, auf dem die Cash-Bestände eines milliardenschweren Hedgefonds lagen.
Sie überwies zehn Millionen Euro auf ein Nummernkonto in Zürich, von dort schickte sie das Geld an Konten in Delaware, Panama und Shanghai, nur um es Minuten später auf zwanzig weitere Konten auf den Kanalinseln, den Bahamas und der Privatbank eines nigerianischen Prinzen zu transferieren.
Und sie schickte eine Million auf das Konto des Schraubenzieher-Man, um eine falsche Spur zu legen. Dieser verliebte Trottel hatte ihr freiwillig seine Kontodaten gegeben, weil sie versprochen hatte, ihm eine Spende für sein Resozialisierungsprojekt zu überweisen.
Männer waren so blöd – das Verbrechen machte fast keinen Spaß mehr, weil es so einfach war.
John Foxx - Running Across Thin Ice With Tigers. https://www.youtube.com/watch?v=9aftlJG2v8c

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