Mittwoch, 4. Januar 2017

Tiefbohrung im Mysterium der Sprache

„Die Kalkgesichter waren entzückt. Affen gleich wiegten sie das Gold in ihren Händen oder setzten sich mit dem Ausdruck des Vergnügens zu Boden und ihr Gemüt schöpfte neue Kraft und erleuchtete sich. Ihr Leib weitete sich dessentwegen; sie hatten Heißhunger danach. Wie hungrige Schweine gierten sie nach dem Gold.“ (Náhuatl-Text der Azteken)

Blogstuff 103
Duldungsstarre. Trifft dieser Begriff den Zustand der deutschen Bevölkerung?
Hätten Sie’s gewusst? Andy Bonetti ist der einzige Mensch, der, nur mit einer Badehose bekleidet, jemals den Atlantik überquert hat. Und zwar 1987 an Bord der HMS Bremen.
George Bernard Shaw hat mal am Tresen zu mir gesagt: „Whisky ist flüssiges Sonnenlicht.“ Dieser Satz gilt jedoch in erster Linie für Bier. Nimm’s mir nicht übel, Georgy Porgy.
Der Literat schaut dem Menschen aufs Maul, der Prolet haut dem Menschen aufs Maul. Da machst du nix.
In diesem Monat übernimmt also der Bilderbuchkapitalist mit einem Kabinett, das aus Milliardären und Generälen besteht, die Regierungsgewalt des US-Imperiums. Dazu fällt mir nur noch Lenin ein:
„Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.“ (Lenin-Werke, Bd. 22, S. 270 f.)
Das Erfolgsrezept des Kapitalismus ist ja, dass ihm keiner entkommen kann. Linke organisieren ein Musikfestival, ich stehe an einem Stand, wo mir ein schneeweißer Typ mit Dreadlocks ein Fidel Castro-T-Shirt verkauft. Was sehen wir? Produkte und Kunden, Käufer und Verkäufer, Arbeitnehmer und Arbeitgeber (der Typ ist nicht der Besitzer des Stands), Mieter und Vermieter der Standfläche, Umsatz und Profit, kulturelle Aneignung (die Dreadlocks) und Vermarktung bzw. Ausbeutung antikapitalistischer Ideologie. Der Staat kassiert Steuern und ich kann die Polizei rufen, wenn ich bestohlen oder betrogen werde. Wo genau ist der Unterschied zu der Situation, wo ich mir einen Doppel-Whopper mit Käse kaufe?
Und wenn wir schon mal dabei sind, kann ich auch Leo Trotzki zitieren, der in seinem Text „Was nun?“ aus dem Jahre 1932 den Faschismus wie folgt definierte: „Die Aufgabe des Faschismus besteht nicht allein in der Zerschlagung der proletarischen Avantgarde, sondern auch darin, die ganze Klasse im Zustand erzwungener Zersplitterung zu halten. Dazu ist die physische Ausrottung der revolutionärsten Arbeiterschicht ungenügend. Es heiβt, alle selbständigen und freiwilligen Organisationen zu zertrümmern, alle Stützpunkte des Proletariats zu zerstören und die Ergebnisse eines dreiviertel Jahrhunderts Arbeit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zu vernichten.“ Lustigerweise ist dieser Schritt in Richtung Faschismus der SPD und dem DGB ohne fremde Hilfe gelungen. Chapeau! Blödheit funktioniert auch ohne Verschwörungstheorie. Und in derselben Schrift sagt Trotzki zum Bankrott der SPD, die 1932 Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt hat, um Thälmann zu verhindern, damit aber Hitlers Aufstieg ermöglichte: „Es gibt kein tragischeres und gleichzeitig abstoßenderes historisches Schauspiel als die bösartige Fäulnis des Reformismus inmitten der Trümmer all seiner Errungenschaften und Hoffnungen.“
Hätten Sie’s gewusst? Im Wort „Nichtsahnend“ kommt Sahne vor. Mmmm …
„Ich hätte gerne die Hühnerbrust. Wäre es möglich, dass ich statt des Broccoli grüne Bohnen bekomme? Falls es Ihnen nichts ausmacht, hätte ich statt der Pommes frites lieber Kroketten. Wunderbar, das ist sehr aufmerksam. Und könnten Sie dem Koch liebenswürdigerweise ausrichten, dass er kein Salz ans Essen macht. Ich vertrage nämlich kein Salz uswusf.“ Kommt Ihnen bekannt vor? So bestellen Frauen ihr Essen im Restaurant. Der Mann sagt einfach: „Nr. 17.“ Bei allen Debatten über die Benachteiligung der Frau in der modernen Gesellschaft wird gerne vergessen, dass Frauen das Privileg haben, kompliziert zu sein und ohne Angabe von Gründen jedes Mal zu spät zu kommen. Ferner gehört es zu ihren Privilegien, keine Lampen anschließen oder schwere Gegenstände heben zu müssen. Plus das Recht, „sensibel“ sein zu dürfen, was nichts anderes heißt, als sich bei der kleinsten Kleinigkeit aufzuregen und zu lamentieren, was andere Menschen gefälligst in knechtischer Demut zu ertragen haben.
Literaturtipp: „Ebi Ling“, geschrieben von The Marvellous Ackerboy™. http://ackerbaupankow.blogspot.de/2017/01/die-tausend-masken-des-ebi-ling.html
Ton Steine Scherben - Alles verändert sich. https://www.youtube.com/watch?v=vesvP9Jxlz8

Nicht vergessen: 2017 ist wieder Merkelwahljahr.

Kommentare:

  1. 1. Sehr schön.

    2. Der Dreadlocktyp ist der Besitzer des Stands, jedoch nicht der Eigentümer.

    3. Geiles Merkelbild. Ist das gemeinfrei? Mit CC-Lizenz? Wenn ja, spendier mir mal den Link büdde..

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    1. Ich hab das Bild aus meiner Facebook-Timeline. Du kennst mich doch: schlampig recherchiert und dann lieblos zusammengerotzt :o)

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    2. Apropos Facebook: Ich denke, ich habe soeben den dortigen Künstlernamen des Kiezschreibers enttarnt. Rein zufällig natürlich! Wie soll ich mich nun verhalten? Öffentlich machen? Die Behörden informieren?

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    3. In dieser Reihenfolge, mein lieber Radikaler.

      Es grüßt J.M. aus B.

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    4. Sie sind schon wieder in B.? Als hätten wir hier nicht schon genug Ärger ... ;-)

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    5. Nein, bei Facebook bin ich Berliner. Ich dachte, du hättest den Ultraleichtmatrosen gefunden ;o)

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  2. IHR ZITAT DES TAGES:

    Glaubwürdigkeit ist doch eine einfache Sache:
    Man sagt, was man tut und man tut, was man sagt.
    Daniel Dagan

    ... der Literaturtipp " Ebi Ling " auch sehr passend
    und dann, bitte -> "alles mit Sahne" !!!

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    1. Hoffentlich beglückt uns dieser junge Stern am Literaturhimmel mit weiteren spannenden Episoden.

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    2. Da, gibt es WEINIG Hoffnung:

      Herr Ackerbau4. Januar 2017 um 10:08
      "An meinen Fähigkeiten, Geschichten zu plotten, hat sich in den letzten vier Jahrzehnten leider nicht viel geändert."

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  3. Die Verdammung kultureller Appropriation habe ich nie verstanden. Ist nicht jede Kultur Aneignung? Mache ich mich mit der Tomatenzucht nicht der Aneignung von Inka-Kultur schuldig?

    (Und ich bin Literaturtipp. 2017 scheint ja doch noch Überraschungen zu bringen.)

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    1. Da müsste man mal die Inkas fragen - oder was von ihnen übrig ist ;o)

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  4. "Der Mann sagt einfach: „Nr. 17.“

    Ja, so wie im Puff. Der Mann kann's einfach.

    Bei allen Debatten über die Benachteiligung des arbeitslosen Literaten in der modernen Gesellschaft wird gerne vergessen, dass arbeitslose Literaten das Privileg haben, kompliziert zu sein und ohne Angabe von Gründen jedes Mal zu spät zu kommen. Ferner gehört es zu ihren Privilegien, keine Lampen anschließen oder schwere Gegenstände heben zu müssen. Plus das Recht, „sensibel“ sein zu dürfen, was nichts anderes heißt, als sich bei der kleinsten Kleinigkeit aufzuregen und zu lamentieren, was andere Menschen gefälligst in knechtischer Demut zu ertragen haben.

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    1. Da ich nicht über Ihre Bordellerfahrung verfüge, kann ich nicht beurteilen, wie einfach die Geschäftsanbahnung mit Prostituierten verläuft.

      Arbeitslose Menschen bedauere ich zutiefst und ich bin froh, ihr Schicksal nicht teilen zu müssen. Sie sollten auf Kosten dieser Menschen keine Witze machen.

      Herzliche Grüße von Ihrem Möbel-Herkules mit dem Werkzeugkasten

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  5. "Was suchste?" fragte ich den Penner am Altpapiercontainer. "Literatur?"

    "Nee. Wat zu lesen."

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    1. Und du hast geantwortet: "Dann kannst du mir die Krümel aus den Arschhaaren lesen."

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  6. Bin beim lesen deines blogstuff ("Der Literat schaut dem Menschen aufs Maul, der Prolet haut dem Menschen aufs Maul") auf die idee gekommen. Daher erst hier, und dann da. Sie verstehen. Danke.

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