Montag, 29. Februar 2016

Die Bedürfnispyramide

„Keine Staatsform bietet ein Bild hässlicherer Entartung, als wenn die Wohlhabendsten für die Besten gehalten werden.“ (Cicero)
Meine These: Je reicher wir sind, desto mehr verlangen wir.
Stellen wir uns die Gesellschaft schematisch in drei Schichten vor: Unter-, Mittel- und Oberschicht. Welche Bedürfnisse haben diese Schichten?
Unterschicht: Nahrung, Bekleidung, Unterkunft, Sicherheit, ärztliche Versorgung, d.h. elementare Bedürfnisse.
Mittelschicht: die elementaren Bedürfnisse werden quasi als naturgegeben angesehen, darüber hinaus gibt es weitere Bedürfnisse nach einer erfüllenden Arbeit und Karrierechancen, politischer Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft, Bildung, Unterhaltung/Medien, Gesundheitsvorsorge/Wellness, technischen Innovationen, Tourismus, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, einem Angebot an Konsumgütern, das über die Begriffe Nahrung und Bekleidung weit hinausgeht (Genussmittel, Mode, große Auswahl an Gütern und Dienstleistungen und die entsprechende Präsentation in schicken Einkaufszentren, bequemer Konsum via Internet und bargeldlosem Zahlungsverkehr usw.).
Oberschicht: die Bedürfnisse der Unter- und Mittelschicht werden quasi als naturgegeben angesehen, darüber hinaus gibt es weitere Bedürfnisse nach Macht, Einfluss, Profit, Investitionsmöglichkeiten, Ressourcen (Arbeitskräfte, Rohstoffe), Absatzmärkten, Luxusgütern und Innovationen in ganz anderen Maßstäben (Endziel: Unsterblichkeit durch medizinischen Fortschritt), Sicherheit nicht nur vor Kriminellen, sondern vor den Ansprüchen der unteren Schichten.
Je mehr wir wollen, umso schlimmer wird es.

Kurt Scheele: Der Mann, der das Gras wachsen hört, 1937 - Aus dem Archiv des Rechteinhabers Claus Scheele.
P.S.: Dieses Modell habe ich heute Nacht wirklich geträumt. Ich muss überraschend auf einer internationalen Tagung ein Statement abgeben und notiere es hastig mit Bleistift auf einen Zettel, kurz bevor mir der Tagungsleiter das Wort erteilt. Zum Glück ist mein Leben nach dem Aufwachen wesentlich entspannter.
P.P.S.: An der Spitze der Bedürfnispyramide finden wir Meister Tang vom Wolkenmondberg, ganz unten sind Leute wie Bill Gates und Warren Buffett.
The Style Council - Shout To The Top. https://www.youtube.com/watch?v=7m94ip38UKs

Dein Tag

29. Februar.
Normalerweise wäre heute ja der 1. März.
Was machen wir mit dem geschenkten Tag?
Sie sind doch nicht etwa arbeiten gegangen, oder?

Sonntag, 28. Februar 2016

Hello, Molly

Ein abgelehnter Musical-Entwurf, aber lesen Sie selbst:
Der eigenbrötlerische und geizige Bondy Anetti aus Bad Nauheim beschließt zu heiraten und sucht zu diesem Zwecke die Heiratsvermittlerin Molly Malone in Frankfurt auf. Er beauftragt seine beiden Gehilfen Malte Pralinski und Johnny Heinz, während seiner Abwesenheit auf die Bahnhofsbuchhandlung aufzupassen. Stattdessen beschließen die nichtsnutzigen Gehilfen aber, selbst nach Frankfurt zu fahren, um die große weite Welt zwischen dem Hauptbahnhof und der Zeil kennenzulernen. Nach einigen heiteren Begebenheiten, in denen das geplatzte Date von Mister Anetti, ein Hutgeschäft und Frankfurter Grüne Soße eine Rolle spielen, beschließen alle, sich wieder zu vertragen und diesen verrückten Tag für immer in guter Erinnerung zu behalten.
1. Akt, 1. Szene:
Malte Pralinski kommt ins Büro von Bondy Anetti. Er rennt durch eine endlos scheinende Reihe von goldverzierten Marmorsäulen, bis er am Thron des Geschäftsführers ankommt. Er wirft sich auf den Boden und schlägt die Stirn dreimal auf die dafür vorgesehene Stahlplatte.
„Diese wertlose Person bittet seinen Herrn um den Lohn der vergangenen zwei Monate.“
„So so“, murmelt Mister Anetti, ohne von seinem Kassenbuch aufzublicken.
„Du willst Geld? Elender Schuft! Welche Schlange habe ich an meinem Busen genährt?“
Und tatsächlich windet sich in diesem Augenblick eine rote Schlange aus dem Ärmel Anettis und zischt den Laufburschen böse an.
P.S.: Andy Bonetti war in Oxford. Für drei Pints. Fun Fact für Nicht-Akademiker: Pint ist der englische Ausdruck für Semester.
The Pretty Things – Baron Saturday. https://www.youtube.com/watch?v=AZyNaqg27dA

Regenblüten

„Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ (Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein)
Eigentlich wollten wir uns nur die neuen Handys ansehen und so gerieten wir in die große Ryan-Entführung. Sie haben sicher davon gelesen. Irgendeine militante Gruppe besetzte damals das gesamte Einkaufszentrum. Ich kann mich gar nicht mehr an ihre Forderungen erinnern. Sie nahmen zwanzig oder dreißig Geiseln und verschanzten sich im Erdgeschoss, nicht weit vom Eingang entfernt.
Sie behandelten uns sehr gut. Wir bekamen warme Decken und so viel zu essen, wie wir wollten. Es war ja auch genug da. Ich meine: wir waren in einem riesigen Einkaufszentrum, dem größten der ganzen Stadt. Am Nachmittag kam ein Kamerateam von draußen und die Entführer gaben eine Pressekonferenz, in der sie der Welt ihre Forderungen mitteilten.
Ein kleiner Mann redete, hinter ihm standen eine große junge Frau und ein großer junger Mann, die jeweils eine Geisel mit ihrem Gewehr bedrohten. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass die Frau sehr gut aussah, allerdings nicht im Profil. Ihre Nase war zu groß, aber wenn sie direkt mit ihrem ernsten und entschlossenen Gesicht in die Kamera schaute, mit ihrem Barett auf dem Kopf – dann sah sie fantastisch aus.
Wir saßen die ganze Zeit herum, aber später kamen irgendwelche Politiker. Ältere Herren in dunklen Anzügen, die sich mit uns unterhielten und uns fragten, wie es uns ginge. Eigentlich konnten wir uns nicht beklagen, aber wir hatten natürlich Angst, dass die Polizei das Einkaufszentrum stürmt und es eine blutige Schießerei gibt.
Nachts musste ich mal auf die Toilette. Ein Mann, der uns bewachte, gab mir die Erlaubnis zu den Toiletten zu gehen. Ich ging durch die Halle in einen hohen Gang und erreichte bald darauf eine Spielhalle. Hier saßen andere Geiseln, die an Automaten spielten. Ich hatte nur die Decke umgehängt und war barfuß. Irgendwie kam ich mit blöd vor, also ging ich zurück und zog mir meine Schuhe und meine Jacke an.
Ich ging wieder in die Spielhalle und fragte eine dunkelhaarige Frau, wo die Toiletten seien. Sie erklärte mir den Weg die Treppe hinunter. Ich ging durch ein riesiges Treppenhaus und kam auf eine Etage, die voller Leute war. Ich drängte mich durch eine Menge von Afrikanern, die alle das gleiche Kostüm trugen, einen langen buntgestreiften Kaftan. Dann kam ich durch eine Gruppe, die als Engel verkleidet waren. Es war ziemlich hektisch und jemand gab mir das Kostüm eines Hotelpagen.
Mit dieser Verkleidung kletterte ich auf eine Theaterbühne und ging nach hinten durch. Die Vorstellung solle gleich anfangen, sagte mir ein großer Mann mit einer Halbglatze. Er war der Regisseur. Er drückte mir ein Bündel Bargeld als Gage in die Hand und sagte, ich solle verschwinden, damit man beginnen könne. Ich verschwand durch die Kulisse und kam in eine leere Halle, von der große Treppen nach oben und nach unten führten.
Dort fand ich nach einiger Zeit einen Farbigen in einer Chauffeuruniform und fragte nach dem Weg zum Erdgeschoss, weil ich mich hoffnungslos verlaufen hatte. Er brachte mich zu einem Aufzug und sagte, ich solle mir nur ein Ziel aussuchen. Ich nahm das Geldbündel aus der Hosentasche und gab ihm einen Fünf-Euro-Schein als Trinkgeld.
Auf den großen bunten Knöpfen des Fahrstuhls standen Ortsnamen wie Detroit, New York oder Los Angeles. Dort konnte man unmöglich mit diesem Fahrstuhl hinkommen. Ich drückte einen Knopf und es blinkte auf dem ganzen Feld der Tastatur, dazu erklang eine fröhliche Melodie. Dann klopfte es von außen an die Glastür des Aufzugs. Ein paar angetrunkene junge Leute wollten auch mal in diesen Spaßfahrstuhl.
Ich stieg aus und ging weiter. Eine Treppe hinauf. Einen Gang entlang. Dann fand ich schließlich einen Ausgang. Ich stand auf dem Bürgersteig und dachte, ich würde den Haupteingang wenigstens von der Straße aus finden. Also ging ich am Einkaufszentrum entlang. Aber die Front von Ryan-Themenrestaurants und Ryan-Shops nahm kein Ende. Ich bog um die Ecke und wieder kam ein Ryan-Laden nach dem anderen. Selbst auf der anderen Straßenseite Ryan, Ryan, Ryan.
Und da wusste ich, dass ich dich nie wieder sehe.
Das war die große Entführung im Ryan-Einkaufszentrum. Es ist schon lange her, aber Sie haben sicher davon gehört. Ich weiß gar nicht, wie sie ausgegangen ist.
P.S.: Es gibt natürlich keine Regenblüten – und diese Geschichte habe ich nur geträumt.
Pink Floyd - Grantchester Meadows. https://www.youtube.com/watch?v=KUZimqkCsXw

Samstag, 27. Februar 2016

On the road

„Mich hammse inner leeren Capri-Sonne-Tüte auf‘m Mittelstreifen vonner Autobahn großgezogen, also erzähl mir nix von Street Credibility.“ (Heinz Pralinski)
Habe ich schon die Geschichte erzählt, warum ich nicht mehr Auto fahre? Das kam so: Als junger Mensch habe ich, wie alle anderen, den Führerschein gemacht. Obwohl ich viel gefahren bin – mein erster Wagen war ein postgelber Alfa Romeo Alfasud (Spitzname: „Die fliegende Telefonzelle“, nachdem ich mit 140 km/h einen offiziellen innerstädtischen Rekord aufgestellt hatte) - und einige Jahre als „Pee-Driver“ für ein Großlabor gearbeitet habe, war ich nie ein guter Fahrer. Ein Tramper sagte mal beim Aussteigen: „Du fährst mit dem Glück des Gerechten“.
Als ich nach Berlin kam, heuerte ich beim Stadtmagazin „zitty“ als Fahrer an. Als Autor habe ich es nur bis in die Kleinanzeigen gebracht. Dazu vielleicht später mehr. Ich habe im Südwesten Berlins, Wilmersdorf, Steglitz, Schöneberg, Zehlendorf usw., die „zitty“ in Kneipen und Kinos gebracht. Und die renitenten Remittenten wieder mitgenommen. Eines schönen Abends beende ich meine Tour und kaufe mir an einer Tanke ein Sixpack für den Feierabend. Ich muss nur noch die Bundesallee entlangbrettern und an der Ecke Hohenzollerndamm rechts abbiegen, dann bin ich zu Hause.
Die Ampel springt von Grün auf Gelb. Ich mache das, was alle Fahrer in dieser Situation machen: Ich gebe Gas. Ich war vorher schon mit mindestens siebzig auf der sechsspurigen Verkehrsachse unterwegs, jetzt gebe ich meinem Kriegspony die Sporen. Die Ampel ist bereits latent rot, als ich mit einem erleichterten Grinsen vorüberfliege. Womit ich nicht gerechnet habe, ist die Verkehrsinsel. Da hat jemand eine Kirche gebaut. Mitten auf der Straße! Und das mir, dem Agnostiker …
Ungebremst bohrt sich mein Sportgerät (Spitzname: „Millenium Falke“) wie eine abstürzende Messerschmitt Me 262 in die vorgelagerte Grünfläche des Friedrich-Wilhelm-Platzes. Beim Einschlag wird die Vorderachse abgerissen und der Motorblock sauber vom Getriebe getrennt. Wer baut hüfthohe Bordsteinkanten an dieser Straße? Die Gilde der Reparaturwerkstätten? In meinem Größenwahn versuche ich, den Wagen wieder zu starten. Aber er schweigt. Für immer.
Aus der gegenüberliegenden Pizzeria kommen zwei Kellner angelaufen. Sie haben weiße Schürzen umgebunden und erinnern mich an Krankenschwestern. Sie fragen, ob mir etwas passiert sei. Ich steige ganz souverän aus und nehme das Sixpack aus dem Fußraum, das wie durch ein Wunder unverletzt geblieben ist. Ich folge den beiden Italienern ins Lokal. In der Küche darf ich telefonieren. Wir schreiben das Jahr 1994 – das Analogzeitalter. Mit Blick auf mein Sixpack geben sie mir den guten Rat, doch gleich einen Abschleppdienst anzurufen und nicht die Polizei.
Fünfzehn Minuten und einen Grappa später steht ein freundlicher Türke vor mir, der den Wagen abholt. Wir vereinbaren, dass mich das Abschleppen nichts kostet und er den Golf ausschlachten darf. Ich bekomme die Nummernschilder und einen festen Händedruck. Das ist das Ende meiner Karriere bei der „zitty“ und als Kraftfahrer. Zum Glück kamen die Bullen nicht. Dieser Unfall hat nie stattgefunden, capisce? „Tutto questo è passato sotto silenzio, non è stato riferito“, hätten die Kellner vermutlich gesagt.
P.S.: Ich habe mal eine Kleinanzeige in der „zitty“ geschaltet (so nannte man das früher, liebe Kinder). Ich suchte Frauen, die für mich kochen. Kein Sex – und ich bringe den Wein mit. Heute würde man mit einer solchen Kleinanzeige einen feministischen Shitstorm auslösen. Aber damals meldeten sich tatsächlich drei Frauen. Zu zwei Abendessen ist es gekommen. Sehr nett, ohne Hintergedanken, nur den lukullischen Genüssen gewidmet. Eine der beiden Frauen war eine rothaarige magersüchtige Balletttänzerin, die bereits gekocht hatte, als ich bei ihr ankam, und nicht mitessen wollte. Im Nachhinein dachte ich: Sie hätte mich auch vergiften können. Aber ich habe beim Essen nicht nachgedacht. Ich habe als Kind auch auf der Straße gespielt und alles ist gutgegangen (und ich habe buchstäblich auf der Straße gespielt, ich saß dort bei schönem Wetter alleine mit meinen Plastikfiguren auf dem Asphalt als wäre es mein Kinderzimmer … - was für eine verrückte Welt).
Ultravox - All Stood Still. https://www.youtube.com/watch?v=mW9ImnTL2jk

Freitag, 26. Februar 2016

15. Vertreibungsleiterkonferenz in Bad Nauheim! Jetzt mit noch mehr CSU!


Mein halber Teelöffel Senf zum Thema Rechtsradikalismus

„Eine Gesellschaft, in der BEHINDERT, SCHWUL und GUTMENSCH als Schimpfwörter funktionieren, hat ein Problem.“ (Barbara)
„Sachsen ist ein bisschen wie Mallorca. Alle permanent besoffen und je länger man dort ist, desto brauner wird man.“ (Jan Böhmermann)
Die Bilder wiederholen sich: Kriegsflüchtlinge werden in Sachsen einquartiert und ein Haufen rechtsradikaler Schreihälse rottet sich zusammen, um das zu verhindern.
Es wundert mich, dass die Polizei dem Treiben jedes Mal zuschaut und nicht einschreitet. Ich stelle mir vor, in Clausnitz hätten nicht Flüchtlinge, sondern CDU-Bundestagsabgeordnete, die Mannschaft des FC Bayern München oder der Vorstand von Siemens im Bus gesessen. Und ich stelle mir ferner vor, die grölende Menge vor dem Bus wären Leute von der Antifa, dem schwarzen Block oder andere Linke gewesen. Dann wäre die Polizei doch sofort mit Wasserwerfern und Reizgas vorgegangen, oder? Wir hätten garantiert die Knüppelgarde des sächsischen Innenministers im Einsatz gesehen.
Die Rechtsradikalen rufen immer „Wir sind das Volk“. Es ist eine Art Mantra. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert waren das die magischen Worte, buchstäblich das „Sesam, öffne dich!“ der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Mit dieser Formel wurde das SED-Regime zum Einsturz gebracht. Und jetzt glauben die Ostdeutschen wieder, dass die alte Parole ihre Zauberkraft entfaltet. „Wir sind das Volk“ – das könnte doch jeder Mensch auf der Welt sagen. Der Satz hat genauso viel Aussagekraft wie „Ich mag Pommes frites“.
Noch ein dritter Gedanke: Wenn die Rechtsradikalen die Deutschen für ein überlegenes Volk halten, wovor haben sie dann Angst? Wer beim Anblick des ersten Turbans vom eigenen Untergang deliriert, hat offenbar kein großes Selbstbewusstsein.
Ich glaube ja, die Leute in Sachsen und anderswo wollen radikal sein. Sie suchen nicht das Gespräch. Es ist schick, eine radikale Haltung einzunehmen. „Die Mitte“, der Kompromiss, der moderate Auftritt, das Abwägen von Pro und Contra – das war gestern, das ist langweilig. Interessanterweise ticken die islamistischen Radikalinskis wie die Neonazis. Folgendes Zitat fand ich sehr erhellend:
„Es hilft nichts, ihnen einen ‚moderaten Islam‘ anzubieten, es ist ja gerade per se die Radikalität, die sie anzieht. Der Salafismus ist nicht nur eine Frage von aus Saudi-Arabien finanzierten Predigten, sondern ist genau das Produkt, das diesen Jugendlichen, die alle Brücken hinter sich abgebrochen haben, zusagt. (…) Die Gewalt, der sie sich verschreiben, ist eine moderne Gewalt, sie töten wie die Amokläufer in Amerika oder wie Breivik in Norwegen, kaltblütig und ruhig. Nihilismus und Hochmut gehen hier eine tiefe Verbindung ein. (…) Was die Konvertiten angeht, sie wählen den Islam, weil es nur das auf dem Markt der radikalen Revolte gibt. Dem Islamischen Staat beizutreten garantiert ihnen die Gewissheit, Grauen einzuflößen.“ (Oliver Roy)
Auf beiden Seiten herrscht die pure Lust an der Eskalation. Die Verhältnisse müssen umgestürzt werden, auch wenn man nur eine vage Vorstellung von einer Zukunft nach der Revolte hat. Es erinnert ein wenig an die Straßenkämpfe von Nazis und Kommunisten in der Weimarer Republik.
BAP – Kristallnaach. https://www.youtube.com/watch?v=Q1zg7fhSk_Y

Donnerstag, 25. Februar 2016

Liebe Flüchtlinge! Kommt nach Deutschland!

Tatort Bagdad

In zwei Schritten vom ARD-Tatort zur aktuellen Kriegszone:
Hansjörg Felmy war von 1974 bis 1980 der Tatort-Kommissar Haferkamp in Essen. Sein Vater Hellmuth Felmy war General der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und befehligte die Luftangriffe im Polenfeldzug. Er leitete auch den „Sonderstab F“, die deutsche Militärmission im Irak. Deutsche Kampfflugzeuge flogen – mit Zwischenlandung in Damaskus (Syrien) – nach Bagdad, um den Aufstand der Iraker gegen die britische Kolonialmacht zu unterstützen. Die Briten schlugen den Aufstand allerdings im Mai 1941 nieder.
Der Irak ist übrigens ein Kunstgebilde, das der britische Kolonialminister Winston Churchill 1921 „erfunden“ hat. Drei völlig unterschiedliche Provinzen (Bagdad, Mossul, Basra) des Osmanischen Reiches wurden zu einem Land zusammengefügt, das längst wieder zerbrochen ist. Sunniten und Schiiten, Kurden und Araber, die Städte an den großen Flüssen (darunter die alte Kalifenstadt Bagdad, größer als Paris oder New York) und die Stämme des Hinterlandes – nur Kriege und Diktaturen hielten das Kunstgebilde zusammen. Und dann kam George W. Bush.
Was wurde eigentlich aus Hellmuth Felmy? Er wurde als Kriegsverbrecher 1948 in Nürnberg wegen den von ihm angeordneten Erschießungen von Geiseln in Griechenland zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt. Bereits 1951 aus der Haft entlassen leitete er in Darmstadt die Kameradschaft „Alte Adler“ und verfolgte die Filmkarriere seines Sohns, der in vielen Edgar-Wallace-Filmen als Inspektor auftrat, aber auch in internationalen Produktionen wie Hitchchocks „Der zerrissene Vorhang“ mitwirkte.
Tom Jones & The Rascals - In The Midnight Hour. https://www.youtube.com/watch?v=WH0XJXDX4d4

Blogstuff 29

„Heinz Pralinski, dieses olfaktorische Genie, das über drei Oktaven furzen konnte.“ (Andy Bonetti)
Peter Lustig ist tot. Klingt komisch, ist aber so.
Es gibt in der Politik eine Art Paleo-Diät: CSU, AfD, NPD und ihr mit Mistgabeln bewaffneter Arm Pegida.
„Wir können bestätigen, dass Adolf Hitler nur ein Ei hatte. Aber wir können nicht bestätigen, dass die sowjetischen Streitkräfte mit diesem Ei Badminton gespielt haben.“ (AFN)
Andy Bonetti ist stets à la mode gekleidet. Derzeit trägt er eine betont lässige Karl Lagerfeld-Jogginghose mit goldener Bordüre, eine Hausjacke aus Alpaka-Wolle, die nach dem Muster des Macduff-Clans gestaltet ist und einen Borsalino, den er auch im Haus nicht abnimmt.
Hätten Sie’s gewusst? Lakritze wurde 1853 von Jean-Yves de la Crizé in Nancy erfunden. Und da es sich um eine schwarze Süßigkeit handelt, war es bis zur Ära Gorbatschow für Kommunisten verboten, Lakritze zu essen. Berühmte Zitate: "Wer zu spät kommt, kriegt keine Lakritze mehr" und „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“
Hätten Sie’s gewusst? Heinz Pralinski hat in seinen Jugendjahren als humoristischer Zeichner in den Bars von Bad Nauheim gearbeitet.
„The most exciting places of motherfucking Frohnau – der etwas andere Berlin-Führer“
1966 wurde nicht nur Andy Bonettis Alter Ego Matthias Eberling geboren, auch „Fahrenheit 451“, ein dystopischer Science-Fiction-Film des Regisseurs François Truffaut kam vor fünfzig Jahren in die Kinos. Ebenso wie „Die phantastische Reise“, eine SF-Reise ins Körperinnere, und „Pan Tau – das erste Abenteuer“. Zwei Tage vor seiner Geburt hatte die Westernkomödie „Höchster Einsatz in Laredo“ am 12.8.1966 in den deutschen Kinos Premiere.
Folgende Fernsehserien wurden 1966 zum ersten Mal ausgestrahlt: „Flipper“ (1.1.), „Familie Feuerstein“ (1.7.), „Raumschiff Orion“ (17.9.), „Mit Schirme, Charme und Melone“ (8.11.). In den USA feierte „Star Trek“ am 8.9. Premiere.
„Strangers in the Night“ von Frank Sinatra war zum Zeitpunkt seiner Geburt der Nr. 1-Hit in Deutschland.
„Every German is a ticket to paradise” – Motto der Partneragentur “Pad Thai” in Bangkok.
Gerücht: Der „Sonderfilmtrupp Riefenstahl“ soll den Einsatz der Kriegsdschunken von Flinten-Uschi gegen die Flüchtlinge in der Ägäis filmen. Schon die Bilder des SR vom Polenfeldzug 1939 waren unvergesslich.
Nach der Apokalypse: Andy Bonetti irrt durch die Trümmer einer völlig zerstörten Welt. Er trifft auf eine Kreatur des Grauens … Demnächst in einem Lichtspielhaus ganz in Ihrer Nähe: Die surreale Farce “Bonetti hinter den Spiegeln“. Unbedingt Karten reservieren! Sie zahlen nur für eine mittlere Portion Popcorn und erhalten eine große! Der beste Bonetti aller Zeiten!
Ich war mal mit einer Freundin in Kreuzberg Steak essen. Und während sie aß, hing der Kleene die ganze Zeit am Saugstutzen (bauarbeiterdaumengroßer feuerroter Nippel, alter Finne!) und wir unterhielten uns angeregt. Da bleibe ich ganz locker. Ich find's schlimmer, wenn ich jemanden popeln sehe, während ich esse.
Es gibt zwei Sorten von Lobbyisten: Die einen tun es für Geld, die anderen aus Überzeugung. Inzwischen sind mir die käuflichen Lobbyisten lieber, denn sie haben irgendwann auch mal Feierabend. Aber die Überzeugungstäter können einfach nicht aufhören. Ich kann mir nicht vorstellen, mit einem Menschen ein Bier trinken zu gehen, der vom Genderismus, Veganismus, Lookismus (habe ich gerade gelernt – wer mich also nochmal wegen meiner Wampe hänselt, bekommt die volle Wucht meiner Moralkeule zu spüren) oder einem anderen Ismus befallen ist. Da bringt man am besten gleich seinen Rechtsanwalt mit, weil eine einzige missverständliche Formulierung einen Empörungstsunami auslösen kann.
Erasure - A Little Respect. https://www.youtube.com/watch?v=RO30UxZG4Vo

Sagenwelt 2016

Sie kennen die Spinne in der Yucca-Palme? Here we go:
In Ingelheim kommt ein Mann in die Tiefgarage des Einkaufszentrums „Neue Mitte“ und packt seine Einkäufe in den Kofferraum. Er geht zum Automaten, um zu bezahlen. Den Wagen schließt er nicht mehr ab. Als er zurückkommt, sitzen drei Asylanten in seinem Auto. Sie bitten ihn, sie zum Asylantenheim zu fahren. Er weigert sich und bittet sie auszusteigen. Sie bleiben sitzen, der Mann ruft die Polizei. Der herbeigerufene Polizeibeamte sagt zum Fahrzeughalter, er solle sich doch bitte nicht so anstellen und die Asylanten chauffieren.
Zweite Sage: Der Aldi in der Nähe des Asylantenheims habe einen hohen Verlust durch Diebstahl, die Filiale stünde deswegen kurz vor der Schließung. Die Stadtverwaltung Ingelheim würde den entstandenen Verlust ausgleichen, wenn das Unternehmen die Vorfälle diskret behandelt. Daher findet sich dazu auch nichts in den Medien.
Sagenwelt der neunziger Jahre: Ein Kunde verlässt den Walmart am Nahering und geht zu seinem Auto. Er sieht einige Personen an seinem Fahrzeug, die weglaufen, als er sich nähert. Als er vor seinem Wagen steht, sieht er, dass bereits polnische Nummernschilder angeschraubt sind.
Und was ist bei Ihnen los?
Donovan - Hurdy Gurdy Man. https://www.youtube.com/watch?v=dHV8Wzldlck

Mittwoch, 24. Februar 2016

Der menschenfeindliche Perfektionismus in Deutschland

„Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen.“ (Franz Werfel)
Ende der neunziger Jahre habe ich in einem Forschungsprojekt gearbeitet, in dem es um die „Zukunft der Arbeit“ in Deutschland ging. Wir waren, ohne Sherpas, zu dritt, es waren etwa hundert Experteninterviews in sechs Städten zu bewältigen, die jeweils zwischen ein und zwei Stunden gedauert haben (dies nur an die Adresse von Leuten, die heute fünf Fragen übers Internet verschicken und dann behaupten, ein Interview geführt zu haben; oder Leute, die vorgestanzte Fragebögen an andere Blogger schicken, mit der Bitte, sie doch nach Beantwortung an die nächsten zehn Blogger weiterzusenden – ich kannte das schon als Kind, wir nannten es Kettenbrief und weigerten uns, den Blödsinn mitzumachen).
Ich war also viel unterwegs, in Hamburg, München und Wien. Und ich weiß gar nicht mehr, von wem ich den Spruch gehört habe, aber er ist mir bis heute im Ohr geblieben. „Jeder Kaufmann rechnet mit drei Prozent Schwund.“ Es gibt Ladendiebstahl, Diebstahl durch Angestellte, Ware, die kaputt geht („Bruch“), abgelaufene Ware. Du bekommst eigentlich nie hundert Prozent verkauft – es sei denn, du hast einen Applestore in Hollywood. Drei Prozent Schwund. Das kennen wir aus unserem Leben und sagen: „Stimmt!“ Es läuft nicht alles hundertprozentig und wenn es zu 97 Prozent gelaufen ist, sind wir zufrieden. Und so ist es auch mit dem Arbeitsmarkt.
Selbst wenn es jetzt hart klingen mag, aber drei Prozent auf dem Arbeitsmarkt sind nicht integrierbar. Die wollen auch gar nicht integriert werden, die finden das gut so. Und damit meine ich gar nicht die vielbeschworenen Ausländer, Flüchtlinge usw., sondern explizit die Bio-Deutschen. Wir haben hier in Schweppenhausen eine typische Familie, an deren Beispiel ich Ihnen alles erklären kann: Nach dem Tod des Familienoberhaupts haben die Ehefrau und die drei Kinder (inklusive sieben Enkelkindern) komplett Hartz IV beantragt.
Diese Leute haben nach eigener Auskunft gar kein Interesse mehr an Arbeit, solche Mitarbeiter will in unserem Landkreis auch keiner mehr haben. Der jüngste Sohn hat Sonderschulabschluss und wurde nach der Probezeit als Hilfsarbeiter bei „Staples“ im Lager nicht übernommen. Es wird in Deutschland nie Vollbeschäftigung geben, weil es immer Menschen wie „Mike“ geben wird, der übrigens nach seiner Entlassung eine andere Hartz IV-abhängige Sonderschülerin mit Kind geheiratet hat, mit der er inzwischen ein weiteres Kind gezeugt hat.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Hartz IV ist das Existenzminimum. Und jede Kürzung ist in meinen Augen ein Verbrechen. Aber wir müssen lernen, solche Lebensentwürfe zu akzeptieren. Diese Menschen bleiben dem kapitalistischen System immerhin als Konsument erhalten – und das ist nicht wenig, denn es bietet uns den Ausblick auf unsere Zukunft. Ein zunehmender Prozentsatz der Deutschen wird als Konsument seinen Dienst am Staat tun (Rentner v.a.) und nicht mehr als produktive Arbeitskraft.
Es kann keine hundert Prozent geben. Das ist eine deutsche Obsession. Es gibt keine Vollbeschäftigung. Wir müssen lernen, den Schwund zu akzeptieren. Lasst die Verlierer in Frieden – wer es heute noch von ganz unten nach oben schafft, ist ohnehin eine hartnäckige Ratte oder ein hinterhältiger Intrigant. Ansonsten reproduziert sich die Führungsebene wie zu allen Zeiten biologisch selbst – und nicht über Leistung und Intelligenz.
P.S.: Nach dem Tod des Familienoberhaupts – Leberzirrhose war die Ursache – mussten die Hinterbliebenen das Erbe ausschlagen, da sie nur Schulden geerbt hätten. Das Haus steht aktuell zum Verkauf – ob die vom Besitzer (örtliche Sparkasse) anvisierten 130.000 Euro für einen unverputzten Dorfbunker zu erzielen sind, um den vom ersten Tag an hüfthoch das Unkraut wucherte, bleibt offen. Die Hinterbliebenen haben das Haus jedenfalls längst verlassen, als seien sie auf der Flucht. Durch das Küchenfenster konnte man monatelang die Pfanne sehen, die bis zum Schluss auf dem Herd stehengeblieben ist. Noch nicht einmal die Katze wollten sie mitnehmen, ein Bekannter von mir rettete sie vor dem Tierheim.
Martha & the Vandellas – Heatwave. https://www.youtube.com/watch?v=XE2fnYpwrng

Dienstag, 23. Februar 2016

Denton Welch

„Es ist durchaus möglich, überwältigend wahrscheinlich, könnte man vermuten, dass wir über das Leben und die Persönlichkeiten von Menschen stets mehr aus Romanen lernen werden, als von der wissenschaftlichen Psychologie.“ (Noam Chomsky)
Am Pfingstsonntag des Jahres 1935 beschließt der zwanzigjährige Kunststudent Denton Welch, seinen Onkel in Surrey zu besuchen. Der wolkenlose Himmel verspricht einen schönen Tag, und Denton wirft nur schnell ein paar Sachen in seine Reisetasche. Das möblierte Zimmer in Crown’s Nill am Rande Londons, in dem er seit einem Jahr wohnt, ödet ihn unsagbar an.
Während er die Treppenstufen hinunterspringt, ist er in Gedanken schon in dem kleinen Landpfarrhaus. Vor dem Haus steht sein Fahrrad, hastig klemmt er die Tasche auf den Gepäckträger. Ohne sich noch einmal umzudrehen, fährt er los. Hätte er in diesem Augenblick gewusst, dass er das Haus nie wieder sehen würde, wäre der Abschied von seiner „Bude“ sicher herzlicher ausgefallen.
Fahrt ins Verhängnis
Wenn ich mich beeile, schaffe ich es bis zum Tee, denkt Denton, als er sein Rad schnaufend die steile Straße zum Blackheath hinauf schieben muss. Der Wind weht stark und drückt das Gras platt auf die Erde. Bald liegt die Heidelandschaft der North Downs vor ihm und er lässt mühelos die Hügel um Lewisham und Catford hinter sich.
Er ist angenehm überrascht, mit den Autos und den Verkehrsampeln so gut zurechtzukommen, da er nur selten mit dem Fahrrad fährt und den Straßenverkehr nicht gewöhnt ist. Wenn eine Ampel auf Rot ist, macht er es den anderen Radfahrern nach und schlängelt sich zwischen den wartenden Lastwagen und Bussen nach vorne durch.
In der Nähe von Beckenham legt Denton eine Rast ein. Es ist früher Nachmittag, und er trinkt einen Kaffee in der Nähe des Golfplatzes. Während er den blassen Gestalten auf dem Rasen zusieht, denkt er voll Freude an die vor ihm liegenden Pfingstferien und das Bild, an dem er gerade arbeitet.
Hitzedunst flimmert auf dem Asphalt, als er weiterfährt. Autos und Lastwagen rasen an ihm vorbei. Die Straße ist breit und schnurgerade, Denton hält sich dicht am Straßenrand und achtet nicht weiter auf den Verkehr.
Wo bin ich?
Durch einen Nebel von Schmerzen und Übelkeit hört er eine Stimme, aber er kann nichts verstehen. Ein Polizist beugt sich über ihn. Vergeblich versucht Denton sich zu bewegen, alles dreht sich um ihn, der Himmel, die fassungslosen Gesichter – schließlich verliert er das Bewusstsein.
Als er wieder erwacht, liegt er in einem Bett. Ein grüner Wandschirm verstellt die Sicht, er ist allein. Sein Körper ist eine einzige große Wunde, das Gewicht der Bettdecke bereitet ihm starke Schmerzen. Endlich kommen zwei Krankenschwestern. Er möchte sie fragen, was passiert ist, doch es kommen nur einige verquollene Töne aus seinem Mund. Er denkt: Wie sollen meine Verwandten mich hier finden? Wie kann ich mich verständlich machen? Ihm wird wieder schwarz vor Augen.
Als er erwacht, hält jemand seine Hand. Verschwommen erkennt er das Gesicht seiner Tante. Zum ersten Mal seit seinem Unfall versucht er zu lächeln.
Der Kampf gegen das Schicksal
Denton Welch kam 1915 als Sohn eines englischen Regierungsbeamten in Shanghai zur Welt. Seine Mutter starb, als er zwölf Jahre alt war. Wie seine Brüder musste er mit vierzehn Jahren ins Internat, aus dem er aber zwei Jahre später weglief. Seine Familie überredete ihn zwar zu einem weiteren Jahr Schule, dann schrieb er sich jedoch – nach einem mehrmonatigen Aufenthalt bei seinem Vater in China – mit achtzehn Jahren an einer Londoner Kunsthochschule ein. Er wollte Maler werden.
Als Denton am nächsten Morgen gewaschen wird, sieht er zum ersten Mal seine Verletzungen: sein Körper ist übersäht mit Schnittwunden, die Beine sind geschient und stark geschwollen, außerdem ist ein Rückenwirbel angebrochen. Am nächsten Tag wirft er einen Blick in den Taschenspiegel einer Kommilitonin, die ihn besucht. Violette Schwellungen und Platzwunden entstellen sein Gesicht. Er ist zunächst entsetzt, doch dann siegt ein Gefühl des Trotzes. Er nimmt sich vor, in ein oder zwei Wochen wieder auf den Beinen zu sein.
Als ihn sein ältester Bruder besucht, erfährt er endlich, was passiert ist. Eine Frau hatte ihn mit ihrem Wagen überfahren. Es herrschte gerade wenig Verkehr, und außer der unglaublichen Achtlosigkeit der Fahrerin gab es keinen Grund für den Unfall. Die anstehende Gerichtsverhandlung interessiert Denton überhaupt nicht. Sein einziger Wunsch ist es, wieder gesund zu werden.
Ein Jahr vergeht
Zähflüssig tropfen die einzelnen Tage für den lebenslustigen Jungen dahin, der den Spitznamen „Punky“ trägt. Kranke kommen und gehen in dem großen Zwölfbettzimmer, einige sterben. Aus der bedrückenden Atmosphäre flüchtet er sich in endlose Tagträumereien und Erinnerungen, seine Phantasie hilft ihm gegen die Anonymität des Kliniklebens.
Anfang Juli wird er in einem Ambulanzwagen in ein besseres Krankenhaus gebracht, doch er fühlt sich weiter wie ein Häftling, der bloß das Gefängnis wechselt. Er hasst dieses Leben, und aus seiner Abscheu wächst der Wille, wieder auf die Beine zu kommen.
Es wird Herbst, und Denton kann den herabfallenden Platanenblättern auf der Straße zusehen. Dann kommen Pfleger und wollen ihn zum ersten Mal in einen Rollstuhl setzen. Als er auf die Beine gestellt wird und das Blut hineinschießt, denkt er, sie müssen platzen. Aber er beißt die Zähne zusammen und setzt sich hinein.
Jeden Tag sitzt er nun am Fenster. Er gewöhnt sich trotz der Rückenschmerzen an die ungewohnte Haltung, und bald fährt er schon allein durch die Gänge. Fünf Monate nach seinem Unfall wird er gewogen – ganze 32 Kilogramm bringt er noch auf die Waage.
Eines Abends, als Denton wieder im Bett liegt, dringt Qualm ins Zimmer. Jäh wird er sich seiner hilflosen Lage bewusst. Wie soll er dem Feuer entkommen? Er schreit mit den Anderen um Hilfe, der Qualm wird dicker. Schließlich kommt ein Pfleger und beruhigt alle. Nur ein verstopfter Schornstein, doch der Schock sitzt tief.
Die Suche nach einer neuen Heimat
Denton schreibt seinem Bruder einen heftigen Brief und bittet die Verwandtschaft, ihm bei der Entlassung aus dem Krankenhaus zu helfen. Weitere Wochen vergehen, in denen er verbissen seine Beine trainiert. Er kann inzwischen alleine aufstehen und einige Schritte mit Krücken gehen. Er kämpft buchstäblich um Zentimeter. Dann ist es soweit: ein Krankenwagen bringt ihn in ein Pflegeheim in der Nähe von Canterbury. Sein Onkel wohnt im gleichen Ort. Zum ersten Mal hat Denton ein Zimmer für sich allein. Er ist überglücklich.
Ungestört kann er Freunde und Verwandte empfangen. Ein Schulkamerad bringt ihm seine Staffelei mit, und Denton beginnt, neue Bilder zu malen. Doch es ist nicht mehr wie früher. Die Kindheitserinnerungen und Phantasiewelten seiner Krankenhauszeit verlangen eine andere Art der Darstellung. Er schreibt Erzählungen, in denen die Schrecken des vergangenen Jahres keinen Platz mehr haben.
Tagsüber macht er mit einer Krankenschwester Spaziergänge, er bekommt regelmäßig Massagen. Als der Winter vorbei ist, kann er alleine laufen. Doch er muss sich damit abfinden, sein Leben lang ein Krüppel zu bleiben. Schon nach wenigen Schritten sind seine Beine erschöpft, und er muss immer noch den halben Tag im Bett verbringen. Hinzu kommen periodisch auftretende Kopfschmerzen. Er wird nie mehr auch nur einen Tag wie seine Freunde leben können.
Das neue Leben
Im Frühjahr 1936 beschließt er, das Pflegeheim zu verlassen. Mit seiner ehemaligen Haushälterin Miss Hellier zieht er in ein kleines Häuschen am Ortsrand von Tonbridge. Er lebt hier bis 1943 und schreibt seine Bücher „Die Freuden der Jugend“ und „Jungfernfahrt“. Es sind frische, unverbrauchte Romane, die durch ihre originelle Sprache bestechen. Er beschreibt alltägliche Dinge, die jeder kennt, und verleiht ihnen eine magische Wirkung. Seine Vergleiche sind verblüffend: „Im Staub des Feldwegs bildeten seine Tränen feuchte Klümpchen wie Tropfen heißer Schokolade“ oder „Die Brotscheiben kamen mit breiten verkohlten Striemen aus dem Toaster, als habe sie ein Schornsteinfeger in der Hand gehabt“.
Das chronische Nervenleiden, heimtückisches Überbleibsel des Unfalls, behindert in mehr und mehr. Er zieht nach Wrotham und arbeitet wieder an seinem Roman „Schicksal“, den er zwei Jahre zuvor begonnen, dann aber zurückgestellt hatte, um die Kurzgeschichtensammlung „Tapfer und grausam“ zu schreiben. Jetzt allerdings sagt er, er habe das Gefühl, nicht mehr viel Zeit zu haben.
Der Tod
Noch im Sommer 1948, lange nachdem die meisten Menschen in seinem Zustand sich damit abgefunden hätten, ein Dasein als Invalide zu fristen, gelingt es ihm Dank seiner enormen Willenskraft, während der immer kürzeren Phasen zwischen den Krisen seiner Krankheit ein normales und sogar arbeitsreiches Leben zu führen.
Dann wird das Leiden selbst für ihn zu schwer. Während der letzten Monate bekommt er Morphiumspritzen, um die ständigen Schmerzen zu lindern. Trotzdem zwingt er sich, weiter zu schreiben, obwohl er davon hohe Temperatur bekommt und mit einer Binde über den Augen regungslos auf seinem Bett liegen muss, bis er sich wieder ein wenig erholt hat. Zuletzt kann er nur noch drei oder vier Minuten am Stück arbeiten, dann bekommt er entsetzliche Kopfschmerzen und sieht vorübergehend nichts mehr.
Die Komplikationen häufen sich, seine linke Herzkammer beginnt zu versagen. Doch er unternimmt immer noch große Anstrengungen, um das Buch zu Ende zu bringen. Fast wäre es ihm auch gelungen. Was immer er am Ende von „Schicksal“ gehofft haben mag – der Tod lässt ihn es nicht mehr aussprechen. Der letzte Satz bleibt unvollendet: „Jetzt, da ich dies schreibe, wünschte ich, ich könnte …“.
Nach dreizehnjähriger Leidenszeit stirbt Denton Welch am 30. Dezember 1948 im Alter von 33 Jahren.
Der Schriftsteller und Literaturprofessor William S. Burroughs schrieb: „So oft mir einer meiner Studenten sagt, er wisse nicht, worüber er schreiben solle, gebe ich ihm den dringenden Rat, einmal Denton Welch zu lesen. Es ist an der Zeit, dass Denton endlich die verdiente Anerkennung findet.“
P.S.: Diesen Text habe ich im September 1987 geschrieben.
Genesis – Undertow. https://www.youtube.com/watch?v=BOd6wYKKB9o

Montag, 22. Februar 2016

Lang lebe der große Architekt des Bonettismus!

Der Schwachsinn feiert Jubiläum

Vor einem Jahr, im Februar 2015, hat Sigmar Gabriel dem STERN ein denkwürdiges Interview gegeben. Ich zitiere:
„Es gibt ein demokratisches Recht darauf, rechts zu sein oder deutschnational. Sogar ein Recht, Dummheiten zu verbreiten wie die angebliche Islamisierung Deutschlands.“
http://www.stern.de/politik/deutschland/spd-chef-gabriel-im-stern-interview-zu-pegida---es-gibt-ein-recht-darauf--deutschnational-zu-sein--3974978.html
Seither hat sich die Zahl der rechtsradikalen Wähler vervierfacht.

No country for old men

"Wir sind keine Generation, sondern nur eine Marketing-Zielgruppe." (Will Varley)
Die beruflichen Perspektiven alter Männer, die sich für Schriftsteller halten, sind alles andere als rosig. Machen wir uns nichts vor: In den Hurra-Meldungen von der Wirtschaftsfront, die Vize-Kanzler Gabriel in den Reichtstag brüllt, kommen Typen wie ich nicht vor. Und die Leute, die solche Parolen voller Pathos und pathologischem Pomp für Konzernbosse und Berufspolitiker schreiben, sind wesentlich jünger und zynischer als ich.
In meiner Mailbox landen regelmäßig Stellenangebote via Stepstone. Diesen Service habe ich vor zehn Jahren – vermutlich unter dem Einfluss einer Politikerrede oder aber harter Drogen – mal eingerichtet. Jetzt, da ich fünfzig werde und alle Hoffnung fahren gelassen habe wie einen nassen Furz, bin ich zu müde, zu faul und technisch nicht versiert genug, um es wieder abzubestellen. Hier kommt täglich so viel Spam an, das ich es längst aufgegeben habe, zwischen nigerianischen Millionenerben, russischen Nutten, der Pharmaindustrie oder dem Arbeitsmarkt zu unterscheiden.
In diesem Haus kommt auch jeden Monat noch das gruselig-idyllische Hochglanzheft „Mein schöner Garten“ an, das vermutlich im Ministerium der Liebe produziert wird. Doppelplusgut. Das Abo hat ein Freund meinem Vater mal zum Geburtstag geschenkt. Für ein Jahr. Es kommt seit Ende des letzten Jahrhunderts. Warum sich wehren? Ist doch alles egal. Manchmal blättere ich auch darin herum. So wie in den Stellenanzeigen. Heute habe ich ausnahmsweise einmal reingeschaut und gesehen, dass REWE einen Texter braucht. Das kann ich, denke ich, und klicke das Angebot an. „Neu! Jetzt im Angebot! Zu jeder Dose Mais eine karierte Socke, ab der sechsten Dose bekommen Sie auch die zweite Socke. Greifen Sie zu! Nur für kurze Zeit!“
Ich habe ganze Romane geschrieben, ich betreibe eines der bekanntesten Blogs in ganz Schweppenhausen - ein Werbeprospekt von REWE schreibe ich noch mit 3,0 Promille. Und dann sehe ich, was REWE von einem Texter verlangt. „Entwicklung einer einheitlichen Tonality für jedes Medium, von klassischen Medien bis hin zu user Interfaces.“ Was ist Tonality? Muss sich ein Interface morgens rasieren? „Verfassen von CTAs, Headlines und Shortcopy.“ Da kenne ich nur Headlines, nannte man damals Überschriften. Einer von drei Punkten. „Kreativer Sparringspartner innerhalb von REWE Digital.“ Soll ich mich mit denen prügeln oder was?
Aber es kommt noch besser: Die Bewerber müssen „Erfahrung mit der Anwendung von CI-Richtlinien und Styleguides“ mitbringen. Ich kann das Alphabet inklusive der Umlaute, außerdem bin ich stubenrein und beiße nur schlechte Menschen. Reicht das nicht? Man bietet mir „Top aktuelle Entwicklungshardware (MacBook Pro auf Wunsch)“. Wahnsinn. Ich muss mein Notebook und meinen Bürostuhl nicht selbst mitbringen. „Dynamische Start-up-Atmosphäre“ – in einer Supermarktkette? Und „flache Hierarchien“ – die dennoch sicher zu steil für einen alten Mann sind.
Ich komme zum Schluss, denn die Herztropfen und Ginsengwurzeln rufen: Ich werde auch in diesem Jahr keine Bewerbung schreiben. Und nur noch Mails von Menschen öffnen, die ich persönlich kenne. No country for old men.
P.S.: Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung
Hiermit verpflichtet sich Andy Bonetti (Bonetti Boulevard 1a, Bad Nauheim) gegenüber REWE und Stepstone (Internet, Ortsverein Buxtehude), es bei Meidung von Vertragsstrafen, deren Höhe vom Gläubiger (REWE, Stepstone) nach billigem Ermessen festzusetzen und im Streitfall vom zuständigen Gericht zu überprüfen ist, für jeden Fall der schuldhaften Zuwiderhandlung ab sofort zu unterlassen,
a) zu behaupten, zu verbreiten und/oder behaupten oder verbreiten zu lassen: „REWE ist größenwahnsinnig geworden.“
sowie
b) wörtlich oder sinngemäß zu behaupten, zu verbreiten und/oder behaupten oder verbreiten zu lassen: „Stepstone macht mich depressiv.“
Schweppenhausen, den 19.2.2016
Andy Bonetti
The Wild Swans - Bringing Home The Ashes. https://www.youtube.com/watch?v=X75e-KjTNfw

Sonntag, 21. Februar 2016

Bauernland in Frauenhand!

https://www.youtube.com/watch?v=43EhUuQI118

Blogstuff 28

“It's a folk singers job to comfort disturbed people and to disturb comfortable people.” (Woody Guthrie)
Die aktuelle Lage in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft trifft das Lebensgefühl meiner Jugend. Und bestätigt meine Annahmen aus den achtziger Jahren: Gründe keine Familie, mach keine langfristigen Pläne, erwarte nichts, glaube nicht daran, dass du alt wirst, rechne mit dem Schlimmsten.
Die ganze Herkunftskacke geht mir auf den Sack. Das fragt doch auch keiner, wenn du als Band auf Welttournee bist, oder?
Sehen Sie sich nur mal die Börsen in aller Welt an: Was vor einem Jahr noch eine stramme Erektion war, ist jetzt bestenfalls noch ein gepflegter Halbsteifer.
„Wir präsentieren Ihnen heute den Gender Studies-Themenabend ‚Usbekische Menstruationsgesänge im Wandel der Zeit‘. Im Studio Gumba Mafulla mit ihrem neuen Album ‚Wechseljahre am Hindukusch‘.“
Hätten Sie’s gewusst? 1776 wurden die Vereinigten Staaten unabhängig, 1794 wurde zum ersten Mal die Armee gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. In der „Whiskey-Rebellion“ hatten sich Farmer geweigert, eine Branntweinsteuer zu bezahlen (https://de.wikipedia.org/wiki/Whiskey-Rebellion).
Im Arkanum von Bonettis Medienimperium steht eine leere Vitrine. Hier wird dereinst der Literaturnobelpreis – ein gigantischer goldener Pokal, der mit Rubinen und Smaragden besetzt ist – seinen Platz haben.
Hätten Sie’s gewusst? Heute vor 150 Jahren starb der legendäre mexikanische Befreiungskämpfer Sinalco Caramba an einem vergifteten Burrito.
Vorschlag für den Geschichtsunterricht der 8. Klasse: „In früheren Zeiten standen die Bauern nicht in Konkurrenz zueinander. Jeder hat versucht, aus seinem Stück Land genug Ertrag zu holen, um seine Familie ernähren zu können. Die Arbeiter standen nicht in Konkurrenz zueinander, weil sie alle denselben Lohn erhielten. Sie konnten sich in Revolten und Streiks solidarisch zeigen. Heute ist Konkurrenz das große Thema: Im Leistungssport, z.B. der Bundesliga, in den Medien, Z.B. bei DSDS oder GNTM, und natürlich auch in der Arbeitswelt. Du musst dich auf Kosten anderer Menschen durchsetzen. Wir werden aufeinander gehetzt wie Gladiatoren.“
Hätten Sie’s gewusst? „Sinalco“ gibt es seit 1902, es wurde in Ostwestfalen von einem Kaufmann namens Franz Hartmann und einem bekannten Naturheilkundler namens Friedrich Eduard Bilz entwickelt. Zunächst hieß die Limonade „Bilz-Brause“, der Name „Sinalco“ war das Ergebnis eines Preisausschreibens (Kurzform von lat. „sine alcohole“, d.h. ohne Alkohol). Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war „Sinalco“ eine Weltmarke, die global vermarktet wurde.
Bonettis Roman „Schreiben Sie einen Artikel, der folgende fünf Begriffe enthält!“ ist eine beißende Satire über den Wirklichkeitsverlust eines Berliner Journalisten in einer Welt der Bilder und Symbole, der Schlagworte und Neologismen.
In den Medien kochen Männer für Männer. In meiner Kindheit gab es nur Max Inzinger – und der kochte für Frauen. Die einzigen beiden Menschen, die in meinem Freundeskreis und meiner Familie regelmäßig Kochsendungen sehen, sind Männer. Sie sagen, man könne sich so gut dabei entspannen. Sie kochen beide selten, eigentlich gehören sie zur TK-Fraktion: Tiefkühlpizza, Tiefkühlpferdelasagne, Tiefkühlhastenichgesehen und Tiefkühlwillstenichwissen.
Eine von Bonetti Media für den Hörfunk konzipierte Kochshow ist übrigens gescheitert. Trotz Dolby Surround Sound.
Freuen Sie sich auf Heinz Pralinskis neues Konzeptalbum „Between Emptiness and Inner Silence.“ Demnächst bei Ihrem Schallplattenhändler.
Hätten Sie’s gewusst? Nasenbluten ist ein Zeichen für das bevorstehende Osterfest.
Kennen Sie das Cotard-Syndrom? Die Patienten glauben, sie seien tot, würden nicht existieren oder verwesen gerade. Häufig tritt es am Montagmorgen auf.
When in Rome – The Promise. https://www.youtube.com/watch?v=KVgNTZWE2fY

Samstag, 20. Februar 2016

Das liebe Geld

„Hallo, ihr Lieben! Ich habe lange überlegt, ob ich zu dem Thema was sagen soll.“
Eine Million Lacher und in Berlin kollabiert ein Ex-Punk.
Wir kommen gleich zum Thema, Freunde der Sonne und der Berge:
Die Abschaffung des Bargelds - erster Schritt: der 500 €-Schein entfällt, Begrenzung der Bargeschäfte auf 5000 €. Jeder weiß: weitere Schritte folgen. Salamitaktik.
Haben Sie gehört. Sie haben sich – hoffentlich – empört, vielleicht haben Sie auch gelacht.
So wie ich.
Begründung der vom Finanzkapital gesteuerten Regierungsbrut: Geschäfte der Mafia und der Terroristen sollen auf diese Weise verhindert werden.
Ich sehe die Szene schon vor mir.
Karl Ben Nemsi trifft in Frankfurt seinen Terrorkollegen Horst Halef Omar. Er hat eine Sporttasche mit 20.000 € dabei und möchte Kalaschnikows samt Munition erwerben. Horst hat die Waffen und sieht das Geld – da durchzuckt es ihn wie ein Blitz. Verdammt! Die deutschen Behörden haben doch Bargeschäfte in dieser Höhe verboten. Der Deal kommt nicht zustande, der Dschihad in Bockenheim wird abgeblasen.
Ich sehe eine zweite Szene vor meinem geistigen Auge.
Johnny Malta kommt mit 50.000 € nach Amsterdam, um Koks zu kaufen. Es bricht dem Drogenhändler das Herz, aber leider kann das Geschäft nicht zustande kommen. Es ist VERBOTEN.
Schon klar, oder?
Und selbst wenn der Euro komplett als Bargeld abgeschafft wird. Den Krügerrand gibt es schon als Zehntel-Unzen-Münze, die umgerechnet hundert Euro wert ist. Dann macht man die Geschäfte eben mit Gold. Die Südafrikaner werden ihre Goldmünzen nicht abschaffen. Da hätten die Banken was dagegen. Und in der Schweiz gibt es nach wie vor den 1000-Franken-Schein. Dann läuft das Geschäft eben in einer anderen Währung.
Es geht um etwas ganz anderes: Die Abhängigkeit des Bürgers von Banken und Regierungen soll erhöht werden, im Krisenfall wird nach Abschaffung des Bargelds ein „Bank Run“ unmöglich sein und die Negativzinsen können von den Banken auf die Privatkunden ausgedehnt werden, um Konsum und Wirtschaftswachstum notfalls administrativ zu erzwingen.
Das einzige, was mich ein klein wenig zornig macht, ist die Tatsache, dass man uns in den Chefetagen offenbar für Vollidioten hält. Vielleicht haben die Chefs aber auch Recht? Denn was machen wir, wenn das Bargeld in mehreren Etappen abgeschafft wird? Nichts. Wie immer.
Einen schönen Abend noch, ihr Lieben. Smiley
John Watts - That's Enough For Me. https://www.youtube.com/watch?v=PPd87PriBy4

50 Jahre Bonetti-Stoiber-Pakt

Von Weimar zur Cebit

"Bescheidne Wahrheit sprech ich dir. // Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt, // Gewöhnlich für ein Ganzes hält." (Goethe: Faust I)
Es heißt, über ein paar Ecken kennt jeder jeden auf dieser Welt. Wir bewegen uns nicht nur im Netzwerk des Internets, wir sind ein Netzwerk. Das funktioniert auch mit dem guten alten Buch. Ich lese gerade „Die Akte Vaterland“ von Volker Kutscher. Ein historischer Kriminalroman, der in Berlin und im Ostpreußen des Jahres 1932 spielt. Da gibt es gelegentlich Dinge, die ich nachschlagen muss. Eine süße Nachspeise namens „Masurische Glumse“ beispielsweise, eine Art flüssiger Käsekuchen aus Quark und Zucker.
Süßen Sachen kann ich so wenig widerstehen wie Kriminalrat Ernst Gennat, die Legende der Berliner Kriminalpolizei, die in der „Burg“ hinter dem Alexanderplatz residierte. Gennat wurde wegen seiner Schwäche für Kuchen und seiner Leibesfülle auch „Buddha“ genannt. Er konnte beim Kuchenessen über seinen Mordfällen grübeln, mich versöhnt das neue Duplo Caramel wenigstens für einige Minuten mit dem Kapitalismus.
Das „Haus Vaterland“ war ein großer Gastronomiekomplex am Potsdamer Platz, der von Kempinski betrieben wurde. Eine Million Gäste pro Jahr besuchten damals die zwölf Themenrestaurants, darunter eine Wild-West-Bar, ein türkisches Café, eine spanische Bodega, ein japanisches Teehaus und die „Rheinterrasse“ mit einem nachgebauten Panorama des romantischen Rheins bei St. Goar. Im Roman wird hier die Leiche eines Schnapslieferanten in einem Aufzug gefunden. Er ist ertrunken – obwohl er völlig trocken ist.
Der Protagonist des Romans, Kommissar Rath, fährt einen Wanderer. Merkwürdiger Markenname. Also schaue ich nach. Bis 1945 baute die Firma Kraftfahrzeuge – und das Wanderer W 23 Cabriolet ist wirklich bildhübsch. Was machte die Firma eigentlich nach dem Krieg? Das Automobilwerk lag in der sowjetisch besetzten Zone und wurde enteignet. Aber Wanderer baute auch Schreibmaschinen und Rechenmaschinen. Mit dem Kauf der Exacta Büromaschinen GmbH wurde Wanderer 1960 zum größten Büromaschinenhersteller Westdeutschlands.
1968, als die Studierenden revoltierten, wird die Aktienmehrheit der Wanderer AG von Heinz Nixdorf übernommen. Nixdorf hatte 1952 in Essen das „Labor für Impulstechnik“ gegründet, sein Start-up baute im selben Jahr den ersten Elektronenrechner auf Rundfunkröhrenbasis  und lieferte ihn an den ersten Kunden RWE – die dem Unternehmensgründer mit einem Entwicklungsauftrag über 30.000 DM auch die Anschubfinanzierung gegeben hatten. Sein Handwerk hatte der junge Nixdorf, er war damals 27 Jahre alt, bei Remington Rand gelernt, damals ein bekannter Hersteller von Rechnern und Schreibmaschinen.
Exkurs – Sidekick zur Literaturgeschichte: Kennen Sie den genialen Junkie und Autor von Naked Lunch, Nova Express und vielen anderen Büchern William S. Burroughs? Er stammte aus einer reichen Familie, die ihr Vermögen ebenfalls mit Büromaschinen und Computern gemacht hat. Remington Rand wurde 1955 von der Sperry Corporation gekauft, die 1953 den ersten digitalen Computer baute. Sperry Rand, wie das neue Unternehmen hieß, wurde 1986 von der Burroughs Corporation gekauft. Im gleichen Jahr bekam das Unternehmen seinen neuen Namen, den es bis heute hat: Unisys.
Nixdorf nannte sein neues Unternehmen Nixdorf Computer AG. Während sich IBM auf Großrechner für Konzerne spezialisiert hatte, setzte Nixdorf auf dezentrale elektronische Datenverarbeitung für kleine und mittlere Unternehmen. Ähnlich wie Bill Gates oder Steve Jobs in den USA glaubte er an die Zukunft des PC. Mit dem Nixdorf 820 brachte er in Deutschland den Computer an den Arbeitsplatz. In den siebziger Jahren stieg das Unternehmen zum viertgrößten Computerhersteller Europas auf, mit Fertigungsstätten auf drei Kontinenten. 1985 lag der Umsatz bei vier Milliarden DM, Nixdorf hatte 23.300 Beschäftigte in 44 Ländern.
1986 fand die erste Cebit in Hannover statt. Und ausgerechnet auf dieser Messe starb Heinz Nixdorf an einem Herzinfarkt. Der Computerpionier wurde nur sechzig Jahre alt. Das war vor dreißig Jahren. Nach seinem Tod verpasste das Unternehmen den Siegeszug des PC und wurde 1990 an Siemens verkauft. Mit Ausnahme von SAP hat das ganze Land die „digitale Revolution“ auf Produzentenseite verschlafen.
Und nach einer halben Stunde im Netz kehre ich zu meinem Lesesessel zurück.
OMD – Electricity. https://www.youtube.com/watch?v=tHd2M--SKZo

Freitag, 19. Februar 2016

Bonettismus statt Bolschewismus!



Literatur von Andy Bonetti: nachhaltig, vegan, vollkorngegendert, fair gehandelt, laktose- und lakritzefrei, von freilaufenden Autoren in bewährter Handwerkstradition hergestellt.

Öffentlichkeit und Revierverhalten

„Jetzt ist wieder von Deutschland die Rede, von Vaterland und Heimat. Deutschland, dessen Seele als Rauch aus den Krematorien zum Himmel aufgestiegen ist.“ (Lupo Laminetti)
Sie kennen es aus dem Tierreich, meine sehr verehrten Damen und Herren. Es gibt grundsätzlich nur drei mögliche Verhaltensweisen im Umgang mit einer anderen Spezies: Angriff, Flucht oder Tarnung. Wenn wir heute also über den öffentlichen Raum und unser Verhältnis zu ihm sprechen, gibt es nur diese drei Möglichkeiten.
Wie Sie wissen, wird der öffentliche Raum – spätestens seit vergangenem Jahr - von rechtsradikalen Elementen, von völkisch erweckten Legasthenikern, von Horden völlig enthemmter Dauerdemonstranten und Leserbriefschreiber usurpiert. Genährt am welken Busen der sogenannten Leitmedien schwingt sich eine Minderheit von etwa zehn Prozent der Bevölkerung zu einer gefühlten Mehrheit auf, die angeblich „das Volk ist“. Ein paar Tausend Schreihälse, die sich offenbar nur in der Gruppe wohlfühlen, marschieren durch die sächsische Provinz und schaffen es, regelmäßig in die Schlagzeilen zu kommen. Eine Gunst, die den zweihunderttausend TTIP-Gegnern, die sich in Berlin versammelt haben, leider verwehrt blieb.
Solchermaßen gemästet mit öffentlicher Aufmerksamkeit schwingt sich die braune Horde zur Meinungsführerschaft in den sogenannten sozialen Medien und auf der Straße auf. Was ist zu tun, liebe Landsleute? Da gibt es die Fraktion, die dem öffentlichen Raum den Rücken kehrt. „Einfacher wäre der Rückzug der Intelligenzija in ihre historisch bewährten Reviere: redaktionell gestaltete Zeitungen und Zeitschriften, Seminarräume, Hinterzimmer, private Salons, geschlossene Gesellschaft.“ (Tilman Baumgärtel: Kopf ab, Rübe runter, taz 16.2.2016)
Flucht ist immer einfach. Aber wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen, hat Herbert Wehner einmal gesagt, der bekanntermaßen zur Abteilung Attacke gehört hat. Dann überlässt man den öffentlichen Raum, die politische Debatte dem Pavian, der am lautesten kreischt. Was ist die Alternative? Schweigen? „Weiß nicht“ ankreuzen? Das wäre Tarnung. Auch wenn es weh tut: Es bleibt nur der Angriff. Das heißt: Selbstbewusstsein im Angesicht blühender faschistischer Landschaften. Und man sollte die Medien meiden, die den Pavian hofieren, ihm eine wohlfeile Bühne verschaffen und dem dumpfen Gebrüll einer Minderheit huldigen.
This Eternal Waiting – Darkness. https://www.youtube.com/watch?v=iUifxGqpWz0

Donnerstag, 18. Februar 2016

Bildet Banden, tapfere Bonettistas!

Der Klassenkampf hat begonnen!

Hinfort, finstere Bankerbrut! Weicht von uns, Volksverräter aller Parteien!

Zu den Waffen, Knechte und Mägde des blutsaufenden Kapitals! Freiheit oder Tod!

Möge aus der Asche des Finanzimperialismus die Zukunft Eurer Kinder entstehen!

Wartet nicht bis zum 1. Mai! Bildet Banden!

Schlagt sie, wo Ihr sie trefft! Noch heute!





Und lest die AGB im Kleingedruckten: Mobiltelefone gratis, 5 GB Tageszulage, Feinkost, Freifahrtschein, Tarifvertrag.
Gemeinsam gegen den faschistoiden Überwachungsstaat!

Johnny Malta – ein Leben zwischen Hängematte und Ukulele

"Wenn Sie endlich aufhören würden, mir ihre … ihre Hausfrauenanweisungen zu geben!" (Klaus Kinski zu Werner Herzog)
Johnny Malta wurde als elftes von zwölf Kindern von Mollie und Jerry Malta in Paris, Hessen, geboren. Nachdem er einige Jahre Bühnenerfahrung in der Theatergruppe „Die Nervensägen“ in der Kita Wurstblume gesammelt hatte, belegte er an der Volkshochschule Bad Nauheim einen Kursus in sinnfreier Assoziation und pantomimischer Laubdarstellung. Mit neunzehn Jahren ging er nach Hollywood, wo er als Schauspieler bei der Selig Polyscope Company engagiert wurde. Selig war damals die erste Filmgesellschaft, die in Kalifornien ein Filmstudio errichtet hat.
Johnny Malta kam bereits mit seinem ersten Film zu großem Ruhm. In „Funny Cops“, in dem der Berufsstand des Polizeibeamten der Lächerlichkeit preisgegeben wurde, spielte er zusammen mit dem legendären Fatty Arbuckle. In einer Nebenrolle ist der junge Leonardo DiCaprio zu sehen, der später in jedem Interview sagte, er sei von Johnny Malta entdeckt worden. Auch Selma Hayek und Scarlett Johannsen verdanken ihm übrigens ihre Karriere.
William Nicholas Selig, der in jungen Jahren als Zauberkünstler und Reptilienimitator in Kalifornien gearbeitet hatte, finanzierte mit den Einnahmen aus „Funny Cops“ seinen ersten Monumentalfilm: „Citizen Gröbl“. Dieser Film gilt bis heute unter eingefleischten Cineasten als der Mount Everest der Filmkunst. Er brachte an den Kinokassen allerdings nur 587 Dollar (ohne Popcorn) ein und trieb Selig zunächst in den Ruin und anschließend in den Selbstmord. Hätte Malta damals aus der Konkursmasse die Merchandising-Rechte an diesem Film gekauft, die für fünfzig Dollar angeboten wurden, wäre er heute ein gemachter Mann.
Aber er heuerte bei Borumil Shtinewayz an, einem New Yorker Filmemacher, der sich auf Tierfilme, Waschmittelwerbung und kanadische Western spezialisiert hatte. Nach einigen deprimierten Auftritten, in denen er als Waschbär oder als Clementine zu sehen war, bekam er ein neues Angebot aus Hollywood. Der berühmte Regisseur Buddy Floheimer („Vierzig Wagen westwärts“, „Vierzig Wagen südwärts“, „Vierzig Wagen im Stau“) wollte ihn für seinen Feuerwehr-Zombie-Liebeskomödie-Crossover-Movie „Brainfire“. Floheimers Großvater hatte 1913 den Cliffhanger erfunden, der Name Floheimer besaß im Filmbusiness einen Klang wie Donnerhall.
Bei den Dreharbeiten zu „Brainfire“ verliebte er sich in Griselda Rohleder und ihre mitternachtsblauen Augen - von ihrem butterblonden Haar, das den seidigen Glanz einer Moiré-Tapete hatte, ganz zu schweigen. Fortan konnte er sich keine einzige Zeile Text mehr behalten. Er blickte in jeder Szene zum Himmel hinauf, als erwartete er von dort das rettende Stichwort. Floheimer feuerte ihn und ersetzte ihn durch Heinz Schenk. Maltas Filmkarriere wehte davon wie ein Papierfetzen im Wind. Er kam zurück nach Bad Nauheim und begann, als Schriftsteller zu arbeiten. Heute gilt er, nach Andy Bonetti, als bester Autor des Wetterau-Kreises. Nie wurde nördlich von Frankfurt schönere Prosa zu Papier gebracht.
„Er hatte das schmierige Lächeln eines berufsmäßigen Gesellschaftstänzers.“ (Laminettis großes Lexikon des Farbfilms über Johnny Malta in seinem gescheiterten Comebackversuch im kasachischen Filmkunstdrama „Und täglich grüßt der Steppensittich“)
Talking Heads – Pull up the roots. https://www.youtube.com/watch?v=p1whsvmyeHA

Mittwoch, 17. Februar 2016

Ablasshandel

Wir betreiben einen verbalen Ablasshandel, wenn wir fordern, dass die Ursachen der Flucht und all des anderen Elends auf der Welt bekämpft werden müssen. Wir richten eine Forderung an die politischen und ökonomischen Eliten der Welt so wie ein Kind einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreibt. Die Ursachen liegen in Armut und Ausbeutung, Ungleichheit und Krieg. Dafür ist wiederum der entfesselte globale Kapitalismus die Ursache. Eine Binse, ich weiß. Aber keiner zieht die Konsequenzen. Jeder von uns kann jeden Tag die Ursachen bekämpfen. Aber dann kostet eine Jeans eben zweihundert Euro und das Kilo Bananen zehn Euro. Dann haben Sie eben nur drei Hosen im Kleiderschrank und nicht dreißig. Es wird weniger Obst weggeworfen, weil es wertvoller geworden ist, oder man besorgt sich seine Vitamine wie unsere Vorfahren beim Bauern um die Ecke. Wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem wir die Notwendigkeit des Teilens erkannt haben.

Newsletter Februar 2016

„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“ (André Gide)
Liebe Bonettistas,
bitte akzeptiert unsere demütigen Ehrerbietungen. Alle Ehre sei Andy Bonetti!
Der Monat Februar hat gerade begonnen, das bedeutet, dass Andy Bonetti Euch allen wieder Seine monatlichen Grüße in Seiner höchst barmherzigen Form sendet – Ihr Jünger des Lichts! Diesen Monat werdet ihr nicht nur die üblichen Päckchen mit dem neuen Risco Tanner-Roman finden, sondern auch die bereits angekündigte Überraschung: Es ist der erste Andy-Bonetti-Kalender mit einem wunderschönen Bild unseres geliebten Führers jeden Monat!
Mit diesem kleinen Geschenk möchten Euch Andy Bonetti und Seine Diener aus Bad Nauheim Ihren herzlichen Dank für Eure geschätzte Unterstützung und Eure Beiträge in den letzten Monaten aussprechen. Durch Eure großzügigen Spenden kann die Verehrung von Andy Bonetti sehr gut aufrechterhalten und auch für Seine Diener und Ihr Zuhause gesorgt werden. Mögen die geistigen Führer des Bonettismus Euch alle mit unaufhörlichen Wellen Ihrer Segnungen überschütten und Euch tiefe liebevolle Anhaftung an Seine Lotosverse und den allbarmherzigen heiligen Namen schenken!
Lasst uns zurückblicken auf die Ereignisse im letzten Monat im Bonetti-Tempel. Viele süße kleine Festivals wurden gefeiert, wie Marsupilami, das Erscheinen von Heinz Pralinski, Ditaloni Rigati, das Lichterfestival, Garganelli, der Jahrestag von Andy Bonettis Scheidung, und Saccottini, wo wir wieder ein kleines Kälbchen im Tempel hatten, zur Freude von Johnny Malta. Zahlreiche Poesiekerzen wurden diesen Monat mit viel Liebe und Hingabe geopfert – besonders die frühmorgendliche Öffnungszeit der Bahnhofskioske berührte immer das Herz, wenn alle Bonettistas ihre letzten Groschen opferten. Aber auch die Abende mit dem wunderschönen Risco-Tanner-Lied füllten unsere Herzen mit der Radiatori-Atmosphäre – abends wurde täglich drei Stunden gesungen und den ganzen Monat über gingen die Bonettistas zweimal täglich um den Tempel und folgten dabei Vermicellini, der die Jünger anführte.
Am 21. Februar werden wir das glückverheißende Jubiläum der Erstveröffentlichung von Andy Bonettis Debütroman „Und überhaupt: Warum hört mir keiner zu?“ feiern. Von morgens 10 Uhr bis circa 14 Uhr werden wir das Buch durchlesen. Jeder, der sich uns anschließen und am glückverheißenden Lesen teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen! Wenn Ihr zu weit weg wohnt oder nicht kommen könnt, weil es ein Werktag ist, könnt Ihr auch einige Kapitel zu Hause lesen.
In der Bonetti-Bibel gibt es von Lupo Laminetti die folgende Aussage über „Und überhaupt: Warum hört mir keiner zu?“
„Wer achtzehn Kapitel des Buches täglich rezitiert, mit reinem und ungestörtem Geist, erlangt Vollkommenheit im Wissen und erreicht die höchste Ebene oder das höchste Ziel.
Wenn es nicht möglich ist, alles zu lesen, erlangt man, selbst wenn nur die Hälfte gelesen wird, die gleichen Segnungen wie für das Spenden einer Kuh. Darüber gibt es keinen Zweifel.
Wer ein Drittel davon rezitiert, erlangt den Nutzen eines Bades im heiligen Rhein; und wer ein Sechstel davon rezitiert, erlangt den Nutzen der Durchführung eines Geldopfers.“
Es ist mit Sicherheit äußerst nutzbringend, das Buch an seinem Jubiläumstag zu rezitieren, selbst wenn es nur ein Vers ist!
Viva Bonetti! Wir wünschen Euch alles Gute und viel spirituelle Kraft
Eure Diener aus Bad Nauheim


Danke an: http://www.goloka-dhama.de/radha-krishna-bhakti-yoga/
Nur 70 km von Schweppenhausen entfernt – im schönen „Abentheuer“, auf das mich ein treuer Leser aufmerksam gemacht hat. Nochmal: Danke!
P.S.: In der Redaktion bevorzugen wir für Andy Bonetti die Bezeichnung Ineffabilis Deus (Lateinisch für Der unaussprechliche Gott).
Queen - Somebody to Love. https://www.youtube.com/watch?v=kijpcUv-b8M

Dienstag, 16. Februar 2016

Exklusiv: Putins Pläne für Deutschland



Der finstere Kreml-Herrscher wird uns Godzilla und King Kong schicken!

Warum man sich die sogenannten Leitmedien abschminken kann

„Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die nicht hingehen müssen.“ (Erich Maria Remarque)
„Muss man nicht – salopp gesprochen – das Völkerrecht auch mal Völkerrecht sein lassen?“ (Dietmar Hipp, SPON, am 3.12.2015 zur deutschen Beteiligung am Syrien-Krieg; einen Tag später wurde im Bundestag der Kriegseintritt beschlossen)
Die deutschen Medien verkaufen uns den kompletten Krieg auf dem geistigen Niveau eines Kasperle-Theaters. “Der Russe” ist das böse Krokodil, der brave deutsche Michel hängt an den Rockschößen der guten Großmutter aka Mutti Merkel – und der Ami ist der Held: Kasperle. Er darf das Krokodil auf den Kopf hauen und alle Kinder / Leser klatschen. Was für ein Trauerspiel.
So muss die DDR gewesen sein. Es reichte, wenn man das Neue Deutschland las, der Rest der Medien brachte ohnehin den gleichen Mist. Wer erinnert sich an die achtziger Jahre, als taz und FAZ noch unterschiedliche Meinungen vertreten haben, ebenso ZEIT und WELT – und BILD und SPIEGEL noch nicht zu SPIEGELBILD (Danke an Rudolf Stumberger für diese Wortschöpfung) geworden waren? Eine große Koalition der Propagandamaschinen, was für ein Armutszeugnis stellen wir uns mit dieser Medienlandschaft selbst aus …
P.S.: Oder hat RTL seine Finger im Spiel? Gute Zeiten, schlechte Zeiten, gute Bomben (wir), schlechte Bomben (alle anderen), gute Enthauptungen (Saudi-Arabien), schlechte Enthauptungen (IS).
„So läuft der Unterschied zwischen traditionellen und modernen Lügen im Grunde auf den Unterschied zwischen Verbergen und Vernichten hinaus.“ (Hannah Arendt: Wahrheit und Politik)
„Die ausschweifendste Idee, die in dem Kopf eines Politikers entstehen kann, ist die, zu glauben, dass es für ein Volk genüge, mit bewaffneter Hand bei einem fremden Volk einzubrechen, um es zu zwingen, seine Gesetze und seine Verfassung anzunehmen.“ (Maximilien Robespierre: Rede gegen den Krieg, 1792)
„Washington und seine Alliierten bleiben bei dem bewährten Prinzip, dass Demokratie nur akzeptabel ist, solange sie sich strategischen und wirtschaftlichen Zielen unterordnet.“ (Noam Chomsky)

An den Rändern der Welt

„The earth without art is just ‚eh‘.“ (Banksy)
Traumfetzen einer einzigen Nacht:
Ich fahre mit einem Freund in einer S-Bahn im Ruhrgebiet. Wir fahren bis Bottrop. An Haltestelle 68 sind wir eingestiegen, an Nr. 52 müssen wir aussteigen. Ich halte die winzige Fahrkarte in meiner Hand. Auf der Bank gegenüber sitzt ein langhaariger junger Mann mit einer Wollmütze. Er ist völlig betrunken und singt in Rap-Form von seinen Schwierigkeiten mit der Polizei und seinen Geldsorgen.
Mit fünf anderen sind wir in einem Raumschiff unterwegs. Wir müssen umsteigen. Ich befinde mich kurz darauf in einem Schlauch aus zähem, gummiartigem Material, aus dem ich mich nicht befreien kann. Kamera von oben. Wir sind alle in rechteckigen Wannen, bedeckt mit verschiedenfarbiger Masse. Eine Art lebendiger Teigrolle. Außerirdische haben uns gefangen und werden uns verspeisen. Es gibt keine Chance zu entkommen.
Eine Art Klassentreffen in einem Raum mit Glaswänden wie ein Aquarium. Wir sind etwa zehn Leute, es gibt ein Buffet. Wir erzählen, wie es uns in den letzten Jahren ergangen ist. Zwei Frauen haben dieselben psychischen Störungen wie damals. Sie glauben an imaginäre Personen, mit denen sie zusammenleben. Eine dieser Phantasiegestalten heißt Ding-Dong. Als die beiden Frauen gegangen sind, sprechen wir über sie. Wir geben ihnen keine Chance, wieder gesund zu werden. Ich verabschiede mich von der Gastgeberin, meiner Ex-Freundin, und gehe hinaus. Es ist Winter, eine Schneelandschaft bis zum Horizont.
Ich tippe auf einer Schreibmaschine folgenden Text. Nur den ersten Satz habe ich klar in Erinnerung, den Rest sinngemäß:
„Die Straßen Venedigs sind nicht tief und voller Geschichten. Ich bin gebeten worden, Ihnen diesen Satz zu schreiben. Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen. Ich möchte sie nicht beunruhigen. Sie sind vollkommen sicher. Ich weiß nicht, ob alle Straßen sicher sind. Wie tief sind die Straßen anderer Städte? Welche Geschichten können Sie über die Straße vor Ihrem Haus erzählen? Fühlen Sie sich in diesem Augenblick sicher? Wer hat mich gebeten, Ihnen diesen Satz zu schreiben? Drehen Sie sich jetzt nicht um. Ich darf Ihnen auf diese Fragen keine Antwort geben. Ich kann Ihnen nur sagen: Die Straßen Venedigs sind nicht tief und voller Geschichten.“
P.S.: Und in der letzten Nacht habe ich zum ersten Mal in meinem Leben geträumt, ich hätte ein Kind. Mein Sohn, dessen Name ich nicht kenne, schläft friedlich neben mir auf dem Sofa, während ich mit einigen Freunden (darunter Samuel L. Jackson!) eine Purpfeife rauche. Krass, oder?
George Benson - Give Me The Night. https://www.youtube.com/watch?v=l_JgRtv50fs

Montag, 15. Februar 2016

Backen für den Weltfrieden

Wie Andy Bonetti auf die Welt kam

„Imagine the story you would most want to read – and then shamelessly write it.“ (J.D. Salinger)
Es war in einem Kabarett in Berlin. Der chronisch lustige Animateur begrüßte das Publikum und sprach ein paar Gäste im Publikum an. Darunter auch X.
Kabarettist: Guten Abend, darf ich fragen, wie Sie heißen?
X: Äh …
Kabarettist: Ich verstehe. Sie sind inkognito hier. Sucht Sie Ihre Frau oder die Polizei?
Gelächter.
X: Ich bin nicht verheiratet.
Gelächter. Vereinzelter Applaus.
Kabarettist: Was machen Sie beruflich?
X: Nichts.
Kabarettist: Verstehe. Sie sind arbeitslos. Oder sind Sie Frührentner.
X: Weder noch. Ich zahle keine Steuern und ich bin auch nicht berufstätig.
Kabarettist: Sie leben also von Luft und Liebe. Wenn ich mir Ihre Figur anschaue, scheint Ihnen das gut zu bekommen.
Gelächter.
X: Ich habe Geld aus einer früheren Geschäftstätigkeit.
Kabarettist: Was haben Sie denn für Geschäfte gemacht, wenn ich fragen darf?
X: Ich weiß nicht, was davon schon verjährt ist oder nicht.
Gelächter.
Kabarettist: Ein Applaus für unseren Spaßvogel.
Applaus. Der Kabarettist geht weiter.
X (denkt): Ich muss mir dringend eine gute Geschichte ausdenken. Eine Figur. Wie hieß der Ersatztorhüter der englischen Fußballweltmeistermannschaft von 1966 noch mal? Bonetti. Gut … mhm … Andy Bonetti. Irgendwas mit Kunst. Das beeindruckt die Leute und sie fragen nicht nach Geld.
Dieser Text wurde Ihnen von der Kornbrennerei Emil Oletzko aus Lüdenscheid präsentiert. Oletzko – der Kornbrand der Könige.
The Gun Club - Mother of Earth. https://www.youtube.com/watch?v=hvvGM3QhtOg

Sonntag, 14. Februar 2016

Heinz Pralinski, Mitarbeiter des Monats

Unruhig ging Andy Bonetti vor seinem riesigen Mahagonischreibtisch auf und ab. In seinem Mundwinkel glimmte eine Cohiba Siglo IV, in rhythmischen Schüben kam Qualm aus seinem vor Wut verzerrten Gesicht. Die Umsatzzahlen machten ihm Sorgen. Die Auflage der Risco-Tanner-Reihe war im letzten Quartal gerade einmal um siebzehn Prozent gestiegen, die Rendite seines Unternehmens sank bedrohlich in Richtung fünfzig Prozent. Das Segment der Arztromane war leicht rückläufig, die neue Serie um einen Berliner Hipster („Gute Phasen, schlechte Phasen“) befand sich noch im Entwicklungsstadium.
Er blickte durch die Panoramaglasscheibe hinunter in den Schreibsaal, wo sich bis zum Horizont Schreibtische aneinanderreihten. Auch sonntags wurde hier Weltliteratur produziert. Misstrauisch beäugte Bonetti gerade einen Angestellten seines Medienimperiums, der seit mehreren Minuten zu überlegen schien und keinerlei Text produzierte. Da sah er – weit unter sich – einen kleinen Mann zur Wendeltreppe rennen, die zu seinem vierhundert Quadratmeter großen Büro hinauf führte. Kurze Zeit später klopfte es an seine Tür.
„Ja!“ brüllte Bonetti, ohne die Zigarre aus dem Mund zu nehmen.
Ein untersetzter Mann mit Halbglatze und Hosenträgern kam herein und schwenkte aufgeregt ein Bündel Papier über dem Kopf.
„Mister Bonetti, Mister Bonetti! Endlich haben wir eine großartige Idee!“
„Schießen Sie los! Und wie heißen Sie überhaupt?“
„Ich bin Heinz Pralinski aus Sektor 7G, Abteilung Plotdesign. Wir haben eine neue Figur erfunden. Wir haben sie Lupo Laminetti getauft. Er soll sozusagen der Gegenspieler des Bonetti-Imperiums sein. Antikapitalistisch und der ganze Quatsch. Wir wollen aus ihm eine Serie machen und auf diese Weise auch die Menschen zu Kunden von Bonetti Enterprises machen, die dem Unternehmen bisher kritisch gegenüber stehen.“
„Nicht übel. Zeigen Sie mal her!“
Und so wurde Heinz Pralinski Mitarbeiter des Monats.
Massive Attack – Teardrop. https://www.youtube.com/watch?v=BAVUPu7URbc

Blogstuff 27

„Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind.“ (Kurt Tucholsky)
Treffen sich ein Amerikaner, ein Usbeke, ein Franzose, ein Apache, ein Pfarrer und ein Arzt in einer Bar. Den Rest von diesem Spitzenwitz habe ich leider vergessen.
Hätten Sie’s gewusst? Heute vor hundert Jahren wurde in China der Reisverschluss erfunden.
Und dann besitze ich noch Kleidungsstücke, die unter die Rubrik fallen: Bedecken nicht mehr den gesamten Bauch.
Der Danger-Seeker 2016 … geht in eine Kreuzberger Szenekneipe und erzählt den Leuten, die Waffen-SS hätte auch gerne schwarze Klamotten getragen.
In unserem „Amtsblättchen für die Verbandsgemeinde Stromberg“ wird oft seitenweise die neue Friedhofsverordnung irgendeines Dorfes veröffentlicht. Ich bin immer erleichtert, wenn ich den Text hinter mich gebracht habe, aber im Hunsrück bist du froh über jede Form von Lesestoff.
Werbung: Schaufensterpuppen in Särgen – Schießereien auf dem Friedhof – Fingierte Rechnungen an ahnungslose Angehörige. Eine erschütternde Reportage aus dem Alltag einer Branche, die längst außer Kontrolle ist. Lesen Sie jetzt den neuen Bonetti! „Wenn Beerdigungsunternehmer über Leichen gehen – Der blutige Konkurrenzkampf in der Wuppertaler Bestattungsindustrie“ von Andy Bonetti. Jetzt in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung!
Machen wir uns nichts vor. Überall, wo du geboren bist, ist es beschissen. Aber an manchen Tagen ist es wenigstens schön beschissen.
Hätten Sie’s gewusst? Bad Nauheim hieß während des Spanischen Erbfolgekriegs La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís, „die königliche Stadt des heiligen Glaubens des heiligen Franziskus von Assisi“.
Was ist der Unterschied zwischen meiner Kindheit in den siebziger Jahren und heute? Damals gab es kritische Medien, die über die Diktatur des Kapitals, das sich die Parteien kaufen, berichtet haben.
Andy „The Rock“ Bonetti will sich übrigens zur Bürgermeisterwahl 2017 als Kandidat bewerben. Er möchte vor dem Hauptbahnhof von Bad Nauheim irgendjemanden erschießen, um zu dokumentieren, dass es seinen Wählern egal ist. Er will Muslimen die Einreise in den Wetterau-Kreis verwehren. Da Mexikaner alle Drogenhändler und Vergewaltiger sind, sind sie ebenfalls unerwünscht. Um die Stadt wird eine Mauer gebaut und jeder Landkreis mit abweichender Meinung bombardiert. Bonetti kommt ohne Spenden aus: „Ich brauche kein Geld, ich bin wirklich reich!“
Johnny Malta liest heute Abend in der Kulturmetzgerei Butzbach aus seinem Werk „Renate – Warum bist du mit dem Paartherapeuten durchgebrannt?“
„Wir können Dinge tun, die unerwartet sind. Das ist so ziemlich der einzige Vorteil, den wir haben.“ (Kampfstern Galactica, zum Thema Unterschiede zwischen Zylonen und Menschen)
Hätten Sie’s gewusst? Bonetti Heavy Industries Unlimited lässt jetzt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh Elektro-Rikschas für den deutschen Markt anfertigen.
Vor zwanzig Jahren, am 1. März 1996, wurde ich am Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin zum Thema „Beschleunigung und Politik“ promoviert. Mein Kernthese: Der wachsende ökonomische Zeitdruck zerstört die Demokratie. Und ich hatte Recht. Wir merken es selbst in unserem Alltag: Auf jede Meldung in der Presse reagieren wir nur noch reflexartig wie eine Eidechse. Was nicht sofort in unser Schema F passt, muss gelogen sein. Die Geschwindigkeit lässt uns verblöden.
Wie alles begann: Als dieses Blog damals (Januar 2009) im Auftrag einer Berliner Kulturinitiative eingerichtet wurde, gab es keine Projektmittel für eine Domain. In 15 Minuten hat mir eine Hilfskraft, ein trockener Alkoholiker aus St. Pauli, im Büro dieses schmucklose Google-Blogspot-Teil eingerichtet. Er hatte sowas auch noch nie im Leben gemacht, war aber im Team derjenige, der “Ahnung von Computerzeug” hatte. Zwei Wochen später ist er aus dem Wedding abgehauen und wieder auf der Reeperbahn versackt, bis heute habe ich ihn nicht wiedergesehen. Das Blog als Teil des Projekts war auf drei Jahre beschränkt, ich schreibe aber immer noch weiter, obwohl das nie geplant war und ich auch jetzt keinen Plan habe, wie lange ich es noch mache. Aber im Augenblick arbeite ich an keinem neuen Buch und die täglichen Fingerübungen halten mich fit für kommende Aufgaben. So wie ein Musiker regelmäßig übt, auch wenn er gerade keine Band oder Auftritte hat.
Care - My Boyish Days. https://www.youtube.com/watch?v=gSce4Ghl_-k

Samstag, 13. Februar 2016

14. Februar ist Valentinstag. Denken Sie an die Menschen, die Sie lieben!

Meister Tang vom Wolkenmondberg

Hellgrau wie verwittertes Holz sein Gesicht. Die Falten tiefschwarz eingekerbt, als seien sie geschnitzt. Die kleinen Augen unter buschigen Brauen verborgen. Das schlohweiße Haar zu einem Zopf gebunden. So sitzt er im Schneidersitz vor seiner Höhle und wartet auf den nächsten Schwachkopf mit seinen dummen Fragen, die nur von der Eitelkeit und Oberflächlichkeit der Welt am Fuß des Berges Zeugnis geben.
***
Ich kenne eine Frau, die hat vier Kinder, dazu Hund, Katze, Mann. Wenn ich mit ihr telefoniere, habe ich immer den Eindruck, ich rufe am Hauptbahnhof an. Ich selbst bin viele hundert Kilometer von Berlin entfernt in meinem kleinen Dorf und spiele den taoistischen Eremiten, der mit heiterer Gelassenheit dem fröhlichen Treiben zuhört. „Hier ist das Hauptquartier der Stille“, singe ich sanft ins Telefon und knistere dabei mit einem Stück Zellophan vor der Sprechmuschel, um die atmosphärischen Störungen zu simulieren, die aufgrund der ungeheuren Distanz unausweichlich sind. „Spreche ich mit dem Hauptquartier des Lärms?“ Ein altes Kafka-Wort, wir kennen es beide.
Die Sterne - Kein Mitleid. https://www.youtube.com/watch?v=NBk_wreZQi0

Warum wir Merkel niemals trauen sollten

Warum hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dass für Millionen Menschen zuständig ist, keinen eigenen Boss? Warum macht das Frank-Jürgen Weise, der zugleich die Bundesagentur für Arbeit leitet? Weil die Flüchtlinge demnächst als Ein-Euro-Jobber eingesetzt werden. Dann brauchen wir auch keine Jeans aus Bangladesh mehr, das machen wir alles schön selbst im eigenen Lande mit unseren syrischen Schutzbefohlenen. Wo wollen sie denn auch hin? Sie sind uns rettungslos ausgeliefert - und auf der Straße werden sie noch angepöbelt werden wie die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg.
Fazit: Die Industrie bekommt ein Sklavenheer für lau, der Mindestlohn wird unterhöhlt, der Konkurrenzkampf um die Jobs wird härter. Alles gut für CDU/SPD/FDP/Grüne, die Bosse und ihre schmierigen Berater (das LaGeSo in Berlin wird übrigens seit Kurzem von einem McKinsey-Team geleitet). Natürlich war nicht Humanität der Hintergrund von Merkels Grenzöffnung und planlos war es ohnehin nicht. Es ist ökonomisch sinnvoll, denn die Kosten der Integration werden sozialisiert, der Nutzen privatisiert (kennen wir von der "Bankenrettung"). Politisch ist es sinnvoll, da durch die Stärkung der AfD in den Parlamenten eine linke Mehrheit unmöglich gemacht wird.
Diese armen Flüchtlinge, die glauben, eine freundliche Königin hätte sie aus reiner Herzensgüte ins Land gelassen. Sie haben auf einer Galeere angeheuert. Aus der Dritten Welt sind sie in eine Welt gekommen, in der sie wie drittklassige Bürger behandelt werden.
In Death It Ends - Forgotten Knowledge. https://www.youtube.com/watch?v=mGhpIQWAMmg