Freitag, 23. Dezember 2016

Blogstuff 98 - Geometrie des Widerwillens

„Manchmal habe ich das Gefühl, die Politik sei extra für die Medien erfunden worden.“ (Andy Bonetti)
Ich weiß, dass ich jetzt Bilder heraufbeschwöre, die Sie nie wieder vergessen werden, aber es ist wirklich passiert. Paris 1996, "Feinschmeckerrestaurant" auf der Ile Saint-Louis (laut Feinschmeckermagazin ...). Es juckt während des Hauptgangs auf meinem Kopf, ich kratze mich und befördere mit dieser Bewegung eine fette Kakerlake direkt in meine Ente à l'orange. Sie wieselt über meinen Teller, Madame schreit zum Glück nicht, ich auch nicht, aber wir haben sofort die Rechnung geordert. Heute würde ich noch nicht mal bezahlen, aber damals war ich erst 29 und neu an der Seine.
„Postfaktisch“ ist die Traumvorlage für alle, die noch nie Bock auf Ahnung hatten. Wozu Abitur, wozu Google, wenn ich einfach keine Lust auf Gegenmeinung habe? Neulich eine Debatte mit zwei Akademikern: Der Sturz aus 20 Meter Höhe führt nur zu leichten Verletzungen, höchstens ein Beinbruch. 20 Meter ist die Berliner Traufhöhe – und wir hockten tatsächlich (allerdings blau) in einem Kreuzberger Altbau. War der Kollegin und dem Kollegen nicht klar zu machen. Wenn du aus dieser Höhe, also vom Dach, auf dem Bürgersteig aufschlägst, ist Schicht im Schacht. Aber komm mal zwei Geisteswissenschaftlern mit Physik und Empirie.
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Früher hieß es von Seiten der feinen Pinkel und der Spießbürger: „Das sagt man nicht“. Heute ist die Formulierung: „Das ist politisch nicht korrekt.“ Es gibt ja sogar eine Bürgerinitiative gegen den Namen der Mohrenstraße in Berlin.
Hätten Sie’s gewusst? Das einzige Fremdwort, das mit dem Vornamen Anton beginnt, ist die Antonomasie. Damit bezeichnet man den Vorgang, wenn man in einem Text statt des Eigennamens ein Synonym verwendet, durch das die Person gekennzeichnet wird, zum Beispiel „die schwarze Null“ für Wolfgang Schäuble oder „Rauten-Gabi“ für Angela Merkel.
Nach den aktuellen Erkenntnissen der Physik gibt es schwarze Löcher, die in einen langen Tunnel führen, durch die man in ein neues Universum gelangt. Die Story hat sich doch ein Schwuler ausgedacht, oder?
Chinesische Flüche: Fick das nach Pisse stinkende Arschloch deines Opas; Du hast ein Gesicht wie eine schimmelnde Fotze; Ich wünsche dir einen langsamen Tod, aber eine schnelle Fahrt in die Hölle; Fick 18 Generationen deiner Vorfahren.
Wie wird 2017? Da schaue ich einfach mal in das Jahreshoroskop: „Der Löwe ist so etwas wie der Gewinner des Jahres. Denn er bekommt viele Chancen, von denen andere nur träumen. (…) Die Löwen geben sich – ganz wie es ihre Art ist – Luxus und Vergnügen hin. (…) Jupiter und Uranus sorgen für jede Menge traumhafter Chancen. (…) Der Traumjob ist jetzt zum Greifen nah, wenn Sie ihn nicht ohnehin schon haben. Und in der Liebe können Sie alles erreichen, was Sie wollen. (…) Neptun ist ab Februar der Begleiter des Löwen und sorgt für so manche Fantasie. (…) Sie schweben immer über der Erde, besonders im Sommer. Die Löwen fühlen sich großartig und sind charmant wie nur was. Die profanen Dinge des Alltags aber überlassen Sie den Partnern und überhaupt gern anderen.“ YES !!!
Wie war 2016? „Saturn und Uranus im Trigon, dazu ab Herbst ein günstiger Jupiter. Viel besser geht es wirklich nicht. Egal, ob Sie sich in Ihrem Job verbessern möchten oder auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sind: 2016 stehen die Chancen auf Erfolg günstig wie selten.“
Welche Printmedien werden am Ende überleben? In kleinerem Maßstab natürlich die Leitmedien, aber sie haben ihre Funktion als Gelddruckmaschinen wie zu den Zeiten von Springer und Augstein längst verloren. Aber vor allem die Lokalzeitungen, denn ihre Informationen wird es bei Google oder Facebook nie geben. Sie haben das Netzwerk an Lokalberichterstattern, oft im Nebenberuf, wie ich es aus meiner Zeit in der Lokalredaktion kenne, wo der Sportlehrer des Gymnasiums noch leidenschaftlich vom Kreisligaspiel in Wichtelbach berichtet, sie haben die Street Credibility und den Heimatstolz der Leser auf ihrer Seite, die sich freuen, dass sie Gegenstand der Berichterstattung sind, wenn die Kita „Superzwerge“ zum Sommerfest einlädt.
Project Pitchfork – Timekiller. https://www.youtube.com/watch?v=rY9eSzB-KbU

Kommentare:

  1. ... jetzt habe ich doch wirklich, in meinen Cappuccino - nach einer Kakerlake - geschaut (ړײ)

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    1. Die Bedeutung von Küchenschaben für die Proteinversorgung der Bevölkerung wird noch immer unterschätzt.
      Stürze aus 20 m Höhe verlaufen glimpflich, wenn man sich anschnallt.

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