Sonntag, 27. November 2016

Kleiner Almanach der Erotologie

Ihre Augen waren zwei moosgrüne Wunschbrunnen.
Donnerwetter! Jetzt wird es endlich erotisch.
Eckhard Henscheid schreibt im ersten Kapitel seines Romans „Die Mätresse des Bischofs“: „Einzugestehen ist hier nämlich fürs erste eine grobe, feiste Lüge, eine glänzende und gleißende Lesertäuschung. Denn keineswegs – Flucht nach vorn – von einer ‚Mätresse des Bischofs‘ handelt mein Buch (…) Der Titel – er ist also nichts als eine Vignette, Tribut an die leidig ennuyierende Sexualsucht unserer modischen Druckproduktion und diese zugleich bitter decouvrierend. (…) Kurz, in einer Zeit der allgemeinen Volksübertölpelung, der schleichenden, nein rasenden Idiotisierung des öffentlichen Lebens und des ohnehinnigen Wurstseins von Allem und Jedem bestehe eben auch ich auf meiner Chance.“
Clickbaiting + Kulturpessimismus schon im Jahre 1978!

Blogstuff 87
„Und nun abermals zum Wesentlichen.“ (Eckhard Henscheid: Die Mätresse des Bischofs)
Was wurde in den neunziger Jahren nicht alles über die digitale Revolution im Feuilleton schwadroniert. Erst der Übergang von der Schreibmaschine zum Computer, dann der Übergang vom Text zum Hypertext. Schauen wir uns im Jahr 2016 die Textproduktion an: es werden immer noch Romane, Kurzgeschichten, Gedichte, Artikel und Kommentare geschrieben. Es werden immer noch die Romane von Kafka oder Hesse gelesen. Es wird überhaupt immer noch gelesen, als wären wir noch im 19. Jahrhundert. Und das ist eine sehr gute Nachricht. Es gibt keinen Hypertext. Das Buch lebt. Wir lesen immer noch schwarze Buchstaben auf weißem Hintergrund in einem rechteckigen Format. Selbst das haben wir nicht geändert. Wir könnten ja auch violette Buchstaben auf pastellgelbem Hintergrund vorziehen. Neu ist nur der Stoff, auf dem der Text produziert wird. Vom Papier zum Bildschirm, von der Holzfaser zum Pixel. Aber das ist keine Revolution. Der Flachbildschirm hat ja auch nicht das Fernsehen revolutioniert.
Der Künstler lebt draußen. Er kommt nicht mehr zurück, er kann nicht mehr Angestellter werden. Es gibt nichts Bemitleidenswerteres als einen „trockenen“ Künstler, dem man die Droge Freiheit entzogen hat.
Natürlich stammen wir vom Waldmenschen ab, unsere Vorfahren kannten nur das Waldleben, dessen Farben sich in unseren Augen erhalten haben: alle Himmelstöne von Hellblau bis Grau, alle Variationen von Grün und Braun.
Am Samstag steigt das Lokalderby Real Bad Nauheim gegen Bad Nauheim United. Wir werden Sie zeitnah unterrichten.
Hätten Sie’s gewusst? „Ernie & Bert“ sind eigentlich eine ironische Anspielung auf Ernest Hemingway und Bertolt Brecht.
Was genau hat man eigentlich „faustdick hinter den Ohren“?
Man ist doch länger tot als lebendig, da sollte man gelegentlich schon mal einen Frühschoppen oder Dämmerschoppen in den Tagesablauf einbauen. Aber nicht, dass es zur Gewohnheit wird.
Ein Schmankerl für echte Literatur-Afficionados: Andy Bonetti schreibt live, während die Webcam an seinem Notebook eingeschaltet ist. Macht Sie das an? Was wäre Ihnen die Sache wert?
X: „Am Haus von Johnny Malta hat man jetzt eine Tafel mit Inschrift anbringen lassen.“
Y: „Was steht denn drauf?“
X: „Einfahrt freihalten.“
„Um aber bei dieser (…) Gelegenheit erneut auf den Bischof und seine Mätresse zurückzukommen: natürlich weiß ich, dass mir die beiden keineswegs 1 Million einbringen, weder Leser noch Markstücke zum Kaugummiholen. Aber ich meine, selbst wenn es nur tausend sind, die darauf hereinfallen, bin ich ja schon zufrieden. Denn das müssen schon die Dümmsten überhaupt sein – und solche Prachtexemplare habe ich wirklich gern unter meinen Lesern, dochdoch, es ist dies ein fast kosmisches Gefühl von Herrschaft – und ich darf also an dieser Stelle alle Käufer, die sich durch den Porno-Titel blenden ließen, ganz herzlich noch einmal gesondert begrüßen.“ (Eckhard Henscheid: Die Mätresse des Bischofs)
Visage - Der Amboss. https://www.youtube.com/watch?v=ZL4MBqxjYFE

Kommentare:

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  2. Ich habe die Mätresse in den 80ern gelesen.
    Lange nach der Ersterscheinung.
    War aber zu der Zeit dann Kult.
    Es war Sommer, ich Student und keine Kohle, ergo auch keine Reise nach Indien oder wahlweise Ibiza oder gar Südamerika, was ja seinerzeit schwer angesagt war.
    Jeder Depp, dessen Eltern Kohle hatten, lernte damals Spanisch und ging für ein paar Monate nach Kolumbien, Peru, oder ganz toll, Ecuador. Leck mich.
    Ich also alleine zuhause mit Henscheid.
    In der also glücklich leeren WG-Küche.
    Die Gründe wurden weiter oben schon beschrieben.
    Das war nicht das schlechteste allen Daseins.
    Bier war ja noch da.

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