Mittwoch, 12. Oktober 2016

Gesellschaft als Rätsel: Das Internet

„Schreiben ist gut, Denken ist besser. Klugheit ist gut, Geduld ist besser.“ (Hermann Hesse: Siddhartha)
Adam meets Eva. So entstand die erste Community. Steht schon in der Bibel. Aber warum sind wir eigentlich so fürchterlich soziale Wesen? Warum können wir nicht das ungewaschene Maul halten? Wieso belästigen wir andere Menschen mit unterbelichteten Fotografien unseres Mittagessens?
Die Antwort ist einfach und in ihren Folgen äußerst fatal: Wir können nicht anders. Ein Beispiel: Kaum ist die Fotografie erfunden, wird sie nicht nur als Kunstform und zur Dokumentation weltbewegender Ereignisse verwendet, sondern löst eine explosionsartige Vermehrung des Banalen aus.


Diese Haselmaus hat keinerlei Informationswert und ist trotzdem irgendwie süß.
Falls Sie in meinem Alter sind, haben sie mindestens ein Fotoalbum aus der Vergangenheit im Regal stehen. Ich mit meiner Oma vor der Familienkutsche, ich (die Schuhe!!!) mit meiner Mutter (die Frisur!!!) vor dem Niederwalddenkmal, ich mit meiner Schwester vor dem Weihnachtsbaum. Mit dem Smartphone, das Kosten und Aufwand des Fotografierens dramatisch auf Nullkommanix reduziert, wird die Zahl der Bilder um den Faktor 1000 erhöht.
Was zuvor in privaten Fotoalben versteckt war, bahnt sich nun lawinenartig seinen Weg ins Internet. Geradezu zwanghaft dokumentiert die halbe Menschheit jeden Furz, der jemals gelassen wurde. Das Internet ist das größte Artefakt in der Geschichte der Menschheit und jede private Information kann inzwischen öffentlich gemacht werden, ist aber zugleich unter den ungeheuren Schuttbergen des täglich wachsen Informationsmülls rettungslos verloren.


Dieses Foto hat ebenfalls keinerlei Informationswert und ist trotzdem irgendwie lustig.
Genauso ist es mit dem Schreiben. Was jahrhundertelang in privaten Tagebüchern verborgen war, platzt jetzt wie aus einem Vulkan in die Welt hinaus. Die Motive sind durchaus unterschiedlich: Geltungssucht, Egozentrismus, Geldgier und schiere Blödheit auf der einen Seite, Mitteilungsbedürfnis, Sehnsucht nach Verständnis und Gemeinschaft, poetische Impulse und Aufklärung auf der anderen Seite.
Wir sind alle Amateurjournalisten, Amateursoziologen, Amateurpolitologen, Amateurpsychologen, Amateurpädagogen, Amateurpolizisten, Amateurköche, Amateurfußballer, Amateurtrainer usw. Glücklich ist, wer im Internet über Quantenphysik oder Amöben schreibt. Ihm bleiben die Kommentare der Amateure erspart – glaube ich als Amateur-Naturwissenschaftler zumindest.


Der Kinkaku-ji in Kyoto. Wussten Sie, dass ich 2008 dort gewesen bin?
Vieles, wenn nicht fast alles, wäre besser unterlassen worden. Aber wir können nicht anders. Und wir können. Das Internet ist noch längst nicht voll. Wer jetzt nicht bloggt, bloggt nimmermehr. Nicht umsonst „teilt“ man etwas bei Facebook. Als soziale Wesen sind wird auf Mitteilung und Kontaktaufnahme konditioniert. Nur keine Hemmungen, schreiben Sie mir Ihre Meinung! Dieser Text war wichtig und Ihr Kommentar ist es auch.
De La Soul - Ring Ring Ring. https://www.youtube.com/watch?v=gC1xuVCBl4o


Das ist mein Lieblingsauto, der Lamborghini Miura. Das ist irgendwie interessant, oder?

Kommentare:

  1. dann ist "Maschin" von Bilderbuch bestimmt dein aktuelles Lieblingsvideo

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  2. "Dieser Text war wichtig und Ihr Kommentar ist es auch."

    Na, dann:

    VERZWEIFLE nicht, wenn DU kein PROFI bist.
    Ein Amateur hat die Arche gebaut,
    Profis die Titanic.

    (ړײ) *zwinkerndMICHdasüberhauptnichtinteressiert*

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  3. Ich bin Amateuramateur. Das dümmste vom Dummen. Aber mit Internetanschluss und bin beim Kiezschreiber noch nicht gesperrt. Weil der nicht weiß, wie das geht!

    Ich kotze mich hier nur aus weil: Geltungssucht, Egozentrismus, Geldgier und schiere Blödheit auf der einen Seite, Mitteilungsbedürfnis, Sehnsucht nach Verständnis und Gemeinschaft, poetische Impulse und Aufklärung auf der anderen Seite.

    Miura? Kommst Du heute eh nicht mehr rein. Schon gar nicht raus, ohne Schwerlastkran. Sieht scheiße aus, vorm Club, vorm Aldi!

    Mann, HummWee, wenigstens EssJuWie. 2 - 3 Tonnen reiner Panzer. Beim Anlassen schon fuffzehn Liter in die Luft gerotzt. Wat kieckste so? Deine Armut kotzt mir an, ej!

    Icke, am Steuer mit Goldkette, als Anhänger ein fettes Dollarzeichen und doppelter Stinkefinger, so 3.1/2 Kilo. Dazu RayBan vor der Fresse, Chinaböller, aber merkste kaum.

    Ich habe vielleicht doch zu viele Reggaetón-Videos geschaut, in letzter Zeit.

    Doch Herr Eberling, ein sehr informativer Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Bitte weiter so.
    Ergebenst, Ihr
    Amateuramateur

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    1. Unser Körper als Metapher. Alles, was hinein geht, kommt als Scheiße wieder raus.

      Mit dem Internet ist es genauso.

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    2. Siehste, hätteste das direkt so geschrieben, dann hätte ich wahrscheinlich auch direkt kapiert, um was es geht.
      Einfach nur um Scheiße.
      Wie im richtigen Leben eben.
      Du weißt doch, bei mir darfst du nicht zaghaft sein. Ich verstehe dann immer nur weniger als die Hälfte. Obwohl ich mir Mühe gebe. :-)

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    3. Dann wären es ja keine Texte mehr, sondern Haikus. Bonetti ist wie Facebook. Ich möchte, dass du den ganzen Tag auf dieser Seite verbringst. Hast du schon ein Bonetti-T-Shirt?

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    4. Nein, Ich hätte gerne 5 T-Shirts, Bonetti, Laminetti, Pralinski, anonymetti, Malta und von Matthias.
      Bitte 4XL, weil ich noch wachse.
      In Regenbogenfarben, sonst Tiefschwarz.

      Ich bin doch schon den ganzen Tag hier, mit kleinen Abstechern. Und gelegentlich muss/will ich auch noch was Eigenes denken, schreiben. Selba tun, vastehste?

      Was bitte, sind denn Haikus? Ich kenne Bonsais, Harakiri, Samurai, Honda, Kawasaki, Suzuki, Toyota, Geishas, Bruce Lee. Aber pervers kenne ich nicht.

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    5. Beispiel:

      Haiku zum Thema Ladenöffnungszeiten:

      Die Sterne funkeln/

      Wieder ist das Bier alle/

      Und Aldi hat zu.

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  4. Diese Haselmaus ist total süß - weißt Du das? Diese Schnuppernase und das rosa Schwnzchen, like und teilt das mit seinen Kindern. So muß Internet sein! Total süß! Haselmauscontent!
    Der Miura ist nicht süß, aber oberverschärft, alder. Krasse Karre, revolutionäres Design, hausbackener Motor. Zwar DOHC, aber zu wenig Hubraum, wennste mich fragst. Aber die wollten vermutlich das Gewicht unten halten. Na schön: Viel Platz hatten sie auch nicht.

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    1. Du möchtest mehr Haselmauscontent ... mhm ... schau mal ab morgen auf Kiezschreiber Plus ;o)))

      #mausefalle

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  5. Das ist gemein. Ich hab das mit den Bildern schon verstanden.

    Menno.

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    1. Wenn ich einen Fotoapparat oder ein Smartphone besitzen würde, sähe mein Blog doch genauso aus. Allerdings ohne deine geheimnisvollen Gestalten, die du in Rostflecken und Betonpfeilern siehst.

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