Dienstag, 4. Oktober 2016

Die Saat der Angst geht auf

„So gesehen kann die jüngere Geschichte der USA auch als Zyklus hausgemachter Hysterisierung beschrieben werden. Dabei verbreiten sich kollektive Obsessionen und Erregungszustände in prekärer Nähe zur Paranoia. Immer steht angeblich das Ganze auf dem Spiel, ist die Bedrohung total, der Feind zu allem entschlossen (…). Dreh- und Angelpunkt dieser Horrorvisionen ist die angebliche Immunschwäche von Einwanderergesellschaften wie den USA. (…) Nationale Sicherheit ist ein prekäres Gut, weil das Land es immer wieder mit Neuankömmlingen zu tun bekommt, die sich nicht „amerikanisieren“ können oder wollen. Sei es, weil mangelhafte Bildung oder bedrückende Lebensumstände sie in die Arme radikaler Agitatoren treiben; sei es, weil ihnen die Liebe zu ihrem Herkunftsland wichtiger ist als die Loyalität zur neuen Heimat. Sozialpsychologen sprechen von „Überwältigungsphantasien“ oder „Infektionsängsten“, die phobische Züge annehmen, sobald bestimmte Gruppen oder Ethnien als verlängerter Arm ausländischer Mächte gesehen werden.“ (Bernd Greiner: United States of Angst)
Geht es uns mit den Migranten nicht aktuell genauso? Der Islam ist das politisch und medial geschürte Feindbild – und genau diese „Feinde“ kommen nach Deutschland. Schon wird der Untergang des Abendlandes befürchtet.
Die Saat der Angst ist nach 9/11 systematisch gestreut worden. In den Vereinigten Staaten gilt seitdem der Ausnahmezustand, in Frankreich seit 2015. Der Feind ist unter uns, wir werden unterwandert. Bewaffnet Euch und seid wachsam! Die Saat geht auf – Trump, Le Pen, Hofer, Wilders, Orban, Petry u.v.m. möchten die Ernte einfahren.
https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/september/united-states-of-angst

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