Donnerstag, 15. September 2016

Die Identitären

Von den „Identitären“ habe ich erst neulich zum ersten Mal gehört. Da hat mir ein Freund von einer Demo der Identitären in Berlin erzählt und ich musste erst einmal fragen, was denn das für eine Gruppe ist. Der Name ist ja an sich schon mal extrem bescheuert. Wer würde eine Band oder eine Partei oder eine Fußballmannschaft so nennen wollen? Da muss man doch unwillkürlich lachen.
Dann habe ich die Vögel von den „Identitären“ gegoogelt. Auf ihrer Internetseite wird jetzt gerade der 333. Jahrestag der Belagerung Wiens durch die Türken diskutiert. Der Vergleich mit den Kriegsflüchtlingen auf der Balkanroute wird gezogen. Das osmanische Heer des mächtigen Sultans und das Lumpenproletariat aus den Kriegsgebieten – jetzt begreife ich die Analogie auch. Beim Asylantrag sind die Belagerungsmaschinen aber plötzlich verschwunden. Diese Schlawiner. Unter der Burka lauern Kettenhemd und Krummschwert. Aufgepasst, Lüneburg!
Neulich sind die „Identitären“ aufs Brandenburger Tor geklettert. Das haben sie von Greenpeace gelernt. Die klettern auch immer irgendwo drauf und zeigen ein Protestplakat. Und wir wissen ja, dass diese Aktionen, die man für zehn Sekunden in der Tagesschau sieht, immer extrem hilfreich sind. Die – man kann den Namen so schlecht aussprechen – also die Klugscheißer unter den Rechtsradikalen erzählen auch was von Reconquista. Was genau müssen wir in Deutschland zurückerobern?
Und manche Sachen kapiere ich einfach nicht: „Die Bruchlinien zwischen Anapher, Allegorie und Antiphrase begleiten uns alle unterbewusst und unbewusst durch unseren Alltag“, heißt es auf der Homepage der Identitären. Sorry, ist mir zu hoch. Ist das eine Art Burschenschaft von durchgeknallten Germanisten? Wenn diese Menschen ihre eigene Identität bewahren wollen, warum belästigen sie uns damit? In meiner Jugend nannte man diese „feschen“ Wichtigtuer aus besseren Kreisen „Popper“.

Kommentare:

  1. Ich habe auch eine Gruppe gegründet, die Spastis. Unsere Vorbilder und schiefen Nachbilder der am Leben klebenden sind Beckett, Ionesco und Cervantes. Man findet uns unter Betten und Sofas, wir warten......

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  2. Liegt ein Popper tot im Keller
    war ein Punker wieder schneller

    Klospruch aus den 80ern.

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