Sonntag, 4. September 2016

Der letzte Sommer

„Die anderen Jungs hingen über ihren Maschinen und traten und traten wie wild und das Scheißding hustet und furzt, aber Tommy hockt auf seinem Schwanz mit Rädern und der Motor donnert und wenn er die Zündung verstellte, klangs wien Maschinengewehr und dann fuhr er langsam im Kreis rum und wartete, bis die anderen ihre Kisten in Schwung gebracht hatten.“ (Hubert Selby: Letzte Ausfahrt Brooklyn)
Der letzte Sommer“ ist eine rauschhafte Bildcollage, ein Amerika-Puzzle aus der bewährten Feder von Andy Bonetti, seines Zeichens Filmmogul aus Bad Nauheim.
Wir sehen in Großaufnahme den Kopf eines Äffchens, der sich ruckhaft wie im Zeitraffer bewegt. Er bekommt eine Erdnuss zugeworfen, die er hastig kaut. Tommy, der juvenile Hauptdarsteller und hoffnungsvolle Spross einer amerikanischen Unternehmerfamilie, wirft eine Handvoll Erdnüsse in den Swimmingpool und der Affe springt hinterher. Die Kinder der Familie lachen und Tommy stürzt sich übermütig mit einem Kopfsprung ins Becken.
Das weinerliche und melancholisch blickende Mitglied der Demokratischen Partei, erkennbar an einem Hillary-for-President-Button, gibt zu bedenken, dass es nicht ewig Sommer bleiben könne, und tatsächlich setzt leichter Nieselregen ein. Aber niemand beachtet den übergewichtigen Mann, übrigens ein Collegefreund des Vaters und Literatur-Professor an der hiesigen Universität.
Da ruft der Nachbar über den Gartenzaun: „Trump ist der neue Präsident“. Die ganze Familie läuft kreischend ins Wohnzimmer, um den riesigen Fernseher anzuwerfen. Nur der Professor und das Äffchen, das nach Nüssen taucht, bleiben allein im Garten zurück. Wir sehen Donald Trump, der wie ein Rockstar kreischt, umgeben von seinen Fans. Seine Frisur ist wie ein aufgeplatzter Sitzsack. Die ersten Gratulanten werden eingeblendet. Der österreichische Präsident Hofer, der fröhlich mit seinem Spazierstock auf das Stehpult schlägt, dazu einige turboradikalisierte osteuropäische Autokraten und Wladimir Putin.
Ich stecke mir zwei Handvoll Erdnüsse in die Jackentaschen und verlasse das Haus. Der Traum ist aus. Ich erwache mit einem unbekannten Appetit auf Nüsse auf dem Sofa meiner Berliner Wohnung.
Simon & Garfunkel – America. https://www.youtube.com/watch?v=R2Pk7xEHx2Y

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