Donnerstag, 1. September 2016

Blogstuff 66

„Nackt im Bad vorm Spiegel stehen und sich dadurch plötzlich erinnern, dass der Sperrmüll bald abgeholt wird. Sie kennen das!“ (Horst Hutzel)
Die Bayern bilden sich viel darauf ein, dass sie mal ein unabhängiger Staat waren. Aber ein souveränes Land waren sie nur von 1806 (Auflösung des Altreichs durch Napoleon) bis zur Reichsneugründung durch die Preußen 1871. Unabhängig waren Bayern also gerade mal 65 Jahre, das Königreich Bayern wurde damit nur unwesentlich älter als die DDR und ist ebenso nur eine Fußnote der Geschichte geblieben. Als der Prunkbau Ludwig II., das Schloss Neuschwanstein, 1884 bezugsfertig war, gab es längst keinen bayrischen Staat mehr und der heutige Begriff „Freistaat Bayern“ klingt doch sehr nach dem Maulheldentum neureicher Bergbauern.
Kurz notiert: „Einmal durch die Scheiße und zurück – 99 Pauschalreiseberichte von Heinz Pralinski“ kommt zur Frankfurter Buchmesse in den Handel.
Am 19.08.2016 schrieb Jakob Strobel Y Serra in FAZ.NET zum Thema Currywurst in Berlin: „Ein Batzen nicht näher definiertes Fleisch unter einer kleisterdicken Ketchup-Sauce mit staubigem Currypulver, eine Kaloriengranate, die es sich wie Fertigputz in unserem Magen bequem macht, eine Notnahrung im Stehen unter freiem Himmel, die eher Ritual als Genuss ist.“ Er hat recht. Das Highlight der Straßengastronomie hat schwer nachgelassen. Auch Flagshipstores wie Curry 36 in Kreuzberg oder Krasselt’s in Steglitz können es nicht mehr raushauen. Meine Stammbude an der Bundesallee, geadelt durch Wenders „Himmel über Berlin“ (die Peter Falk-Imbiss-Szene spielt just an diesem Platz), ist inzwischen nicht nur geschlossen, sondern komplett abgebaut. Currywurst war gestern – und Döner finde ich inzwischen auch nur noch Scheiße.
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Longdrink-Rezept für den distinguierten Ästheten unter den Wirkungstrinkern: 2 cl Lucky Leicester Gin, 2 cl Buttmontana Bourbon, 2 cl Wirsinglikör, aufgefüllt mit Meica-Wurstwasser und Eis, serviert mit einer Mettpraline am gepfefferten Glasrand.
An Sonntagen trägt Andy Bonetti einen purpurnen Feldherrnumhang und einen goldenen Lorbeerkranz. Sprechen Sie ihn dann bitte nur mit „Pontifex Maximus“ an.

Bonettis Thron
Welche Kompromisse Menschen oft eingehen, wenn sie in einem anderen Land leben. Ich bin auf der Seite von „Blu Flame“, einem indischen Restaurant in Wagga Wagga (Australien). Dort gibt es Beef Madras oder Beef Vindaloo. Es müssen buchstäblich heilige Kühe geschlachtet werden. Internationales Speisekarten-Surfen ist in meinem Falle übrigens eine der Freuden des Alters. Beim Mittagsschläfchen habe ich gerade geträumt, ich sei in Australien unterwegs. In einem verlassenen Kaff kaufe ich in einem winzigen Supermarkt ein Sixpack Foster’s und Zigaretten. Ich frage, ob ich mit meiner europäischen EC-Karte bezahlen kann, denn ich habe keine australischen Dollars. Während ich die Karte aus dem Portemonnaie hole, erzählt mir die junge Verkäuferin, sie hätten auch fränkisches Bier. Also stelle ich das Foster’s zurück. Ein kleiner alter Mann mit Hut kommt herein und fragt nach dem Weg. Er will nach Broken Hill, das neulich in einer Kurzgeschichte von mir aufgetaucht ist (ich wiederum habe den Ortsnamen aus einem Krimi von Garry Disher). Auf einer Karte von New South Wales zeige ich ihm den Weg.
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In Wichtelbach hat gerade ein peruanischer Lieferservice eröffnet. Ob das gutgeht?
Das vulgärmarxistische Bild von „denen da oben“ und „wir hier unten“ ist deswegen unbrauchbar, weil es die Realität nicht widerspiegelt. Der deutsche Durchschnittsangestellte ist Teil einer Nahrungskette und ist im Vergleich relativ weit oben, nur eben nicht ganz oben in den Palästen. Unter ihm kommen die Armen, die Arbeitslosen, die Asylanten, die Behinderten im eigenen Land. Dann kommen die ärmeren Länder Europas (mit Ausnahme ihrer Oberschicht), danach die „Dritte Welt“ (dito). Ganz unten kommt das zur bloßen Ausbeutung gezüchtete und gequälte Tier, dessen Fleisch wir verzehren, die Milch- und Eierproduzenten in düsteren Agrarfabriken. Am Ende die ganze Natur, die wir in schädlich und nützlich einteilen, um auch sie komplett zu „verwerten“. Was machen wir noch selbst? Wir lassen sähen und ernten, was lassen schlachten und Wurst machen, wir lassen putzen und bekommen das Auto repariert usw. Jeder von uns ist ein Profiteur, auch wenn er sich gerne als Opfer stilisiert, das, in der warmen Stube sitzend, heimlich die Faust ballt.
Simon & Garfunkel - The Boxer. https://www.youtube.com/watch?v=l3LFML_pxlY&spfreload=5

Kommentare:

  1. Gut, dass du mich erinnerst. Ich muss jetzt den Wirsinglikör ansetzen, damit er November ferig ist.

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  2. Gut, dass du mich erinnerst. Ich muss jetzt den Wirsinglikör ansetzen, damit er November ferig ist.

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    1. Ich sehe schon alles doppelt. Wirkungstrinker unter sich ;o)

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    2. Hab ich das mit dem Wirsinglikör schon gesagt? Muss ich nämlich jetzt ansetzen.

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  3. Weit weg von Berlin habe ich es da anscheinend gut: Unser Dönermann macht nicht nur gutes PommDöner (also Pommes und Döner in einer Imbissschachtel) sondern auch hervorragende Currywurst. Ob das daran liegt, dass die Gegend um D’dorf auch so nah am R’gebiet liegt?!

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    1. Der "Berliner Imbiss" am Klemensplatz in Kaiserswerth ist meine "Stammbude" in Düsseldorf. Ein Freund hat neun Jahre in Duisburg studiert. Da sind wir gelegentlich mit der U-Bahn hingefahren und haben uns anschließend ans Rheinufer gesetzt. Kennst du die Currywurst dort?

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    2. Mir sagt der Straßenname nichts, ich achte nicht auf sowas. Und Kaiserswerth könnte ich ohne schummeln auch nicht lokalisieren. Ich weiß, dass in der Innenstadt, da wo die Straßenbahnen in Kö-Nähe abfahren ein "Berliner Imbiss" ist. War auch schon mal drin, konnte allerdings weder Currywurst noch sonst was probieren, da es sehr voll war, Mikesch dringend musste und aufgrund der Schlange nicht nach dem Toilettenschlüssel fragen konnte. Also mussten wir wieder gehen, damit sie über die Straße sprinten und in irgendeinem Hipster-Lokal kacken konnte.

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    3. Das ist die Filiale. In Kaiserswerth fing alles an ... - vielleicht postest du mal eine Gourmet-Kritik, wenn du ohne Mikesch hingehst?

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    4. "Dummerweise" verirre ich mich wenn ich ohne Mikesch da in der Gegend bin immer zum Inder in der Luisenstr. (dass die so heißt weiß ich nur weil das Restaurant da ist), in meiner Kleinstadt gibt es nämlich kein vernünftiges indisches Essen. Vielleicht sollte ich den Handschuhschenker mal mit nach D'dorf nehmen, der steht nicht so auf Indisch und fühlt sich in dem Imbiss sicher heimisch. Als ich damals dort war waren dort viele Bauarbeiter (Mittagszeit).

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    5. Uns Freunden der Diakonie ist der Berliner Imbiss an der Haltestelle der U79 natürlich ein Begriff. Schon der alte Fliedner war ja ein Freund der Currywurst, als er sagte „Je mehr man dankt, um so mehr bekommt man zum Danken.“ Nun, er sprach nicht direkt von der Currywurst, aber die gibt es ja auch erst seit 1985 dort.

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  4. In der warmen Stube hocken und die Faust ballen.
    Genau das mache ich ständig.
    Und fühle mich dann doppelt sch..lecht. Genau.
    Ist das die Tragik der Existenz auf der Erde ?
    Bestes Argument um sich besser zu fühlen:
    Wie soll man denn was machen, wenn die Anderen nicht mitmachen.
    Oder ist das gar der Schlüssel ?

    Eine Curry-Wurst ist in erster Linie eine Wurst.
    Und hier wird viel falsch gemacht. Sprich eine schlechte Wurst auf den Grill "geschmissen", schon gar nicht gelegt.
    Da fängt es doch schon an.
    Dann Curry-Ketchup aus dem Lidl drüber. So geht es nicht.

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    1. Einen Blog zu dem Thema machen. Sich bei Facebook aufregen - das ist der Schlüssel ;o)))

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  5. Du bist neuerdings links so breit. Nicht gu tz u lesen.

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    1. Ich habe nix verändert. Mir fehlt dazu auch schlicht die technische Kompetenz. Daher auch das nordkoreanische Gesamtdesign :o)

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  6. @ Bleib

    Zufrieden? Habe mal ein bisschen gefummelt und das Layout noch schlichter gemacht, aber hoffentlich lesefreundlicher. Ein Glück, dass ich heute Abend nüchtern bin ;o)))

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