Mittwoch, 21. September 2016

Bajuwarische Leitkultur

„Den meisten Deutschen ist es doch lieber, wenn junge Deutsche mit einem ordentlichen Kurzhaarschnitt den Stadtpark kopftuchfrei halten, als wenn da Langhaarige Haschisch rauchen.“ (Volker Pispers)
Der CSU schwurbelt schon seit einiger Zeit der Begriff "Leitkultur" in den rotgeschwollenen Birnen herum. Mit „Leit“ sind aber nicht die Leit, also die Leute, gemeint, sondern die Leitung. Und die führt nicht zum Zapfhahn auf dem Oktoberfest, sondern ganz nach oben. Wo die Leiter sitzen. Und da sind wir in Bayern wieder bei der CSU.
Die hat sich unlängst auf eine bajuwarische Leitkultur festgelegt. „Die vorherrschenden Umgangsformen, Sitten und Gebräuche, die im Einklang mit Recht und Gesetz stehen, sind zu respektieren“, formuliert das bayerische Sozialministerium. Schön, dass wenigstens die Rechtsprechung der Leitkultur im Voralpenraum Grenzen setzt, womit das Angrabschen von Frauen in Bierzelten und das Verprügeln auswärtiger Fußballfans offenbar nicht dazugehört.
„Ganz Bayern ist geformt von gewachsenem Brauchtum, von Sitten und Traditionen“, heißt es in der Präambel zu einem Gesetzentwurf der Staatsregierung in München. Ein Afrikaner in der Lederhose, das wäre für Josef Zellmeier, CSU-Abgeordneter aus Straubing, ein Beispiel für eine gelungene Integration in die bayerische Leitkultur. Dirndl statt Burka. Volksmusik statt Buschtrommeln. Schweinebraten statt Hammelkeule. So einfach ist das.
Lieber Marek, liebe Ayse, macht einfach alles so wie eine traditionsselige Minderheit von konservativen Bayern es will. Dann kann nix schiefgehen. Integration heißt Anpassung. Eigentlich heißt es Unterwerfung. Und wer als Muslim oder gar als muslimischer Veganer oder – hier setzt bei Seehofer und Söder aber bereits die Schnappatmung ein – als strenggläubiger muslimischer Veganer den Schweinebraten und die Maß Bier verweigert, muss sich nicht wundern, wenn’s mit dem Asylantrag nicht klappen wird.
Vorbildlich integriert in diesem Sinne ist Django Asül. Der Kabarettist, der längst auch bei den Traditionsveranstaltungen wie dem Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus vor den CSU-Granden im Trachtenjanker auftritt und den bayerischen Dialekt akzentfrei spricht, gilt allgemein, obwohl er seit seiner Geburt in Bayern lebt, als gut integrierter Türke. Mehr nicht. Ein Bayer wird er bis zu seinem Tode nie werden.
Wer von uns möchte unter einer solchen Leitkultur leben? Und ist es nicht eigentlich eine Frechheit, angesichts dieses primitiven Eingeborenenkults, wo man sich schreiend auf die Schenkel klopft und sich Gamsbärte an alberne Hüte bindet, überhaupt von Kultur zu sprechen?
P.S.: Was die CSU in Sachen Leitkultur in ihren Gauen leistet, vollbringt die AfD im Rest der Reichs: Sie verbreitet völkische Behaglichkeit. Ist Deutschland nicht der natürliche Hegemon (griechisch: Führer – sic!) Kontinentaleuropas seit dem Untergang des römischen Imperiums? Und selbst auf den britischen Inseln vor den Küsten unseres Herrschaftsbezirks, die einst von den germanischen Stämmen der Sachsen und Angeln erobert wurden, herrscht die Royal Family aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha (seit 1917: Windsor). Wir sind wieder wer, sagt die AfD. Viele hören das gerne.
Jasper Van't Hof - Pili Pili. https://www.youtube.com/watch?v=butTVsxTv-0
Berichterstattung zu Rechtsextremismus
Der Kiezschreiber berichtet in der Regel nicht über Rechtsextremismus, um keinen Anreiz zur Nachahmung zu geben – außer Rechtsextreme wie Fast-Doktor Scheuer erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.
Wenn Sie selbst rechtsextrem sind, populistische und fremdenfeindliche Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de).
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Kommentare:

  1. Es ist für Brauchtumsjunkies sozusagen verpflichtend den altbewährten Traditionen zu folgen, sie zu erhalten und auszubauen.

    München war, ist und wird immer die "Hauptstadt der Bewegung" bleiben.

    Daran ändern auch Emporkömmlinge aus dem sächsischen "Tal der Ahnungs- und Hirnlosen" nichts.

    Schon gar keine Retortenbabies des Großkapitals, wie die AfD.

    Nur aus der CSU kommen die wahren Originale...

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  2. Wie sehr das Gau südlich der Donau leidet merkt der Insasse dieses Bundeslandes wenn ein nördlich der Donau Geborener Ministerpräsident wird oder gar werden möchte.
    "Mia san mia" und dann wird die Motorsäge angeworfen. https://www.youtube.com/watch?v=4H-WvBt2h58

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