Freitag, 19. August 2016

Unbequeme Wahrheiten - Blogstuff 60

„Ein großer Dichter ist ein Freund und Wohltäter seiner Leser.“ (Macaulay)
Neues aus der Wissenschaft: Putzfrauen und Küchenhilfen kann man jetzt in Hydrokulturen züchten. Kein Mindestlohn, keine Sozialversicherung. Verbrauchtes Personal ist kompostierbar.
Traum: Ich betrete ein Haus, in dem sich alles permanent verändert. Bautrupps reißen Wände ein, Maschinen graben hinter den Wänden das Erdreich weg, um den Bau zu erweitern, Möbel werden hinaus und neue Möbel hineingetragen usw. Mir gelingt es, einen Bautrupp zu einer Pause zu überreden und gehe an ihnen vorbei in einen Flur hinter der Wand. Hier leben ältere Frauen und Männer, die den ganzen Bau verwalten. Sie nehmen mich mit in ein Büro, wo auch mir eine Aufgabe zugeteilt werden soll. Während ich auf die Verhandlung meines Falls warte, wird über das Mittagessen von „Mutter“ gesprochen, die das Oberhaupt der ganzen Bürokratie ist. Als das Essen auf einem Tablett durch eine angrenzende Tür getragen wird, schlüpfe ich schnell hindurch und sehe „Mutter“: eine hinfällige Greisin, die scheinbar im Koma liegt und von Ärzten und Krankenschwestern betreut wird. Man zerrt mich zurück ins Vorzimmer und erklärt mir, man halte „Mutter“ künstlich am Leben, weil ansonsten die Arbeit am Bau noch viel härter wäre. Man bringt mich zu einem Wissenschaftler, einem freundlichen alten Herrn, der mir erzählt, er arbeite schon 59 Jahre an diesem Institut. Er verfasse Fachaufsätze zur Arbeit an diesem Bau, die jedoch in der wissenschaftlichen Debatte kaum eine Rolle spielen würden, da das Fach völlig von den amerikanischen Kollegen dominiert würde. Ich komme gar nicht zu Wort und beginne mich zu langweilen.
Die Gesellschaft der Freunde Grönlands e.V. lädt am Donnerstag in Schoppenhausen zu ihrer Jahreshauptversammlung ein. Es gibt ein kaltes Buffet und eisgekühlte Getränke.
Kann ich einer hundertvierzig Kilo schweren Frau trauen, die in ihrem Schlafzimmer ein Massagebett mit Münzeinwurf hat und auf ihrem Balkon zwei Blumenkästen, in den Pommes frites stecken, weil sie Kartoffeln züchten möchte?
Der Kabarettist wird fürs Reden bezahlt und das Publikum bezahlt fürs Zuhören. Beim Psychotherapeuten ist es umgekehrt.

„Westliche Werte – Die Homestory“
Ich schreibe gerade an einem Theaterstück, das im Förstermilieu spielt und mit zahlreichen allegorischen Anspielungen gespickt ist, die den Zuschauer mit einigen unbequemen Wahrheiten unserer Gesellschaftsordnung konfrontieren. Arbeitstitel: „Der ehrliche Politiker“.
A: „Entschuldigung, darf ich Sie mal was fragen?“ – B: „Sehr gerne. Wo bestehen denn bei Ihnen die größten Wissenslücken?“
Die weißhaarige Altschwulette, die auf der Hohenstaufenstraße genüsslich die braungebrannten Körper der spärlich bekleideten Gerüstbauer betrachtet.
Preisfrage: Zu welcher Berliner Delikatesse gehört das folgende Fragentryptichon? „Salat alles?“ – „Knoblauch oder scharf?“ – „Zum Mitnehmen?“
Hätten Sie’s gewusst? 387 v.Chr. eröffnet Platon seine Akademie in Athen. Sie wird 529 n.Chr. auf Befehl des Kaisers Justinianus geschlossen. Jeder weitere Unterricht in griechischer Philosophie wird verboten, die verbliebenen Lehrer gehen ins Exil. Platons Akademie bestand länger als jede deutsche Universität.
Der Fluch eines einzigen Hits, den du als junger Mensch hattest: Danach tingelst du dreißig Jahre über die Dörfer und singst für deinen kargen Lebensunterhalt auf Weinfesten, bei Autohauseröffnungen und silbernen Hochzeiten.
Was war zuerst da: Domino oder Domina?
Cheese Wars: „Ich bin dein Feta, Luke“. (Diese Pointe wurde von RTL abgelehnt)
Goltzstraße, ich sitze beim Essen auf dem Bürgersteig. Den Nachbartisch dekorieren zwei Frauen aus dem linken Bildungsbürgertum, die irgendein Projekt besprechen (die Homepage ist nicht „handy-kompatibel“!). Als ein alter Balkan-Bettler vorbeikommt und vergeblich seine Kunst zur Anwendung bringt, empört sich die eine: „Während ich esse. Dann gibt’s sowieso nichts. Unverschämtheit!“ Ihre Gegenüberin beginnt eine längere Suada über die „Sozialschmarotzer“ in Berlin und ihre Methoden. Ich schnorchele vergnügt in meinem Bananenshake.
Man könnte die Menschen auch in Einwegflaschen und Mehrwegflaschen unterteilen.
The Cascades - Rhythm Of the Rain. https://www.youtube.com/watch?v=bQstQST1GiM

Kommentare:

  1. Die Antwort auf die Preisfrage kann doch eigentlich nur Döner lauten. Bzw. Falafel. Oder? Ist es tatsächlich so einfach? Über die Pommes im Blumenkasten musste ich gerade sehr lachen. Und ich dachte immer, ich mag keine "Food Blogs" ...

    Es heißt übrigens nicht „handy-kompatibel“, sondern "responsive webdesign". Das hättest du den beiden +++++++ (zensiert) vom Nachbartisch in der Goltzstraße ruhig mal zurufen können!

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  2. Begnadeter Träumer, Dir ist aber hoffentlich schon klar, dass auch dieser Traum ein retrospektiver Wahrtraum über das Trauma der novellierten Revisionen der permanenten Reformation ist?

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    1. Ich staune über meine Träume, in den nächsten Tagen kommt noch mehr :o)

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  3. Was wolltest Du im Bundeskanzlerinnenamt? Arbeiten? Ist es wieder soweit?

    Geisteswissenschaften werden bei in der westlichen Wertegemeinschaft auch bald geschlossen. Unnützes Zeug befinden Banker, Berater und Assetmanager. Statt dessen nur noch Jura, BWL, VWL ud Kommunikationsdesign. Die ersten 3 lehren Lügen. Die vierte lehrt professionelles lügen.

    Ich tippe auf die Domina. Es reicht näher an meine Lebensbedürnissen heran. Und ich bin mir fast sicher, das die erste Domina herrvoragende Dominowürfel zubereiten konnte.

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  4. Goltzstr. Ecke Schwäbische Str.

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    1. Die Straßen kreuzen sich nicht. Ich war übrigens im "Indochina".

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  5. Der Frau ist unbedingt zur trauen. Sie sollte ehrliche Politikerin werden.
    Ihre Antwort wäre dann auch: "Mit alles und schaf."

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