Samstag, 16. Juli 2016

Hahn trifft Schwein

„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. (…) Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Matthäus-Evangelium, Kapitel 6)
Wissen Sie, was ein Schweinezyklus ist? Den gibt es in vielen Varianten, bei Produkten, Aktien, Immobilien oder in der Kultur. Ein Hersteller bringt ein neues Produkt auf den Markt, z.B. den „Energy Drink“, also Limonade mit Aufputschmitteln. Nennen wir das Produkt „Blue Cow“. Es wird ein Erfolg und findet viele Nachahmer. Bald gibt es viele Energydrinks, ein Preiskampf der Anbieter beginnt und am Ende ist der Markt übersättigt, weil er nicht endlos wachsen kann. Die Anzahl der Kunden findet ihre natürliche Grenze, da es nur eine bestimmte Zahl von Menschen auf der Welt gibt, deren Brieftaschen und Blasen ebenfalls endlich sind. Dann gehen die ersten Anbieter Pleite, der Markt pendelt sich nach der Übertreibung allmählich ein.
Ältere Leser kennen das Phänomen des Schweinezyklus vom „Neuen Markt“ (Internet- und Biotechnologieaktien), jüngere Leser kennen es aus dem Musikgeschäft oder der Mode-Industrie (Trendsetter und Trendfollower). Diese Entwicklung gibt es auch im Bereich der Gewerbeimmobilien, man erinnere sich an den Schweinezyklus bei Kino-Centern („Multiplexe“) und Einkaufszentren („Malls“). Es gibt den Schweinezyklus aber auch im Bereich der Regionalflughäfen – und nicht nur in Deutschland. In den letzten Jahren sind überall neue Flughäfen gebaut worden, weil sehr viele Regionen am wachsenden Flugverkehr partizipieren wollten. So schnell ist der Flugverkehr aber gar nicht gewachsen, es gab ein Überangebot von Flughäfen, einen Preiskampf der Anbieter und im Resultat defizitäre Geisterflughäfen in vielen Regionen.
Dazu gehört auch der Flughafen Hahn bei mir um die Ecke im Hunsrück. Er häuft Verluste auf (allein 2014 waren es 45 Millionen Euro) und wird weiter Verluste machen. Deswegen findet der Besitzer, das Land Rheinland-Pfalz (82,5 Prozent, Hessen gehört eine Minderheitsbeteiligung), auch keinen Käufer. Wäre der Flughafen profitabel, müsste man ihn ja auch nicht verkaufen. Bevor man also weiter ein unrentables Unternehmen mit Steuergeldern finanziert (im aktuellen Landeshaushalt sind 34 Millionen Euro vorgesehen), sollte man den Flughafen einfach schließen. Etwa 2.500 Beschäftigte müssten sich einen neuen Job suchen. Das ist die hässliche Seite des Schweinezyklus.
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