Dienstag, 5. Juli 2016

Das Sechs-Stufen-Modell der Problembewältigung

„Obgleich der Mensch biologisch verstanden ein Tier ist, wird von ihm herkömmlich, darunter auch in juristischen Kontexten, oft so gesprochen, als ob er keines wäre.“ (Wikipedia: Mensch)
Nach dem Modell von Dr. Madeleine Eutermann-Puffsofa gibt es sechs Stufen der individuellen Problembewältigung bei politischen Themen, die ich am Beispiel des Referendums über den Austritt Großbritanniens aus der EU („Brexit“) kurz erläutern möchte:
1. Ignoranz: Zunächst fällt man in einen Schockzustand. Man fühlt nichts, man ist wie betäubt. Es kann doch nicht wahr sein, dachte man an jenem Morgen, als man die Nachricht las. Jetzt mache ich mir erst mal einen Kaffee. Eine Melodie summen, an etwas anderes denken. Habe ich noch genug Marillenkonfitüre im Haus? La la la.
2. Panik: Das ist das Ende, denken Sie wenig später. Eins der großen Mitglieder verlässt die EU. Andere werden folgen. Die EU zerbricht, der Kontinent geht den Bach runter. Demnächst gibt es Krieg. Ich brauche mindestens eine Palette Marillenkonfitüre! Bevor den anderen die Konsequenzen klar werden, muss ich meine Hamsterkäufe machen. Sonst ist nichts mehr da, wenn ich in den Supermarkt komme!
3. Relativierung: Es wird schon nicht so schlimm werden. Die Briten müssen ja erstmal ihren Ausreiseantrag oder wie das heißt stellen. Und dann dauert es zwei Jahre, bis sie die EU wirklich verlassen. Bis dahin kann eine Menge passieren. Die Börse hat sich doch auch wieder beruhigt. Warum sollte ich in Panik geraten? Zum Glück habe ich nicht so viele Gläser Marillenkonfitüre gekauft, das Zeug wird doch auch irgendwann schlecht.
4. Akzeptanz: Dann treten die Briten eben aus der EU aus. Na und? Das ist doch nicht das Ende der Welt. Das Verhältnis zwischen den Briten und den anderen Europäern definiert sich nicht allein über die Bürokratie in Brüssel. Wenn ich nach London fliege, ändert sich ja nichts. Zum Schengen-Raum und zur Euro-Zone hat das Land schließlich nie gehört. Und wenn das Pfund ein bisschen abwertet, ist diese sündhaft teure Stadt wenigstens etwas günstiger. Die haben sicher auch ganz tolle Konfitüre dort, die sie dann ohne Auflagen aus Brüssel (Stichwort „Marillenkrümmung“) herstellen dürfen.
5. Widerspruch: Die Briten werden nie aus der EU austreten. Die Brexit-Wortführer haben alle kleinlaut ihren Rücktritt erklärt, der wahnsinnige Premierminister, der diese überflüssige Abstimmung angesetzt hat, wird demnächst ebenfalls von der politischen Bühne verschwinden. Die Entscheidung war erstens äußerst knapp und hat zweitens nur empfehlenden Charakter für die Regierung und das Parlament. Im Herbst wird eine neue Regierung gewählt. Und die wird sich vielleicht gar nicht mehr an die Entscheidung gebunden fühlen. Sie wird den Wahlkampf zu einer zweiten Abstimmung über die EU-Mitgliedschaft machen. Oder man verschleppt die Austrittsverhandlungen. Darin haben Politiker Übung.
6. Neuanfang – das nächste Thema: Nach den Sommerferien ist das Thema „Brexit“ sowieso gegessen. Dann geht es um die Wahlen in den USA. Wenn Trump Präsident wird, bricht garantiert ein Krieg aus. Das ist das Ende! Panik!! Ich brauche mehr Marillenkonfitüre. Und warum, in Gottes Namen, geht es hier die ganze Zeit um diese verdammte Marillenkonfitüre? Vielleicht sollte ich in Zukunft meine Texte nach dem Frühstück schreiben.
Eric Clapton - I Shot The Sheriff. https://www.youtube.com/watch?v=tRgcwT9X2J8