Dienstag, 19. Juli 2016

Blogstuff 57

„Giovanni wusste nicht, was er zu fürchten hatte. Noch weniger wusste er, was er hoffen durfte. Doch Furcht und Hoffnung stritten beständig in seiner Brust, besiegten einander und standen wieder auf zu neuem Streit. Gesegnet seien alle einfachen Gefühle, düstere und helle! Das geisterhafte Gemisch aus beiden lässt die lodernde Flamme des Inferno entstehen.“ (Nathaniel Hawthorne: Der Garten des Bösen)
Gestern Abend habe ich ziemlich viel getrunken und dann dem türkischen Präsidenten auf den Anrufbeantworter gesprochen. Rechnen Sie also in den nächsten Tagen mit diplomatischen Verwicklungen.
Mein Bauch ist größer als mein Gehirn. Wer die Entscheidungen trifft ist klar, oder?
Kennen Sie einen erfolgreichen Idealisten? Ich meine jemanden, der seinen Idealen ein ganzes Leben lang treu geblieben ist, und ein gutes Leben führt. Ich sehe nur Idealisten, die ihr Leben lang Kompromisse machen mussten und am Ende abgeschliffen wie ein Kieselstein sind, den ich am Rheinufer finde.
Bei Perrypedia lese ich unter der Rubrik „Zeitverbrecher“: „Der lemurisch-halutische Krieg brach 50.080 v. Chr. aus, nachdem die Uleb 300 Millionen Bestien in die Milchstraße entsendeten, als Zeitexperimente der Lemurer - und auch der Meister der Insel in der Zeit der Lemurer - bekannt wurden.“ Darüber wird noch zu sprechen sein.
Hätten Sie’s gewusst? Merkel und Gabriel haben sich im Internet kennengelernt.
„Nur noch 48.521 Stunden“ – ein Actionfilm zum Thema Arbeitsleben. Jetzt im Kino!
Mittagessen in der Kiezschreiber-Redaktion? Ich drücke mir eine halbe Tube Tomatenmark in den Mund und arbeite weiter. Das aktuelle Thema: Stefan Austs rätselhafter Aufstieg von den „St. Pauli Nachrichten“ über den „Stern“ zum „Spiegel“ – obwohl der Typ nix drauf hat außer Zahnbelag. Heute ist er Herausgeber der „Welt“ (verkaufte Auflage am Kiosk: 12.000 pro Tag). An ihm kann man exemplarisch erkennen, wie aus kritischem Journalismus stromlinienförmige, rückgratlose Hofberichterstattung von angepassten Arschkriechern wurde, wie aus einem Nachrichtenmagazin, das seine Feindschaft zum mächtigen Helmut Kohl sorgsam pflegte, ein billiges und thematisch beliebiges Boulevardblättchen wurde.
Zwiebelsuppe, die ohne einen Schuss Weißwein zubereitet und nicht mit Käse überbacken wird, kann ich keinesfalls empfehlen. Jetzt werden Sie fragen: „Kiezschreiber! Wie machst du Zwiebelsuppe?“ Nun, ich öffne eine Konserve, schütte sie in einen Teller und stelle sie für drei Minuten in die Mikrowelle. In der Zwischenzeit lese ich auf einem Sessel im Speisezimmer in der neuesten Ausgabe von „Mein schöner Garten“ den Bericht mit dem Titel „Alle lieben Buntnesseln“. Ich bin im Übrigen dezidiert anderer Meinung: Mir sind Buntnesseln von Herzen gleichgültig.
Kennen Sie diese mobilen Würstchenverkäufer? Die ihren Bratrost umgeschnallt haben? So einer steht jeden Morgen bei mir vor dem Haus und verfolgt mich den ganzen Tag. Aber der Mann verdient gutes Geld, denn ich esse eben gerne und bin von Hause aus konziliant.
Vielleicht hätte ich den Polizisten nicht fragen sollen, was er eigentlich beruflich macht.
Werbung: „Von allen guten Kleistern verlassen – Maler und Tapezierer in der Krise?“ Ein erschütternder Undercover-Report von Lupo Laminetti. Jetzt an Ihrem Kiosk!
Warum zeigt man anderen Menschen eigentlich einen Vogel? Und wann genau gibt man Fersengeld?
Mein Lieblingsbuchanfang: „Alphonse de la Baguette und Maurice Lafontaine, die früher Alfons Bäcker und Moritz Wasserstrahl hießen, …“
Um eventuellen Gerüchten vorzubeugen: Andy Bonetti war am 22. November 1963 nicht in Dallas.
Der Tod von Prominenten hat etwas Wohltuendes. Endlich geht es in den Medien für einen kurzen Augenblick nicht um Skandale und Nervensägen in den Regierungspalästen und Chefetagen, sondern wir hören Gutes über einen Menschen und können ein wenig traurig und sentimental sein, statt nur zu hassen.
Ein Junge, den ich in meiner Kindheit in Ingelheim kannte, wurde Revue-Tänzer im „Lido“ an der Champs-Élysées. Später ging Michael Mehlig für das Lido nach Las Vegas und organisierte als Produzent Tanzshows des Lido im Chippendales-Stil auf Mallorca.
Frank Zappa - Cocaine Decisions. https://www.youtube.com/watch?v=K_WgCGOWae4
P.S.: Kokainentscheidungen werden ja oft aus der Nase heraus getroffen.

Das bescheidene japanische Teehaus im Garten der Villa Bonetti wird von dem ehrwürdigen Kampfmönch Pra Lin Ski bewohnt.

Kommentare:

  1. So! jetzt habe ich es endlich geschafft, alle deine Veröffentlichungen seit dem 13. Juli zu lesen, manches habe ich sogar verstanden (glaube ich). BS 57 gefällt mir besonders. Und die Texte über Israel/Island, Rigaer Str. und Alt-68er.

    Und ab Freitag für einen Monat weite Teile Deutschlands mit deiner persönlichen Anwesenheit beehren.

    Ab und zu muss man sich als Literaturgigant dem Pöbel zeigen, aber gleich 4 Wochen lang? Etwas ausufernd, aber Du wirst schon wissen, was notwendig ist. Gewährst Du Audienzen oder darf das Volk sich dir bei zwanglosen Treffen nähern?

    Genug Unsinn gesabbelt. Ich wünsche Dir eine schöne Reise, viele angenehhme Stunden mit Freunden und nur die besten Restaurants.

    Komm gesund wieder, vielleicht auch erholt, aber in jedem Fall voller Kraft und neuen Ideen.

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  2. Ja, die Restaurants. Ich habe tatsächlich eine Liste ... ein Restaurantbesuch an jedem Tag. Einige davon wird mein Tour-Manager Heinz Pralinski in meinem letzten Blog-Beitrag vor dem Besteigen des Orient-Express am Freitag um 9 Uhr Ortszeit Bad Nauheim noch benennen.

    Vielen Dank für Deine guten Wünsche. Ich hoffe, wir hören ab Mitte August wieder voneinander.

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