Sonntag, 19. Juni 2016

Blogstuff 50

„Virtual reality isn’t what it used to be.” (Zippy)
Ist der Begriff „Rektalkarzinom“ für Joseph Gauland von der AfD eigentlich schon eine Beleidigung oder ist das noch Satire?
Erdogan: Diplom getürkt?
Hab ich mal von dem einarmigen Piloten erzählt, der mich in einer Fieseler Storch über den Ärmelkanal geflogen hat? Das war dieses verrückte Rennen rund um die Welt, in dem man nur Verkehrsmittel benutzen durfte, die älter waren als man selbst. Gewonnen hat irgendein dreijähriger Chinese, hab den Namen vergessen …
Wissenswertes aus der Raumfahrt: In zwei Millionen Jahren erreicht die Pioneer 10-Sonde das Doppelsternsystem Aldebaran. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Warum finde ich auf der Speisekarte eines veganen Restaurants im badischen Mühlacker „Seitan-Sauerbraten“, „Veggie Bleu“ und „Mais-Nuss-Braten“? Es muss mehr geben als die fleischlose Kopie der typisch deutschen Küche.
Die Medien müssen offenbar im Internet in jeder Stunde so viele Nachrichten bringen, mit denen man früher eine ganze Tageszeitung gefüllt hat. Deswegen ist es inzwischen auch eine Meldung, wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft mit dem Flugzeug irgendwo gelandet und auf dem Weg ins Hotel ist. Oder wenn eine Frau ein Männerländerspiel im Fernsehen kommentiert. Was es heute alles zur Ticker-Meldung bringt – es ist einfach unglaublich. Wieso machen wir das Geschlecht, die Hautfarbe oder die Herkunft von Kommentatoren, Spielern und ganz allgemein von Menschen überhaupt zum Thema?
Hätten Sie’s gewusst? Das Jahr 2016 besteht aus 31,6 Millionen Sekunden. Erzählen Sie also niemandem, Sie hätten keine Zeit. Übrigens ist das Jahr für alle Menschen gleich lang, wird aber unterschiedlich lang wahrgenommen.
Wann genau „macht man sich aus dem Staub“? Wo „holt Bartel den Most“? Wie „sattelt man die Hühner“? Die Migranten werden diese Sprache nie begreifen. Ich begreife sie ja selbst nicht.
Johnny Malta hat einen Literaturzirkel gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Zahl der Konsonanten zu halbieren. Vor allem die harten Konsonanten wie K und T hat man dabei im Blick.
Neben mir im Bus sitzt Commodore Wischfinger. Scheint wichtig zu sein.
Tipp: Wenn Sie sich dem rassistischen Diskurs, beispielsweise in einer deutschen Kneipe, behutsam und mit ethnologischem Geschick nähern wollen, benutzen Sie bestimmte Codewörter für Migranten. Fangen Sie mit „Kuffnucken“ an. Hat angeblich die Titanic-Redaktion erfunden. Kuffnucken gibt es gar nicht und selbst bekennende Marxisten benutzen diesen Ausdruck. Ist nur Spaß. Gehen Sie dann zu „Molukken“ oder „maximal Pigmentierte“ über. Anerkannte Ausdrücke der Umgangssprache von Wählern der SPD und der Grünen nach dem dritten Bier. Als nächstes benutzen Sie den Ausdruck „Sandneger“ für Araber. Wenn dann immer noch kein Widerspruch am Tisch zu hören ist, haben Sie die richtige Gruppe gefunden. Hören Sie mal zu. Wir sind noch nicht im Jahre 1941, wenn die historische Analogie erlaubt ist, aber im Jahre 1932. Niemand will die Migranten töten, es geht aktuell nur um Vertreibung.
Kann „Getränkemarktfachverkäuferin“ wirklich das Ziel sein?
Brexit: Am Ende des Tages werden sich die Briten so pragmatisch entscheiden wie wir alle es tun würden. Es gibt – zu Recht – eine Menge zu meckern an der EU, aber es weiß niemand, wie es ohne sie wäre. Motto: Lieber eine hässliche Frau als gar keine.
In Frankreich hat die Regierung vor sieben Monaten den Ausnahmezustand erklärt. Jetzt hat die Bevölkerung der Regierung den Ausnahmezustand erklärt und streikt. Während zur Fußball-EM die Weltpresse angereist ist. Mister Bonetti drückt allen Franzosen außerhalb der Stadien die Daumen.
Wenn ich Rentner bin, möchte ich den ganzen Tag Falschparker anzeigen und Radfahrer auf dem Bürgersteig anbrüllen.
In Strümpfe gestopfte Wurstmasse.
Klaus Nomi - Falling In Love Again. https://www.youtube.com/watch?v=k2Nn5JhKQyU

Manfred Deix

Kommentare:

  1. Zu nicht begriffener Sprache: Wie funktioniert "jemanden aufs Schwein gehen"? Das wäre auch noch so was. Ich kenne das synonym für "jemanden auf den Geist gehen" und das ist auch so was. Rein wörtlich funktioniert "auf den Nerv gehen" schon nicht wirklich. Genau auf einem Nerv kann man nicht gehen.

    Literaturzirkel: K und T. ist schwierig. Wenn man Mutter zu Muer macht, kann man gleich Kuh sagen, aber ohne K ist das kein Wort mehr... Hat dein Malteser nicht zuende gedacht.

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    1. Ich glaube, der Meisder dengd eher an Redugdion durch Subsdidudion (zuviel Frangen dud nichd gud)

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    2. Da hat Ackerman recht, die Wrangen kommen mit deutlich weniger Buchstaben durchs Leben.

      Die Tastatur würde auch kleiner werden! Weniger Tippfehler, mehr Lebenszeit usw.

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    3. Könnte was dran sein. Das hawaiianische Alphabet hat angeblich nur zwölf Zeichen und die Typen dort haben es auch gut. Der Franke, der Hawaiianer Deutschlands?

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    4. (Hoffen wir mal, dass du mit deiner Briten-Prognose recht hast...)

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    5. Überall erhebt der Nationalismus sein hässliches Haupt. Österreich war ja auch denkbar knapp ...

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  2. Nu, des versteh I als. Aba Mundart schriwwe (und dann auch noch so ein Mischmasch) is fei ned ungomblicird. I sprisch als alls durchananda, des langd de meist Leit scho.

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    1. Ich finde ja, als Autor sollte man die Sprache ganz frei handhaben. So wie Arno Schmidt. Dann merkt auch keiner, dass die Rechtschreibreform komplett an einem vorübergegangen ist.

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  3. Aus dem Staub machen : Krieg, Schlacht, Staub, abhauen.
    Hühner satteln: dämlicher Spruch aus den 70ern.
    Man sagte damals, Sattelt die Hühner, Wir reiten nach Texas.
    Unfug eben..........

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