Sonntag, 10. April 2016

Blogstuff 34 – oder nur die mutlosen Kritzeleien eines Minderbegabten?

„Unter all den Myriaden von Dichtern, Rhetorikern, Philosophen und Sophisten der früheren Zeiten hat (…) kaum ein Werk von tausend überlebt; nomina et libri cum corporibus interierunt, ihre Werke und Körper sind miteinander verwest. Es trifft nicht ein, was sie in ihrer Eitelkeit glauben, dass ihnen Bewunderung und Unsterblichkeit gewiss sind.“ (Robert Burton: Die Anatomie der Melancholie)
Hätten Sie’s gewusst? Manche Geschichten von Andy Bonetti sind so nervenaufreibend, dass er beim Schreiben ein Stuntdouble braucht.
Jedes seiner Beine wog so viel wie ein Gymnasiast.
Ist es nicht unfassbar, dass wir diese ganze komplizierte Welt nur dazu erschaffen haben, uns das Leben ein bisschen einfacher zu machen?
Die etablierten Parteien sind einander so ähnlich geworden; sie haben nur eine einzige Perspektive, einen immer gleichen Blickwinkel auf die Gesellschaft. Sie sind wie die Nornen, die nur ein Auge haben, das sie sich gegenseitig ausleihen.
CEBIT-Neuheit: die intelligente Mettwurst. Schmeckt lecker und verwandelt sich im Magen in eine kalorienfreie Flüssigkeit. Ohne Geschmacksverstärker, künstliche Aromen oder andere Chemie!
Was waren das für Zeiten, als ich als junger Mann mit abgewetzter Jeansjacke und Zehn-Tage-Bart am Bahnhof Zoo mit einem angedeuteten Nicken und fragendem Blick wortlos auf das Thema Drogen angesprochen wurde. Jetzt stehe ich dort grauhaarig in Jack Wulfskin-Uniform am U-Bahnsteig und ein junger Mann spricht mich an: „Ich bin von einer evangelischen Gemeinde. Möchten Sie an unserem Bibelunterricht teilnehmen?“
Berlin ist so hip – jetzt soll angeblich sogar der BVG-Fahrplan verfilmt werden.
Die mächtige Bronzestatue eines berühmten Entdeckers weist mit ausgestrecktem Arm auf einen fernen Horizont – in Wirklichkeit zeigt der Finger auf den dritten Stock einer Mietskaserne, deren Anstrich längst vergilbt ist.
Es ist nichts anderes als die Gewohnheit, die uns beim Blick in den Spiegel das eigene Gesicht vertraut erscheinen lässt. Sehen wir einen Teil unserer Haut in einem Schminkspiegel stark vergrößert, haben wir den Eindruck, wir betrachten die Oberfläche eines unbekannten Planeten.
Die Halbschuhe der alten Frau hatten die Farbe von flüssigem Schweinekot.
Der feuchte Glanz ihrer riesigen dunklen Pupillen erinnerte mich an einen Seehund.
Das ist Berlin: Nach einem köstlichen mehrgängigen Menü im iranischen Restaurant „Olivengarten“ in der Spichernstraße komme ich auf dem Rückweg nach wenigen Schritten an dem Haus vorbei, in dem Bert Brecht die „Dreigroschenoper“ geschrieben hat.
Die elektronischen Klänge der Melodie tropften einzeln herab, als hallten sie von den Wänden einer großen Höhle wider.
Meine linke Hand ist eingeschlafen. Was sie wohl gerade träumt?
Welcher Gedanke ist wirklich neu, wenn siebeneinhalb Milliarden Menschen den ganzen Tag denken?
Wir hatten jetzt Frauen, Farbige, Homosexuelle und Behinderte in hohen Staatsämtern. Hier und anderswo. Genutzt hat es nix. Aber wenigstens hätten wir das mal geklärt.
Werbung: Jetzt neu! „Hegel Knoblauch mit scharf – Berliner Leitkultur“ von Andy Bonetti. Neue Argumente zu einer alten Debatte. In Ihrer Bahnhofsbuchhandlung.
Max Frisch schreibt in seinem „Tagebuch 1966-1971“ über seine erste Begegnung mit Brecht Ende 1947 in Zürich: „ein Mann in der Fremde, die seine Sprache spricht“. Nach zwölf Jahren Exil war der deutsche Schriftsteller pleite, aber mit einem Koffer voller Manuskripte aus Amerika zurückgekehrt. „Vielleicht kommen Sie auch einmal in diese interessante Lage“, sagte er zu Frisch, der ihm von seinen Reisen durch das zerstörte Deutschland berichtet hatte, „dass Ihnen jemand von Ihrem Vaterland berichtet und Sie hören zu, als berichtete man Ihnen von einer Gegend in Afrika.“
Über seine Schweizer Heimat hat Frisch einmal geschrieben: „Ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr: man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.“
Hätten Sie’s gewusst? Das Saarland und die Insel Borneo haben auf der Landkarte denselben Umriss.
P.S.: Der neueste Trend aus Berlin: BierYoga. „BierYoga ist die Kombination aus einer Yogastunde mit zwei Flaschen Bier.“ Kein Scherz!
http://bieryoga.de/
The Sound – Fatal Flaw. https://www.youtube.com/watch?v=0z078J2VlDo

Kommentare:

  1. Der Analytiker der Melancholie unterstellt schwarzgallig dem Geschreibsel ziemlich dämliche Motive.
    Tatsächlich verhält es sich bei Ausdruckszwängen so, dass beispielsweise die Henne halt nix gegen das Herausrutschen der Eier in der Hand hat.
    Ich hab mal eine Eintagsfliege gefragt, was sie angesichts der Myriaden Ihresgleichen von sich halte.
    Sie seufzte schicksalsergeben:"Noch so ein philiströser Moralist!"

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    1. Schreiblust mag uns beide antreiben und viele andere Blogger, aber Eitelkeit, Geltungssucht und Geldgier sind leider die Motive etlicher Autoren, deren Namen wir in den Zeitungen lesen.

      Burtons Buch kann ich nur empfehlen, ein schrulliges Buch voller Anregungen, im 17. Jahrhundert geschrieben. Ich hatte es zwanzig Jahre nicht mehr in der Hand.

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  2. Die elektronischen Klänge der Melodie tropften einzeln herab, als hallten sie von den Wänden einer großen Höhle wider.

    Herrlicher Satz! :) (Und passt so schön zu dem alten Elektronik-Kram, Eno zum Beispiel, derzeit durchs Atelier klingt.)


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