Samstag, 5. März 2016

Warum ich keine guten Vorsätze mehr brauche

„Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehen, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken.“ (Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung)
Haltung bewahren, Contenance, wie meine Urgroßtante französischerseits Mauricette Monplaisir es formulierte, weder Fassung noch die Ruhe des Gemüts verlieren, sondern die Dinge beim Namen nennen: Ich werde fünfzig. Im Sommer. Und ich habe beschlossen, dass ich keine guten Vorsätze für die zweite Halbzeit meiner irdischen Existenz mehr benötige.
Sport? Ich bitte Sie. Tennisarm, Aduktorenzerrung, Wachkoma – und täglich liest man von adipösen Erst-Joggern, die in den Grünanlagen unserer Städte mühsam reanimiert werden müssen. Überflüssige Bewegung ist eine Herausforderung des Schicksals.
Geld? Ich mache mir nichts vor. Ich hatte nie welches und es wird auch keines an die Tür klopfen. Wozu das Konto ausgleichen, wenn es inzwischen Negativzinsen auf Sparguthaben gibt? Im Prinzip müsste mir die Bank doch noch Geld schenken, wenn ich bereits am Monatsanfang hüfthoch im Dispo stecke.
Diät? Habe ich alle durchprobiert. Zumindest theoretisch. Haben Sie mal gelesen, auf was man alles verzichten müsste, wenn man die Sache ernst nimmt? Die Erde ist der einzige Planet im Universum, auf dem es Schokolade und Kartoffelchips gibt. Ich bekomme schon Verlustängste, wenn ich das Wort „Light“ auf einer Verpackung lese.
Ordnung? Warum sollte ich dem Chaos in meinem Haus – und damit der Entropie und damit den Prinzipien der Physik, nach denen das gesamte Weltall funktioniert – meinen schwachen Willen entgegensetzen? Und wo es unübersichtlich ist, wird es spannend. Man findet oft tolle Sachen. Zum Beispiel eine angebrochene Schachtel Kekse unter der Bettdecke.
Baum pflanzen, Kind zeugen, Haus bauen? Schauen Sie mal aus dem Fenster. Alles voller Häuser, Bäume und schreiender Kinder. Ich werde auch nicht mehr Kant oder Schopenhauser lesen, obwohl ich mir das seit dem ersten Semester 1987 vorgenommen habe. Die Aphorismensammlungen im Internet müssen reichen.
Alkohol und Zigaretten? Jetzt auf der Zielgeraden nicht aufgeben!
Pläne? Wie viel Zeit spart man, wenn man auf Pläne und To-do-Listen verzichtet? Nein, die nächsten fünfzig Jahre werden extrem entspannt.
Fischer Z – Marliese. https://www.youtube.com/watch?v=j6TAevvtFfE

Kommentare:

  1. Das drucke ich mir aus und hänge es gut sichtbar ins Haus.

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    1. Ohne impertinent erscheinen zu wollen - Ist es bei dir auch bald soweit?

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    2. Nächstes Jahr. ("Hach, das sieht man Dir aber gaaar nicht an!", musst Du jetzt rufen.)

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    3. Dolce Madonna Bionda.

      Mir fehlt die Würde und die innere Größe, um deine Persönlichkeit auch nur in Umrissen anzudeuten. Der Odenwald ist lediglich ein unbedeutender Rahmen für den Prozess deiner Vervollkommnung.

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  2. Mit Fünfzig habe ich mir ein Matra angeschafft: Die Leute sind doof.

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    1. Du hättest dir mit fünfzig auch einen Manta anschaffen können. Das wirkt auf die schönen Frauen immer besser als eine buddhistische Slipeinlage ;o)))

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