Donnerstag, 11. Februar 2016

Wahnsinn, Wahlkampf, Wrestling – Wo ist da der Unterschied?

"Der immanente Irrsinn der Globalisierung bringt Wahnsinnige hervor, so wie eine unausgeglichene Gesellschaft Delinquenten und Psychopathen erzeugt." (Jean Baudrillard)
Donald Trump, der als republikanischer Präsidentschaftskandidat in den Vorwahlen in Führung liegt, ist nicht nur in der Immobilienwirtschaft aktiv, sondern auch im Wrestling-Geschäft. Im Wrestling sind bekanntlich die Kämpfe abgesprochen, der Verlauf der Kämpfe und die Sieger stehen bereits vorher fest. Aber auch die langfristige Entwicklung von Kämpfern und ihren Rivalitäten folgt einer bestimmten Dramaturgie. Diese „Drehbücher“ für die einzelnen Shows und die gesamte Saison nennt man „Storyline“. Die Storylines erhöhen den Unterhaltungswert des Wrestlings für die Zuschauer und die Planbarkeit der Entwicklung für die Veranstalter. Einzelne Wrestler und das entsprechende Marketing können auf diese Weise systematisch aufgebaut werden. Ein Element der Storyline ist das „Kayfabe“: Wrestler und Promoter versichern, dass nichts gespielt oder vorher abgesprochen ist, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Natürlich ist Kayfabe wiederum Teil der Show.
Warum erzähle ich Ihnen das? Sie interessieren sich vermutlich genauso wenig für Wrestling wie ich. Weil ich mir folgendes Szenario vorstelle: Donald Trump ist mit den Clintons eng verbunden und hat mit großen Summen Hillary Clintons Wahlkampf 2008 unterstützt. Was wäre, wenn er nur zum Schein den durchgeknallten Rechtsaußen der Republikaner gibt, der alle Mexikaner aus dem Land schmeißen und keine Muslime mehr ins Land lassen will, der sich frauenfeindlich und kriegsgeil gibt, obwohl er im liberalen Multikulti-New York geboren und aufgewachsen ist? Jeder weiß, dass ein solcher Kandidat in landesweiten Wahlen bei den Frauen, Farbigen und Latinos keine Chance hätte – und die durchgeknallten Rednecks sind nun einmal eine Minderheit und bevorzugen im Zweifelsfalle religiöse Fanatiker. Hillary Clinton könnte er mit dieser Strategie zum Sieg verhelfen.
Ich hoffe darum, dass Bernie Sanders, der linke jüdische Gruftie aus dem Kreuzberg Amerikas, Vermont, der nächste US-Präsident wird und diese groteske Storyline nicht zum Ziel führt. Gebt Ronald Dumpf keine Chance!
Fun Facts For Fans: Wissen Sie, wann in Deutschland zuletzt ein Präsident direkt gewählt wurde? Das war 1932. Zur Wahl standen der Kriegsverbrecher Paul von Hindenburg (parteilos), Adolf Hitler (NSDAP), Ernst Thälmann (KPD) und Theodor Duesterberg (DNVP – die republikfeindliche Deutschnationale Volkspartei ging, nach Jahren enger Kooperation, im Juni 1933 in der NSDAP auf; ihr bewaffneter Arm, der rechtsextremistische „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ wurde in die SA eingegliedert - und 1951 in Köln neu gegründet).
Was für eine Wahl ... Die SPD verzichtete übrigens auf einen eigenen Kandidaten und unterstützte gemeinsam mit den Linksliberalen Hindenburg, der die Wahl gewann und kurz darauf den Republikfeind Franz von Papen zum Reichskanzler machte, dem wenig später Kurt von Schleicher und anschließend Adolf Hitler folgten. Der Rest ist bekannt: Als Hindenburg 1934 starb, gab es keine Demokratie und keine Wahlen mehr. Hätte, hätte, Schlaftablette. Aber hätte sich das linke Parteienspektrum damals auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt, wäre die Weltgeschichte anders verlaufen.
„Das Jahr 1932 wird unser Jahr sein, das Jahr des endlichen Sieges der Republik über ihre Gegner. Nicht einen Tag, nicht eine Stunde mehr wollen wir in der Defensive bleiben – wir greifen an! Angriff auf der ganzen Linie!“ (Karl Höltermann, SPD, im Dezember 1931)
P.S.: Als ich geboren wurde, lebten Franz von Papen, Karl Dönitz und Albert Speer noch. Rudolf Heß saß im Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Die echten Nazis waren noch mitten unter uns. Das können sich die Schnullerbacken, die heute auf Antifa-Demos gehen und dabei eine Stunde lang mit dem Bier in der Hand auf ihr Smartphone starren, gar nicht vorstellen.
Heartless Bastards - Only For You. https://www.youtube.com/watch?v=F8wqmh3KybI

Kommentare:

  1. Wer hat Uns verraten ?
    Sozialdemokraten !
    Nee was, iss doch langweilig.

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  2. Feine Beobachtungen zum „Vorwahlkampf“ in den USA. „Wrestling“ trifft es. Und leider trifft ein Trump den Unterhaltungsnerv seiner, zum größten Teil, suboptimal bemittelten Landsleute.
    Die Theorie zur Verbindung „Killary (Esel) – Donald (Elefant, die GOP)“ hat vermutlich mehr Substanz als real ertragbar ist.
    Was auch zeigt, das „Republicans“ und „Democrats“ fast komplett identisch geworden sind. Auch kein wirkliches Wunder, denn finanziert und getragen werden sie beide vom Großkapital, Konzernen und Besitzenden.

    B. Saunders, ein Kind Brooklyns, mag eine Ausnahme in diesem Zirkus sein, jedoch gebe ich zu Bedenken, das seit Lincoln (der erste Elefant, glaube ich) kein US-Präsident mehr genug „Eier“ hatte, das Establishment zurechtzustutzen (das Nichtbeißen von Händen, die das Futter streuen). Kein Roosevelt und auch kein Kennedy. Vom Drohnenhüter Obama ganz zu schweigen.

    Nein, Clinton ist wirklich gefährlich für diese Welt, Trump wird „überraschend“ verzichten, „Empfehlungen“ aussprechen, irgend etwas mit Gesundheit, oder so..
    Wir werden sehen, uns bis dahin an weiteren verbalen Tiefschlägen eines sich durchgeknallt gebenden, eiskalten Immobilienhais mit dem Hang zu Models, delektieren dürfen. Große Show, das können die Amis wirklich.

    Und eine schöne Geschichtsstunde, über die bereits der Mantel des Vergessens, fest verzurrt, gebreitet wurde.

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