Freitag, 19. Februar 2016

Öffentlichkeit und Revierverhalten

„Jetzt ist wieder von Deutschland die Rede, von Vaterland und Heimat. Deutschland, dessen Seele als Rauch aus den Krematorien zum Himmel aufgestiegen ist.“ (Lupo Laminetti)
Sie kennen es aus dem Tierreich, meine sehr verehrten Damen und Herren. Es gibt grundsätzlich nur drei mögliche Verhaltensweisen im Umgang mit einer anderen Spezies: Angriff, Flucht oder Tarnung. Wenn wir heute also über den öffentlichen Raum und unser Verhältnis zu ihm sprechen, gibt es nur diese drei Möglichkeiten.
Wie Sie wissen, wird der öffentliche Raum – spätestens seit vergangenem Jahr - von rechtsradikalen Elementen, von völkisch erweckten Legasthenikern, von Horden völlig enthemmter Dauerdemonstranten und Leserbriefschreiber usurpiert. Genährt am welken Busen der sogenannten Leitmedien schwingt sich eine Minderheit von etwa zehn Prozent der Bevölkerung zu einer gefühlten Mehrheit auf, die angeblich „das Volk ist“. Ein paar Tausend Schreihälse, die sich offenbar nur in der Gruppe wohlfühlen, marschieren durch die sächsische Provinz und schaffen es, regelmäßig in die Schlagzeilen zu kommen. Eine Gunst, die den zweihunderttausend TTIP-Gegnern, die sich in Berlin versammelt haben, leider verwehrt blieb.
Solchermaßen gemästet mit öffentlicher Aufmerksamkeit schwingt sich die braune Horde zur Meinungsführerschaft in den sogenannten sozialen Medien und auf der Straße auf. Was ist zu tun, liebe Landsleute? Da gibt es die Fraktion, die dem öffentlichen Raum den Rücken kehrt. „Einfacher wäre der Rückzug der Intelligenzija in ihre historisch bewährten Reviere: redaktionell gestaltete Zeitungen und Zeitschriften, Seminarräume, Hinterzimmer, private Salons, geschlossene Gesellschaft.“ (Tilman Baumgärtel: Kopf ab, Rübe runter, taz 16.2.2016)
Flucht ist immer einfach. Aber wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen, hat Herbert Wehner einmal gesagt, der bekanntermaßen zur Abteilung Attacke gehört hat. Dann überlässt man den öffentlichen Raum, die politische Debatte dem Pavian, der am lautesten kreischt. Was ist die Alternative? Schweigen? „Weiß nicht“ ankreuzen? Das wäre Tarnung. Auch wenn es weh tut: Es bleibt nur der Angriff. Das heißt: Selbstbewusstsein im Angesicht blühender faschistischer Landschaften. Und man sollte die Medien meiden, die den Pavian hofieren, ihm eine wohlfeile Bühne verschaffen und dem dumpfen Gebrüll einer Minderheit huldigen.
This Eternal Waiting – Darkness. https://www.youtube.com/watch?v=iUifxGqpWz0

Kommentare:

  1. Der Sympathien versprühende Herr, der den Text visuell begleitet, ist aber nicht Herbert Wehner? Eher Fidel oder Raul in sehr jungen Jahren? Oder Old Surehand in der Fassung von R. W. Fassbinder?

    Jedenfalls ein Vertreter der aktiven „Angriffs“-Fraktion; zurückhaltende Tarnung bzw. ein systematischer Retirierer sehen m. E. anders aus. Aber was weiß denn ich schon?
    Angriff! Gut, bin dabei.

    Wen greifen wir zuerst an: hohlköpfige „Spaziergänger“ mit und ohne Reichskriegsflagge, Parteizentralen, BA, Verlagshäuser, Banken, Versicherungen, den „Reichstag“, Beraterzentralen, Lobbybuden, DGB, DFB, ADAC, Ministerien, Stiftungen, Polit-Talkshows? Den nächsten Frittentempel, zwecks Stärkung?

    Lass uns würfeln, bei einem Fässchen Spätburgunder!

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    1. Das ist der Ex-Profi-Boxer Randall Cobb, der in "Arizona Junior" von den Coen-Brüdern einen Kopfgeldjäger spielt. Einfach nur gut ...

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  2. Kannst Du den auch verpflichten, einziehen, um Unterstützung bitten? Er sieht aus, als ob er behilflich sein önnte...

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