Samstag, 13. Februar 2016

Meister Tang vom Wolkenmondberg

Hellgrau wie verwittertes Holz sein Gesicht. Die Falten tiefschwarz eingekerbt, als seien sie geschnitzt. Die kleinen Augen unter buschigen Brauen verborgen. Das schlohweiße Haar zu einem Zopf gebunden. So sitzt er im Schneidersitz vor seiner Höhle und wartet auf den nächsten Schwachkopf mit seinen dummen Fragen, die nur von der Eitelkeit und Oberflächlichkeit der Welt am Fuß des Berges Zeugnis geben.
***
Ich kenne eine Frau, die hat vier Kinder, dazu Hund, Katze, Mann. Wenn ich mit ihr telefoniere, habe ich immer den Eindruck, ich rufe am Hauptbahnhof an. Ich selbst bin viele hundert Kilometer von Berlin entfernt in meinem kleinen Dorf und spiele den taoistischen Eremiten, der mit heiterer Gelassenheit dem fröhlichen Treiben zuhört. „Hier ist das Hauptquartier der Stille“, singe ich sanft ins Telefon und knistere dabei mit einem Stück Zellophan vor der Sprechmuschel, um die atmosphärischen Störungen zu simulieren, die aufgrund der ungeheuren Distanz unausweichlich sind. „Spreche ich mit dem Hauptquartier des Lärms?“ Ein altes Kafka-Wort, wir kennen es beide.
Die Sterne - Kein Mitleid. https://www.youtube.com/watch?v=NBk_wreZQi0

1 Kommentar:

  1. Danke für den ersten Teil. Das hat alle meine bisherigen Überlegungen, Gott-sei-Dank, obsolet gemacht.
    Und ist um ganze Universen besser, als das was mir vorschwebte....

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