Sonntag, 14. Februar 2016

Heinz Pralinski, Mitarbeiter des Monats

Unruhig ging Andy Bonetti vor seinem riesigen Mahagonischreibtisch auf und ab. In seinem Mundwinkel glimmte eine Cohiba Siglo IV, in rhythmischen Schüben kam Qualm aus seinem vor Wut verzerrten Gesicht. Die Umsatzzahlen machten ihm Sorgen. Die Auflage der Risco-Tanner-Reihe war im letzten Quartal gerade einmal um siebzehn Prozent gestiegen, die Rendite seines Unternehmens sank bedrohlich in Richtung fünfzig Prozent. Das Segment der Arztromane war leicht rückläufig, die neue Serie um einen Berliner Hipster („Gute Phasen, schlechte Phasen“) befand sich noch im Entwicklungsstadium.
Er blickte durch die Panoramaglasscheibe hinunter in den Schreibsaal, wo sich bis zum Horizont Schreibtische aneinanderreihten. Auch sonntags wurde hier Weltliteratur produziert. Misstrauisch beäugte Bonetti gerade einen Angestellten seines Medienimperiums, der seit mehreren Minuten zu überlegen schien und keinerlei Text produzierte. Da sah er – weit unter sich – einen kleinen Mann zur Wendeltreppe rennen, die zu seinem vierhundert Quadratmeter großen Büro hinauf führte. Kurze Zeit später klopfte es an seine Tür.
„Ja!“ brüllte Bonetti, ohne die Zigarre aus dem Mund zu nehmen.
Ein untersetzter Mann mit Halbglatze und Hosenträgern kam herein und schwenkte aufgeregt ein Bündel Papier über dem Kopf.
„Mister Bonetti, Mister Bonetti! Endlich haben wir eine großartige Idee!“
„Schießen Sie los! Und wie heißen Sie überhaupt?“
„Ich bin Heinz Pralinski aus Sektor 7G, Abteilung Plotdesign. Wir haben eine neue Figur erfunden. Wir haben sie Lupo Laminetti getauft. Er soll sozusagen der Gegenspieler des Bonetti-Imperiums sein. Antikapitalistisch und der ganze Quatsch. Wir wollen aus ihm eine Serie machen und auf diese Weise auch die Menschen zu Kunden von Bonetti Enterprises machen, die dem Unternehmen bisher kritisch gegenüber stehen.“
„Nicht übel. Zeigen Sie mal her!“
Und so wurde Heinz Pralinski Mitarbeiter des Monats.
Massive Attack – Teardrop. https://www.youtube.com/watch?v=BAVUPu7URbc

Kommentare:

  1. Ich zolle hiermit der Leistung von Heinz Pralinsky von ganzem Herzen Respekt!
    Ein treuer Diener der Sache und der Allgemeinheit.
    Ein Orden ist nicht genug!
    (Wann gibt es wieder Bananen?)

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    1. https://www.youtube.com/watch?v=zspvHTe6hCk

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  2. Cohiba!, 400qm!, „B“ wie Bonetti = BERTELSMANN. Jetzt bin ich angekommen.....
    Wäre B. mal besser in Wien geblieben. Mit Postkarten hätte er all diese äntsätzlichen Leiden vermieden.

    Jedoch, leider und zum wiederholten Male, komme ich nicht darum umhin, meinem tiefsten Missfallen und zugleich unendlicher Traurigkeit Ausdruck verleihen zu müssen!

    Selbst am Tag der Liebenden wird wieder mit sturer Penetranz darauf verzichtet, Bilder mit ansprechend wirkenden Damen im Blog einzustellen!!!

    Frei nach JFK, Bill Clinton, Signore Casanova: Wo ich doch alle Frauen liebe, sehr, immer (und überall)

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    1. Cohiba => Schröder, 400 m² => Hitlers Büro in der neuen Reichskanzlei - und Bonetti ist das italienische Wort für Springer (im Schach).

      Teile meiner Antwort sind falsch, weil die ganze Wahrheit dich beunruhigen würde ;o)

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    2. Ist schon OK, seit 1998 ist für mich nichts mehr wirklich beunruhigend. :-)

      Und auf die wirklich wesentlichen Dinge, die mich umtreiben, gehst Du ja nie ein, höchstens peripher!

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    3. Bonetti hatte früher Borderline, aber jetzt geht es uns allen gut ...

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