Sonntag, 14. Februar 2016

Blogstuff 27

„Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind.“ (Kurt Tucholsky)
Treffen sich ein Amerikaner, ein Usbeke, ein Franzose, ein Apache, ein Pfarrer und ein Arzt in einer Bar. Den Rest von diesem Spitzenwitz habe ich leider vergessen.
Hätten Sie’s gewusst? Heute vor hundert Jahren wurde in China der Reisverschluss erfunden.
Und dann besitze ich noch Kleidungsstücke, die unter die Rubrik fallen: Bedecken nicht mehr den gesamten Bauch.
Der Danger-Seeker 2016 … geht in eine Kreuzberger Szenekneipe und erzählt den Leuten, die Waffen-SS hätte auch gerne schwarze Klamotten getragen.
In unserem „Amtsblättchen für die Verbandsgemeinde Stromberg“ wird oft seitenweise die neue Friedhofsverordnung irgendeines Dorfes veröffentlicht. Ich bin immer erleichtert, wenn ich den Text hinter mich gebracht habe, aber im Hunsrück bist du froh über jede Form von Lesestoff.
Werbung: Schaufensterpuppen in Särgen – Schießereien auf dem Friedhof – Fingierte Rechnungen an ahnungslose Angehörige. Eine erschütternde Reportage aus dem Alltag einer Branche, die längst außer Kontrolle ist. Lesen Sie jetzt den neuen Bonetti! „Wenn Beerdigungsunternehmer über Leichen gehen – Der blutige Konkurrenzkampf in der Wuppertaler Bestattungsindustrie“ von Andy Bonetti. Jetzt in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung!
Machen wir uns nichts vor. Überall, wo du geboren bist, ist es beschissen. Aber an manchen Tagen ist es wenigstens schön beschissen.
Hätten Sie’s gewusst? Bad Nauheim hieß während des Spanischen Erbfolgekriegs La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís, „die königliche Stadt des heiligen Glaubens des heiligen Franziskus von Assisi“.
Was ist der Unterschied zwischen meiner Kindheit in den siebziger Jahren und heute? Damals gab es kritische Medien, die über die Diktatur des Kapitals, das sich die Parteien kaufen, berichtet haben.
Andy „The Rock“ Bonetti will sich übrigens zur Bürgermeisterwahl 2017 als Kandidat bewerben. Er möchte vor dem Hauptbahnhof von Bad Nauheim irgendjemanden erschießen, um zu dokumentieren, dass es seinen Wählern egal ist. Er will Muslimen die Einreise in den Wetterau-Kreis verwehren. Da Mexikaner alle Drogenhändler und Vergewaltiger sind, sind sie ebenfalls unerwünscht. Um die Stadt wird eine Mauer gebaut und jeder Landkreis mit abweichender Meinung bombardiert. Bonetti kommt ohne Spenden aus: „Ich brauche kein Geld, ich bin wirklich reich!“
Johnny Malta liest heute Abend in der Kulturmetzgerei Butzbach aus seinem Werk „Renate – Warum bist du mit dem Paartherapeuten durchgebrannt?“
„Wir können Dinge tun, die unerwartet sind. Das ist so ziemlich der einzige Vorteil, den wir haben.“ (Kampfstern Galactica, zum Thema Unterschiede zwischen Zylonen und Menschen)
Hätten Sie’s gewusst? Bonetti Heavy Industries Unlimited lässt jetzt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh Elektro-Rikschas für den deutschen Markt anfertigen.
Vor zwanzig Jahren, am 1. März 1996, wurde ich am Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin zum Thema „Beschleunigung und Politik“ promoviert. Mein Kernthese: Der wachsende ökonomische Zeitdruck zerstört die Demokratie. Und ich hatte Recht. Wir merken es selbst in unserem Alltag: Auf jede Meldung in der Presse reagieren wir nur noch reflexartig wie eine Eidechse. Was nicht sofort in unser Schema F passt, muss gelogen sein. Die Geschwindigkeit lässt uns verblöden.
Wie alles begann: Als dieses Blog damals (Januar 2009) im Auftrag einer Berliner Kulturinitiative eingerichtet wurde, gab es keine Projektmittel für eine Domain. In 15 Minuten hat mir eine Hilfskraft, ein trockener Alkoholiker aus St. Pauli, im Büro dieses schmucklose Google-Blogspot-Teil eingerichtet. Er hatte sowas auch noch nie im Leben gemacht, war aber im Team derjenige, der “Ahnung von Computerzeug” hatte. Zwei Wochen später ist er aus dem Wedding abgehauen und wieder auf der Reeperbahn versackt, bis heute habe ich ihn nicht wiedergesehen. Das Blog als Teil des Projekts war auf drei Jahre beschränkt, ich schreibe aber immer noch weiter, obwohl das nie geplant war und ich auch jetzt keinen Plan habe, wie lange ich es noch mache. Aber im Augenblick arbeite ich an keinem neuen Buch und die täglichen Fingerübungen halten mich fit für kommende Aufgaben. So wie ein Musiker regelmäßig übt, auch wenn er gerade keine Band oder Auftritte hat.
Care - My Boyish Days. https://www.youtube.com/watch?v=gSce4Ghl_-k

Kommentare:

  1. „Beschleunigung und Politik“ ein feines Thema und bestimmt eine feine Doktorarbeit. Wie wurde sie bewertet? Heute könntest Du damit vielleicht keinen Blumentopf gewinnen. Obwohl, Berliner Unitäten sollen sich in manchen Fakultäten doch noch eine gewisse Liberalität bewahrt haben.

    Schreib bitte weiter und weiter und weiter! Und wenn es nur dazu führt, das fast täglich „Muttis“ Antlitz den „schmucklosen“ Blog ziert. Und kompletter Unfug durch den, sich dahinter Schutz suchenden, Kommentator verzapft wird.

    „Man kann eben nicht alles haben“, oder „das Leben ist kein Wunschkonzert“, oder kurz und knapp: „shit happens“!
    Schönen Sonntag in das „Tor zum Hunsrück“.
    Wenn es Dir dort mal zu langweilig wird, kannst Du ja mal den Ort „Abentheuer“, im Lkr. BIR heimsuchen (1 Auto-Std.), sogar ein „staatlich anerkannter Erholungsort“. Nomen est omen - Stoff für ein neues Buch bis zum Abwinken. :-)

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  2. Vielen Dank und herzliche Grüße nach Thailand. Ich habe ein "magna cum laude" bekommen und hatte bei der mündlichen Prüfung am 1. März 1996 schon einen Arbeitsvertrag für ein Forschungsprojekt zum Thema "Zeit" in der Tasche, ohne auch nur eine Bewerbung geschrieben zu haben.

    Abentheuer klingt gut, hier in der Nähe ist ja auch "Sommerloch". Da muss der Bürgermeister jeden August Interviews geben, damit irgendwelche Zeitungen die Seiten füllen können.

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  3. Hat Blogger meinen Kommentar von heute gefressen obwohl er mir als veröffentlicht angezeigt wurde? Wenn nicht und du hättest ihn rausgeschmissen (weiß nicht ob das bei Blogger geht), auch nicht schlimn. Wundert mich nur.

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    1. Hab nix bekommen. Hat der Hund gefressen ... Versuch's bitte nochmal. Ich lösche hier nix.

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    2. Hätte ich dir auch nicht zugetraut, zumal ich nichts "schlimmes" geschrieben hatte. Mich hatte das nur gewundert, weil er mir als veröffentlicht angezeigt wurde. Ich habe ihn hier stehen sehen, vielleicht spinnt Blogger heute.

      Ich hatte gefragt, ob ich mich irre, was sein kann, oder ob du den letzten Absatz so oder ähnlich nicht mal als Kommentar bei Pantoufle gepostet hattest als irgendwer von den Kommentatoren fragte warum er (Pantoufle) oder du nicht selbst hosten. Mir kam der Absatz so bekannt vor.

      Und zum vorletzten Absatz hatte ich gefragt ob ich jetzt damit angeben darf dich zu kennen. Immerhin hattest du ja Recht mit deinem Thema.

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    3. Da hast du aber ein gutes Gedächtnis. Den Textbaustein hatte ich bei der Schrottpresse abgeladen. "Blogstuff" ist immer ein Sammelsurium aus Schnipseln, Bruchstücken und Zeug, das ich anderswo in Kommentarspalten als Strulli hinterlasse. Kommt eben alles in die Wurst ;o)

      Das Prinzip habe ich von einer sizilianischen Freundin, die mal "sizilianische Pizza" gemacht hatte. Ich fragte nach dem Rezept und sie hat es mir gezeigt: Mach den Kühlschrank auf und packe alles, was du an Wurst, Schinken, Fisch und Gemüse findest, auf den Teig. Die Pizza ist also jedes Mal anders, aber sie hat immer geschmeckt.

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  4. Also der ist da, dann gleich noch was, allerdings OT: Ich kam gestern über die Blogroll einer Leserin von mir zu dem Nebenprojekt vom Ackerbauer und dessen Post über Herrndorf, den du kommentiert hast. http://diezeitensindvorbei.blogspot.de/2016/01/arbeit-und-struktur.html

    Deinen Post über Herrndorf habe ich auch gelesen. Wenn man nicht gerade mit Arbeit&Struktur anfangen will (ich kann das ab, aber durch meine eigenen Dauerkopfschmerzen - Zustand nach Kopf-OP natürlich, in den Krampfphasen zieht es mir gefühlt die Kopfhaut weg -, wird mir da möglicherweise wenn auch aus anderen Gründen, das ein oder andere bekannt vorkommen, da er ja wahrscheinlich auch irgendwann mal gegen die Schmerzen anschrieb und ich möchte was lesen, das ich eben nicht "kenne") kannst du mir was zum Einstieg empfehlen? Falls du noch was anderes von ihm kennst meine ich.

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    1. Mein absolutes Lieblingsbuch ist "Tschick". Habe ich schon zweimal gelesen und des Öfteren verschenkt. Eigentlich ein Jugendbuch, aber es ist auch für Erwachsene geeignet. Lakonisch, lustig und mit Tiefgang wie der "kleine Prinz", aber absolut im Hier und Jetzt angesiedelt. Ich hoffe, es gefällt dir. Deine Meinung würde mich interessieren, Kollegin.

      P.S.: Meine Kommentare in diesem Blog werden auch manchmal verschluckt, deswegen kopiere ich sie erst, bevor ich sie absende. Notfalls kann man sie noch ein zweites Mal abschicken, Z.B. wenn man nicht beweisen konnte, ein Mensch zu sein ;o)))

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    2. Danke! Das meine ich sogar irgendwann mal in der örtlichen Thalia gesehen zu haben. Wenn es das ist mit Junge, der es von einer "Förderschule" (bei uns heißen die nur Verwahranstalt, viele mit ICP landen da, kenn x Leute) auf Gymnasium geschafft hat? Da spielt doch auch ein WV-Bus oder so eine Rolle, oder? Ich meine ich hätte den Klappentext mal gelesen. Ist das was, das man in Schulen liest und eventuell vor 2007 erschienen? Dann hatte ich es als Schulbibliothekarin vielleicht mal in der Hand. Weiß gerade nicht wo ich den Klappentext las. Ich schreibe meine Kommentare normalerweise in Word vor, besonders die für blogger-Blogs wegen der sinnvollen aber mitunter skurilen Verifizierung.

      Von wegen Sammelsurium: So entsteht mein "Stadtpoem", alles was mir unterwegs irgendwie einfällt kommt da rein und das ein oder andere landet per Zufall in der Rubrik. Und was bei deiner Freundin Pizza ist bei Atelier-Kind und dergl Waffel. Alles was wir finden kommt in den Teig. Gestern hatten wir Reibekäse, Salami, Zwiebeln und Oregano, alles kurz vorm Ablauf. Das war ursprünglich aus Not eine Tugend machen: Kinder mögen Waffeln und dergl braucht sich die Einzelteile nicht pürieren, weil Waffeln weich genug zum halbwegs schmerzhaften Kauen sind. Seitdem haben wir keine Ahnung was alles in Teig gehabt.

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    3. Ein Junge ist Spätaussiedler, sie sind in einem Lada unterwegs und das Buch ist 2010 erschienen. Zwei Jungs on the road. Stimmt also ungefähr ;o)

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    4. Ich habe es mir vorhin mitgebracht als ich an der thalia vorbei kam. Klingt zumindest schon mal nicht wie etwas, dass ich schon mal in anderer Form gelesen hätte, ich lerne also dann tatsächlich was Neues. Klingt von der Kombi auch irgendwie ein bisschen nach meinen Eltern von der Kombi her: Mein Herr Vater aus ner Familie in Bayern mit schicken Autos, sieben Filialen und nettem "Häuschen", meine Frau Mutter Kind eines siebenbürgischem (also auch so eine Art Aussiedler im weiteren Sinne) Bergmannes. Wer weiß was die, wären sie nicht so "ill-matched" - deutsche Bezeichnung kenne ich nicht - gewesen für ein Roadmovie hätten haben können...

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    5. Ich wünsche dir viel Vergnügen und glaube nicht, dass du den Kauf bereuen wirst.

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  5. Ich habe es gestern Nachmittag wie das meine Art ist komplett und ohne drüber Nachzudenken durchgelesen. Ich lese Bücher immer zwei oder dreimal. Und, nein, ich bereue den Kauf nicht. Was ich bereue, lässt sich aber nicht ändern ist, dass ich die anderen zwei Herrndorf-Bücher, die im Regal standen nicht gleich mitgekauft habe, mich würde interessieren wie er schreibt, wenn er sich an eine andere Zielgruppe richtet. Na ja, ich muss Ende nächster Woche da noch mal lang, geh ich halt noch mal rein in den Laden…

    Erster Gedanke: Die Sprache könnte von Mikesch sein. (Die ja bekanntlich nicht sehr ihrem Alter gerecht ist.)

    Ersteinhalber Gedanke: Ich las irgendwo, Herrndorf wäre als „Pop-Literat“ verschrien worden und das sei keine sehr ehrenvolle Bezeichnung, also „Hey Mikesch, du bist Popstar!“

    Zweiter Gedanke (der hat sich dann auch bewahrheitet): Der Mit-Künstler wird das Buch ohne ausgelesen zu haben nicht mögen, denn das was Maik mit dem Schulaufsatz passiert ist ist ihm auch passiert. „Das ist deine MAMA, über die darfst du das nicht schreiben.“ Das hat ihn nachhaltig negativ beeindruckt.)

    Dritter Gedanke: Dieses Gottbox-Ding hat für mich nie funktioniert, egal wie viele Leute darauf schwören. Ich sollte falls mich noch mal wer zum Versuch bequatscht das Ding „Beate“ nennen. Beate hieß die Frau, die mir zum Verdruß meiner Eltern und nachdem (sic!) mit die rote Yamaha längst versprochen war das Radfahren beibrachte. Seitdem halte ich den Namen in Ehren.

    Vierter Gedanke: Der Alte kommt dir bekannt vor, irgendwo her kommen Klischees ja immer, so ein Unikat kann meiner nicht gewesen sein.

    Ich habe, zum Verdruß des Mit-Künstlers, aber auch wahnsinnig viel gelacht. Das zweite Lesen wird bestimmt gehaltvoller (schon da langsamer). Ich glaube allerdings jetzt schon ein Geburtstagsgeschenk für meinen Stiefvater gefunden zu haben. Kann er ja nachts auf irgendeiner Raststätte lesen… ;)

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