Dienstag, 16. Februar 2016

An den Rändern der Welt

„The earth without art is just ‚eh‘.“ (Banksy)
Traumfetzen einer einzigen Nacht:
Ich fahre mit einem Freund in einer S-Bahn im Ruhrgebiet. Wir fahren bis Bottrop. An Haltestelle 68 sind wir eingestiegen, an Nr. 52 müssen wir aussteigen. Ich halte die winzige Fahrkarte in meiner Hand. Auf der Bank gegenüber sitzt ein langhaariger junger Mann mit einer Wollmütze. Er ist völlig betrunken und singt in Rap-Form von seinen Schwierigkeiten mit der Polizei und seinen Geldsorgen.
Mit fünf anderen sind wir in einem Raumschiff unterwegs. Wir müssen umsteigen. Ich befinde mich kurz darauf in einem Schlauch aus zähem, gummiartigem Material, aus dem ich mich nicht befreien kann. Kamera von oben. Wir sind alle in rechteckigen Wannen, bedeckt mit verschiedenfarbiger Masse. Eine Art lebendiger Teigrolle. Außerirdische haben uns gefangen und werden uns verspeisen. Es gibt keine Chance zu entkommen.
Eine Art Klassentreffen in einem Raum mit Glaswänden wie ein Aquarium. Wir sind etwa zehn Leute, es gibt ein Buffet. Wir erzählen, wie es uns in den letzten Jahren ergangen ist. Zwei Frauen haben dieselben psychischen Störungen wie damals. Sie glauben an imaginäre Personen, mit denen sie zusammenleben. Eine dieser Phantasiegestalten heißt Ding-Dong. Als die beiden Frauen gegangen sind, sprechen wir über sie. Wir geben ihnen keine Chance, wieder gesund zu werden. Ich verabschiede mich von der Gastgeberin, meiner Ex-Freundin, und gehe hinaus. Es ist Winter, eine Schneelandschaft bis zum Horizont.
Ich tippe auf einer Schreibmaschine folgenden Text. Nur den ersten Satz habe ich klar in Erinnerung, den Rest sinngemäß:
„Die Straßen Venedigs sind nicht tief und voller Geschichten. Ich bin gebeten worden, Ihnen diesen Satz zu schreiben. Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen. Ich möchte sie nicht beunruhigen. Sie sind vollkommen sicher. Ich weiß nicht, ob alle Straßen sicher sind. Wie tief sind die Straßen anderer Städte? Welche Geschichten können Sie über die Straße vor Ihrem Haus erzählen? Fühlen Sie sich in diesem Augenblick sicher? Wer hat mich gebeten, Ihnen diesen Satz zu schreiben? Drehen Sie sich jetzt nicht um. Ich darf Ihnen auf diese Fragen keine Antwort geben. Ich kann Ihnen nur sagen: Die Straßen Venedigs sind nicht tief und voller Geschichten.“
P.S.: Und in der letzten Nacht habe ich zum ersten Mal in meinem Leben geträumt, ich hätte ein Kind. Mein Sohn, dessen Name ich nicht kenne, schläft friedlich neben mir auf dem Sofa, während ich mit einigen Freunden (darunter Samuel L. Jackson!) eine Purpfeife rauche. Krass, oder?
George Benson - Give Me The Night. https://www.youtube.com/watch?v=l_JgRtv50fs

Kommentare:

  1. Was hast Du heute morgen eingeworfen?
    Immer eines nach dem anderen, nicht gleichzeitig.
    Ich hatte es Dir doch gesagt, wieder vergessen, was?

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  2. Du sollst abends keine Masurische Glupse essen!

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    1. Kann es das alleine gewesen sein? Liegt die so schwer im Magen? Herrje!
      Selbstverständlich sind meine Einlassungen in keinster Weise mit kritischen, oder sogar negativen Äußerungen behaftet. Das steht einem Leser von Bonetti Media per se überhaupt nicht zu.
      Es ist nur die Stimme eines "beorgten" Lesers..

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  3. Also der Teil mit Bottrop und winziger Fahrkarte muss auf jeden Fall geträumt sein. Ich weiß zwar nicht wo genau Bottrop liegt, aber es ist mit meiner Stadt im selben Verkehrsverbund und verglichen mit den Tickets, die ich vom VRN in Heidelberg kenne sind „unsere“ Tickets hier groß (ungefähr doppelte Größe). Wenn du mir aus irgendwelchen Gründen nicht glauben solltest (was wiederrum ich nicht glaube) frage einfach beim glumm. Solingen befindet sich ebenfalls mit Bottrop im VRR. Ich weiß zwar nicht ob der die Ticketgröße von VRN kennt, aber er wird dir bestätigen können, dass der VRR seine Tickets nicht „winzig“ hat ;)

    Und die Dame mit „Ding-Dong“ muss ‘ne verstorbene Hexe sein. (Frag die Tube mal nach dem Klaus Nomi-Song gleichen Namens…)

    Ein Kind hatte der Mit-Künstler im Traum auch mal. Hieß Michael, keine Ahnung warum. Das Atelier-Kind heißt nicht so, sieht dem Traum-Kind aber ähnlich, kann es also nicht gewesen sein. Er hat mir das so detailreich geschildert, dass die Nacht darauf ich mit Balg im Traum beschäftigt war.

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    1. Es ist alles geträumt. Ich habe mich nur gewundert, wie genau ich mich an die einzelnen Traumsequenzen erinnern kann. Normalerweise hat man nur den letzten Zipfel kurz vor dem Aufwachen in Erinnerung. Das Schreiben kommt in meinen Träumen häufiger vor.

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  4. Bottrop is nich mal so übel. Jedenfalls die Stammkneipe der Boxfreunde Bottrop. Da gibts ordentlich das Mütchen gekühlt, wenn du was falsches bloggst übers Boxen. Und George Benson erinnert mich an die Zeit, wo ich im Obi ein paar Wochen lang im Kittel im Gang rumststand und von nichts eine Ahnung hatte 1987 - und George Benson lief in einer Dauerschleife.

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    1. Bottrop ist bisher ein Traumziel geblieben. Ich nehme den Ortsnamen gerne für irgendwelche Albernheiten (so wie Lüdenscheid oder Buxtehude, Castrop-Rauxel oder Pirmasens), aber eines Tages möchte ich in echt dahin. Solingen kenne ich auch nicht - dafür war ich eine Million mal in Remscheid, da ist meine Ex her.

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