Sonntag, 11. Oktober 2015

Zardoz

“Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.” (Philip K. Dick)
Der Film “Zardoz” ist eine Dystopie aus dem Jahr 1974, die in meinen Augen die Welt des 21. Jahrhunderts perfekt beschreibt. Er wurde von John Boorman in Großbritannien gedreht, in den Hauptrollen spielen Sean Connery und Charlotte Rampling.
Die Welt der postapokalyptischen Zukunft, im Film das Jahr 2293, zeigt eine Menschheit, die vollständig in Arm und Reich geteilt ist. Zwischen beiden Welten sind durchsichtige Wände, durch die das arme Volk die reiche Elite beobachten kann. „Die Ewigen“ leben unter der Kuppel des sogenannten Vortex ein Leben ohne Gefahr und Gewalt, ohne Sex und Schmerz, ohne Krankheit und Tod. Sie wirken wie eine linksalternative Landkommune, bauen ihr Gemüse und ihr Getreide selbst an, essen und diskutieren gemeinsam, es gibt keine Hierarchie. Demokratie und Gleichberechtigung sind selbstverständlich bei allen Entscheidungen. Ein Computer – das „Tabernakel“ - reguliert dieses Paradies und im Falle eines tödlichen Unfalls wird der Bewohner wieder rekonstruiert.
Auf der anderen Seite der Kuppel leben die sogenannten „Brutalen“. Sie leben in Armut und Chaos, sie sind in Lumpen gekleidet und Opfer mörderischer Gewalt. Das Vortex beliefert die Welt der Brutalen regelmäßig mit Waffen und Munition. Es ist die Hölle auf Erden. Es gibt keine Ordnung und keinen Frieden, Menschen werden zum reinen Vergnügen vergewaltigt und ermordet. Einer der Brutalen, Zed, gelangt eines Tages ins Vortex. Er dient den belustigten Ewigen als Versuchsobjekt, aber er ist es, der am Ende eine Revolution auslöst, in der die Brutalen die Welt der Ewigen zerstören und sie von der Unsterblichkeit erlösen.
Unsere Gegenwart zeigt die gleichen Phänomene: Via Medien können die Armen die Reichen durch gläserne Wände betrachten und träumen von ihrem Leben. Der Luxus der Reichen ist kaum noch zu steigern, die Medizin arbeitet an der Verlängerung des Lebens und mithilfe der Forschung wird vielleicht zumindest einmal unser Gehirn unsterblich werden. Die Welt der Elite wirkt – oberflächlich betrachtet – sehr friedlich und ökologisch orientiert, während mit Waffenlieferungen der Krieg der Armen untereinander forciert wird. Dekadenz und Reformunfähigkeit lähmen die Welt der Reichen, während die Welt der Armen in Chaos und Gewalt versinkt. Auch für uns kann die Rettung nur von außen kommen, durch die gewaltsame Zerstörung einer Ordnung, die allein auf Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufgebaut ist.
Ultravox – The thin wall. https://www.youtube.com/watch?v=uLcT0U-9iV4