Mittwoch, 27. Mai 2015

Der Mann, der Berlin verkaufte

„Ein Held kann man sein, auch ohne die Erde zu verwüsten.“ (Nicolas Boileau-Despréaux)
Wer weiß, wie die deutsche Geschichte verlaufen wäre, hätte es diesen Mann nicht gegeben? Preußen wäre vermutlich nicht zur Großmacht aufgestiegen. Keine Hohenzollern-Dynastie, kein ehrgeiziger Profilneurotiker, der Deutschland und die Welt in den Ersten Weltkrieg stürzt. Und die Flagge des Freistaats Bayern würde auch an der Spree und der Oder wehen. Berlin - eine bayrische Metropole. Was für eine Vorstellung. Oder aus Berlin wäre erst gar keine Metropole geworden, sondern eine bayrische Provinzstadt. Ein märkisches Passau. Aber es ist alles anders gekommen.
Berlin wurde von einem Mann verkauft, dem das Geld und das schöne Leben lieber gewesen sind als das Regieren eines störrischen Völkchens am Rande des Reiches. Sein Name: Otto der Faule. Er war der jüngste Sohn Ludwigs des Bayern, der als deutscher Kaiser die Mark Brandenburg erworben hatte, nachdem die im Osten herrschenden Askanier ausgestorben waren. Berlin und Brandenburg waren also im Besitz der Wittelsbacher, die bekanntlich von 1180 bis 1918 das Königreich Bayern regiert haben. Otto der Faule trug seinen Namen nicht zu Unrecht, er galt als träge und hedonistisch, fress- und sauflustig. Im Jahre 1373, sein Vater war schon lange tot, verkaufte er Brandenburg und damit auch Berlin für 500.000 Gulden an den Kaiser Karl IV.
Solchermaßen mit Reichtümern gesegnet beschloss Otto der Faule im Alter von 27 Jahren, fortan das Leben als Frührentner zu genießen. Auf Schloss Wolfstein in Landshut beendete er sein Luxusleben – nur sechs Jahre später. Sein Denkmal stand von 1899 bis 1945 an der ehemaligen Siegesallee im Berliner Tiergarten – vom Volksmund „Puppenallee“ genannt -, seit einigen Jahren lagert es in der Zitadelle Spandau. Berlin sollte diesem Müßiggänger noch heute dankbar sein. Ohne seine sympathische Bocklosigkeit würde jetzt Horst Seehofer mit seiner CSU in Stadt und Land herrschen. Wie wäre es mit einem neuen Denkmal für Otto den Faulen in SO 36?
Ideal - Frau mit Geld. https://www.youtube.com/watch?v=Yy7iZveG3u0
P.S.: „Kritische und satirische Blätter wie Kladderadatsch, Simplicissimus oder Lustige Blätter nahmen das Thema dankbar auf. Insbesondere die Darstellung Ottos des Faulen aus dem bayerischen Haus Wittelsbach beflügelte die Karikaturisten. Adolf Brütt hatte den Markgrafen der Jahre 1365 bis 1373 ‚in ziemlich lascher Haltung und mit herunterhängenden Augenlidern, kurz mit blödem Gesicht‘ dargestellt. Durch diese Darstellung fühlten sich einige Bayern angegangen, die eine Stichelei des preußischen Künstlers argwöhnten.“ (wikipedia: Siegesallee)

Kommentare:

  1. Ohhhh......was wäre, wenn das Elsass immer noch Deutsch wäre, ohne 30 jährigen Krieg.
    Was wäre ein Deutschland in den Grenzen von 1871, mit einer autonomen polnischen Region im Osten, mit einer liberalen Föderation. Und vor allem Liberal in der eigentlichen Bedeutung.
    Ein Habsburger Reich, ebenfalls umgewandelt in einen föderalen Staat, mit autonomem Ungarn, Serbien, was weiß ich. Als Gegengewicht zu Protestantismus / Preußen / Deutschland.
    Und all das gewürzt mit jüdischem Genius.
    Die USA wären ein Entwicklungsland.

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    1. Ich glaube, diese Entwicklung wurde schon Ende des 18. Jahrhunderts verpasst. Amerika hatte eine erfolgreiche Revolution, Europa eine gescheiterte. Wem Freiheit wichtig war, ist im 19. Jahrhundert nach Nord- oder Südamerika ausgewandert.

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    2. Stimmt, ich habe den Mehltau Adel vergessen.
      Man kann es sich heute einfach nicht mehr vorstellen...........halt !
      Wer ist denn heute Unser "Adel", der Uns am Nachdenken hindert ?
      Der alles in einem warmen, zähen, alles verblendenden Sirup versinken lässt.
      Und wie durch ein Wunder jegliche Opposition sofort verstummen lässt.
      Ohne jegliche Gewalt. Genial.

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    3. Der Adel hat sich in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs selbst vernichtet und den ganzen Kontinent in den Abgrund gerissen. Aber der heutige Geldadel unterscheidet sich von den alten Herrscherhäusern nur graduell.

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    4. Die Parallelität von (Geld)adel und die Welt in den Abgrund reißen ist ja schon mal da.
      Jetzt fehlt nur noch sich selber vernichten. Mal sehen.

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