Mittwoch, 14. Januar 2015

Verbrechen und Geschäft

Organisierte Kriminalität ist Ökonomie in Reinkultur, denn sie muss sich nicht den störenden Einschränkungen der staatlichen Gesetzgebung unterwerfen. Dazu drei Beispiele:
Preise: Die Preise für Waren (z.B. Drogen, Hehlerware) oder Dienstleistungen (z.B. Prostitution, Sicherheit) können sich ungehindert zwischen Angebot und Nachfrage bilden, ohne durch Steuern und Zölle, Tarifverträge und Mindestlöhne, technische Kontrollinstanzen, Honorar- und Gebührenordnungen usw. beeinflusst zu werden.
Personal: Der Personaleinsatz kann mit maximaler Flexibilität und nach reinen Effizienzkriterien gestaltet werden. Es gibt weder Arbeitsverträge, Kündigungsschutz, Altersvorsorge, geregelte Arbeitszeiten, Überstundenvergütung, Ansprüche auf Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Berufsunfähigkeitsversicherung, Weihnachtsgeld, Datenschutz oder irgendwelche anderen Arbeitnehmerrechte.
Produkte: Die Produkte können ohne hemmende Faktoren wie Patentschutz, Umweltauflagen, staatliche Kontrollen, Verbraucherschutz usw. hergestellt und vertrieben werden. Ironischerweise bildet der staatliche Einfluss im lukrativsten Teil der organisierten Kriminalität, im Drogenhandel, sogar die Geschäftsgrundlage, denn ohne Prohibition wären die Gewinnspannen deutlich geringer.
Es darf daher nicht verwundern, wenn sich im Zeitalter der totalen Ökonomisierung die globalisierte Wirtschaft zunehmend in Richtung der organisierten Kriminalität entwickelt. Schließlich werden dort die höchsten Profite erzielt. Das Ziel ist die völlige Identität von Verbrechen und Geschäft. Unterwelt und Oberwelt – da wächst zusammen, was zusammen gehört. Daher sind die Unternehmen, die Banken und die von ihnen kontrollierten Regierungen auch fortwährend bestrebt, Hemmnisse auf dem Weg in eine totale Ökonomie zu beseitigen. Steuern, staatliche Kontrollen, Arbeitnehmerrechte, Rente, Sozialstaat, Standards für Waren und Dienstleistungen sind aus dieser Perspektive nur störende Hindernisse.
Und plötzlich erkennt man den tieferen Sinn der Hartz-Gesetzgebung, der Kürzung des Rentenniveaus, von TTIP-Verhandlungen und der Verlagerung der Konzerngewinne in Steueroasen. Der Weg, den wir gehen, ist tatsächlich alternativlos. Man muss sich an dieser Stelle für die Ehrlichkeit der Bundeskanzlerin bedanken, die diesen Begriff in die Welt gesetzt hat. Wir haben buchstäblich keine Wahl.
The Lurkers - I'm On Heat. https://www.youtube.com/watch?v=Qts7Z2T5NO4

Kommentare:

  1. Das ist jetzt also die ultimative Kapitalismuskritik.
    Hm.......
    Behaupte, daß das eher ein Zustandsbericht ist.
    Die einzig offene Frage ist, wie werde ich ( oder man ) genau so rücksichtslos und durchsetzungsfähig um da mitzuspielen.
    Ein Karatekurs und eine Beretta in der Jackentasche alleine reichen da nicht.
    Es sind wohl eher die soft skills.
    Und ob man ( oder ich ) das auch will. Also so zu sein.

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  2. Wenn du da mitspielen willst, wünsche ich dir viel Vergnügen. Ich habe mich aus dem Spiel längst zurückgezogen.
    Ich habe auch keine Angst vor dem Untergang des Abendlands. Diesen Untergang haben wir längst hinter uns. Es ist auch nicht fünf vor Zwölf, wie gerne geschrieben wird, sondern mitten in der Nacht.
    Materiell zumindest hat es ja eine kleine und blütenweiße Minderheit zu großem Fortschritt gebracht, aber geistig stagniert die Entwicklung seit zweihundert Jahren.

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  3. Perfekt! Ich hätte es nicht wirklich anders geschrieben,was mich schon wieder erstaunt...

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  4. Interessanter Ansatz. Daß Wir seit 200 Jahren, das wäre also seit den Napoleonischen Kriegen, in der Entwicklung stagnieren. Also seit dem Wiedererstarken des Adels und der Bekämpfung der Idee der Republik. Ja, warum nicht !
    Auch seltsam, daß gerade in einer Zeit der absoluten Barbarei gerade von dem Volk, von dem diese Verbrechen ausgingen, große Technische Impulse ausgingen.
    Aber nur technische. Düsenjäger, Lenkwaffen (V1 und so ), moderne U-Boote. Die Liste lässt sich fortsetzen. Somit technischer Fortschritt den Menschen nicht unbedingt weiter bringt.
    Höchstens räumlich.

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    1. Dazu kannst du morgen was lesen, heute habe ich noch was zur Propaganda raushauen müssen ;o)

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