Samstag, 22. November 2014

Wie der Buchhandel wirklich läuft

1
Es war früher Morgen und dichter Nebel lag über dem North Beach von Bad Nauheim. Kommissar Schawanski drückte die Zigarette im Aschenbecher aus und stieg aus seinem Opel Omega.
Ein Jogger hatte die Leiche gefunden und ein Streifenpolizist stand in unmittelbarer Nähe. „Ich habe nichts angefasst“, sagte er stolz, als der Kommissar aus dem Nebel auftauchte.
Schawanski beugte sich hinab und betrachtete, was die Fische von dem Gesicht des Toten übrig gelassen hatten. Irgendwie kam ihm der vier Zentner schwere Typ mit den dünnen schwarzen Haaren bekannt vor.
Zwei Kugeln in den Bauch und eine Kugel ins Herz. Aus nächster Nähe. Die Schmauchspuren waren deutlich zu erkennen. Er zog seine Gummihandschuhe an und durchsuchte die Taschen des Mordopfers. Keine Brieftasche, keine Papiere. Wer auch immer diesen Mann verschwinden lassen wollte, hatte gründliche Arbeit geleistet.
Der Kommissar fand ein Streichholzbriefchen der Morena-Buchhandlung. Und er sah die vier tätowierten Buchstaben auf den Knöcheln der rechten Hand: FMGB. Das war Frankie „Machine Gun“ Bertone, ein Auftragsmörder, dem man bisher nie etwas nachweisen konnte.
Jemand war schneller gewesen als „Machine Gun“. Besser. Schawanski hatte einen Verdacht und lächelte grimmig.
2
Es war nicht schwer gewesen, Nemo Breslauer zu finden, denn er hinterließ eine Spur wie ein Sattelschlepper. Sein kanariengelber Hummer H2 stand auf dem Parkplatz hinter dem schäbigen Verlagshaus in der 41. Straße und er musste nur warten. Er öffnete eine Tür des Wagens mit seinem Dietrich und legte sich hinter den Vordersitz auf den Boden. Eine Stunde später kam Breslauer heraus, schloss die Fahrertür auf und setzte sich ans Steuer. Als er den Wagen in die Tiefgarage seines Apartmenthauses in der Bad Nauheimer East Side abgestellt hatte, drückte Bonetti ihm seinen Colt Python an die Schläfe.
„Wer hat Frankie auf mich angesetzt?“
Nemo erkannte die Stimme sofort. „Bitte, bring mich nicht um, Andy.“
„Wenn ich das wollte, hätte ich es schon längst getan. Also: Wer war es?!“
„Die New Yorker Familie. Sie wollen das Geschäft mit dem Bahnhofsbuchhandel und den Supermärkten übernehmen.“
Bonetti roch Breslauers Uringestank. „Wer noch?“
„Chicago und Detroit. Ich bin nur ihr Autor, Andy. Bitte tu mir nichts.“
„Du wirst dich nie wieder in Bad Nauheim blicken lassen. Hast du das verstanden, du Arschmade?“
„Natürlich. Ich mache alles, was du willst.“
Bonetti schoss Breslauer das rechte Ohr ab, die Windschutzscheibe des Hummer zerbarst in tausend Teile. Dann stieg er aus.
3
Bonetti betrat die Morena-Buchhandlung durch die Vordertür. Seine gefürchtete Linke war mit einem Schlagring verziert, in seiner Rechten hielt er einen Totschläger. Die beiden hünenhaften Bodyguards, die am ersten Regal hinter dem Eingang standen, erkannten den berühmten Autor und stürzten sich sofort auf ihn.
Er traf den ersten mit einem Fausthieb in den Solarplexus und zog ihm den Totschläger über den Schädel. Der zweite Typ wollte eine Pistole ziehen, doch Bonetti brach ihm mit einem gezielten Schlag das Handgelenk und zertrümmerte ihm mit einer linken Geraden das Nasenbein. Auch er sank bewusstlos zu Boden.
Bonetti stürmte ins Hinterzimmer, wo Tony „Merciless“ Costello gerade einen Riesenhaufen Bargeld zählte. Er packte den Capo des New Yorker Mobs mit einer Hand an der Kehle und ließ ihn einen halben Meter über dem Boden zappeln. Costello war ein kleiner schmächtiger Mann mit eisengrauen Haaren und roten Hosenträgern.
„Du bist raus aus dem Geschäft, Tony! Ist das klar?“
Costello röchelte und die Augen quollen aus seinem Gesicht.
Bonetti schlug seinen Kopf auf die Tischplatte, bis die Zähne aus seinem Mund flogen, als sei er ein Popcornautomat.
„Ist das klar?! IST – DAS – KLAR !!!“
Bonetti schleuderte ihn gegen die Wand des Büros.
„Wenn ihr bis morgen früh nicht aus der Stadt verschwunden seid, dann komme ich mit Johnny Malta und Heinz Pralinski nach New York und wir nehmen euer ganzes verficktes Verlagshaus auseinander. Ich will eure gottverdammten Scheiß-Bücher hier nie wieder sehen. Capisce?!“
Queen - Las Palabras de Amor. http://www.youtube.com/watch?v=ezlugYeippk