Dienstag, 14. Oktober 2014

Werte

„Das Schlimmste, was sich von unseren meisten Übeltätern, von Staatsmännern bis zu Dieben, sagen lässt, ist dies, dass sie nicht Manns genug sind, um verdammt zu werden.“ (T. S. Eliot)
Es ist in den Reden der Politiker oft von Werten die Rede. Es heißt, der Westen habe Werte, die es weltweit zu verbreiten und zu verteidigen gelte. Ich bin mir dann nie ganz sicher, welche Werte gerade gemeint sind. Sprechen die Politiker von immateriellen Werten, also von Menschenrechten, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit, oder sprechen sie von materiellen Werten, also von Umsatz, Profit, Auslandsinvestitionen und Krediten? In den Sonntagsreden wird Moral gepredigt, an den Werktagen werden Geschäfte gemacht. Während die linke Hand mit erhobenem Zeigefinger droht, hält man die Rechte auf, um das Geld einzustreichen. Wenn es uns mit unseren Werten ernst wäre, würden wir beide Sphären nicht trennen. Der Westen würde dann nicht gelegentlich mit einer partiellen Sanktion oder dem Boykott einer Sportveranstaltung drohen, sondern konsequent jedes Geschäft und jedes politische Abkommen mit Staaten ablehnen, in denen eine Diktatur herrscht und in denen unsere Sozialstandards in der Arbeitswelt nicht eingehalten werden.
Das heißt: Keine Geschäfte mit Russland. Keine Geschäfte mit China. Keine Geschäfte mit den arabischen Scheichtümern, die den Terrorismus gegen uns finanzieren. Keine Geschäfte mit den meisten afrikanischen und asiatischen Ländern. Keine Geschäfte mit Erdöl und Erdgas, mit Waffen, mit billigen Textilien und den Erzeugnissen der Plantagenbesitzer. Wenn die westlichen Staaten ihre „Werte“ tatsächlich einmal mit Leben erfüllen würden und sie nicht nur in ihren politischen Erbauungspredigten wie eine Monstranz vor sich her trügen, wenn westliche Wertvorstellungen nicht mehr an der Brieftasche Halt machten, würden wir an Glaubwürdigkeit gewinnen. Alles andere ist Empörungslametta, ist rein semantische Problembearbeitung oder politische Selbstvermarktung.
Die Diktatoren dieser Welt müssen uns nicht ernst nehmen und sie tun es auch nicht. Wir verteidigen unsere Werte längst nicht mehr und darum verbreiten sie sich auch nicht auf dieser Welt – egal wie viele Bomben und Drohnen der Westen noch auf den Rest der Menschheit herab regnen lässt. Wir sind Witzblattfiguren geworden, denen niemand mehr glaubt. Und selbst im Westen sind die sogenannten Werte durch Einschüchterung, Überwachung und elitäre Parteienherrschaft längst ausgehöhlt worden. Wer nicht kuscht, verliert seinen Arbeitsplatz, sein Eigentum und seine Freiheit. Wir nehmen unsere Werte selbst nicht mehr ernst und wir werden von den Anderen ausgelacht, die uns jeden Tag unser bisschen Moral für ein paar Petrodollar, für Erdgas, eine billige Jeans oder ein paar Bananen abkaufen können.
Fatboy Slim – Push The Tempo. https://www.youtube.com/watch?v=so9DBHCo64Q
Daheim in der westlichen Wertewelt

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